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4 Lange Nächte : Vielfalt und Qualität mal vier

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Veranstaltungsreihe „4 Lange Nächte“ geht mit der „Langen Nacht der Kunst“ zu Ende. Großer Zulauf und positive Resonanz der Besucher.

Eckernförde | „Vielfalt“, dein Name sei Überschrift über die „4 Langen Nächte“ im November und über vier späte Sonnabende im Zeichen der Kultur. Ein riesiges Programm hat da Andrea Stephan, die Kulturbeauftragte der Stadt, vorgeplant, organisiert und bereits im dritten Jahr in die Tat umgesetzt. Was haben die Eckernförder und viele Gäste aus dem Umland einen Monat lang miterleben können? Literatur, Musik, Tanz und Theater und nun zum Abschluss der gelungenen Reihe – die Bildende Kunst. Beim Thema „Kunst“ war das Angebot besonders groß, denn die Arbeit und Werkergebnisse der zahlreichen lokalen Künstler können sich sehen lassen und stehen auch in den übrigen elf Monaten oft im Fokus der hiesigen Öffentlichkeit. Wie es scheint, liebt Eckernförde „seine“ Künstler und war wohl deshalb – trotz des miesen Novemberwetters – am vergangenen Sonnabend mit vielen interessierten Besuchern unterwegs.

Holger Ceglars hatte sich für seine großformatigen Fotografien den Disco-Raum im Haus ausgesucht. Die dunkle Ausstattung der Wände kam seinen Ablichtungen sehr entgegen. Nicht immer leicht zu ergründen – das, was „unter der (dunklen) Oberfläche“ war, was symbolhaft und verrätselt nach oben durchschimmerte. Zur Orgelmusik von Olivier Messiaen leuchteten Kirchen in ungewussten Schräglagen, so auch das rote „Apparation de l’eglise eternelle“. Menschenporträts verführten zu gedanklicher Auseinandersetzung.

Zum Nachdenken, Fühlen, zu gedanklicher Fährtensuche brachten einen auch die Bilder von Judith Jung. Im Buddhistischen Zentrum öffnete sie sich mit meditativen Bildern: Exotische Vögel, zarte Blüten , buddhistische Weisheiten – eine ruhige, innere Welt. Ganz anders der Kunst- und Kulturverein, der in der Bürgerbegegnungsstätte Schachteln aufgebaut hatte. Neun von den rund 30 Mitgliedern des Vereins wollten neugierig machen: Was ist in den Schachteln? Skrurriles, Amüsantes und oft auch Doppelbödiges kam da zum Vorschein.

Auf der Carlshöhe wartete dann die ganz große Kunstansammlung auf das Interesse, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, eine „Kunst-Stadt“ auf dem Berg. Die meisten der rund 30 Ateliers in den beiden Atelierhäusern No. 44 und 60 hatten geöffnet, dazu zeigten weitere vier Künstler ihre Bilder in der Galerie. In den beiden Atelierhäusern gab es fast alles, was das Herz begehrt, wohl für jeden Geschmack, für jedes Seh-Bedürfnis etwas. Ob bewegte Puppen im Marionettentheater von Ralf Rahier, ob Markus Feuerstack, der Dichter für seine Holzschnitt-Porträts erwartet (man muss vor einem Abbild zuerst ein eigenes Gedicht einreichen), oder Dagmar Petersen, die viele Kinderbilder malt – Kinder mit Schmetterlingen. Gleichzeitig kümmert sie sich um zwei Iraker Künstler, die hier Fuß fassen wollen: Adnan Harbo und Raisan Hamed sind Bildhauer und Fotograf.

Mit Heike Scheller ließ sich trefflich parlieren – über Vorbilder wie Barlach oder Käthe Kollwitz, über ihre Flüchtlingsbilder, als „das“ noch gar kein aktuelles Thema war, über das gute soziale Klima in den Atelierhäusern.

Und nur wenige Meter weiter bleibt man wie angewurzelt stehen: Hier gibt es fantastische Porträts, gemalt von Kai Feddersen. Ausdrucksstark schauen sie aus den Bildern heraus, die Männer und Frauen und Mädchen. Ob in Alla-Prima-Malerei oder traditionell altmeisterlich in vielen Schichten Farbauftrag – diese Porträts atmen und faszinieren. Die Frau, die unter weißen Schleiern hervorschaut, ist ein absoluter Hingucker. Feddersens Frau Birgit Lindemann bestückt das gemeinsame Atelier ebenfalls mit Menschen – allerdings in Vollplastiken.

Wie um in der Vielfalt künstlerischen Gestaltens noch eine weitere Sparte aufzudecken, führt ein Pfeil zum Atelier „Druckpunkt“. Hier walten Peter-Harry Benzner und Christiane Lucas ihres drucktechnischen Amtes. Sie sind nicht nur selber gewiefte Drucker auf dem Spezialgebiet „Tiefdruck“, sie helfen auch anderen Druckern bei der Umsetzung ihrer Ideen: Radierung, Kaltnadel, Monotypie. Voller Stolz führen sie ihre handbetriebene, gut gängige Druckwalze vor. Die hat Eckhard Kowalke gebaut, ebenfalls Künstler auf Carlshöhe.

Zusammen mit Eike Eschholtz, Uta Masch und Marion Biermann bestückt er eine Extra-Ausstellung an den gut

ausgeleuchteten Wänden im Galerie-Haus.

Schummrig und gemütlich ist es in der Künstler-Werkstatt von Brigitta Krause und „PeKa“, Gudewedtstraße 21. Arbeiten von Künstlerfreunden aus aller Welt, aus mehr als 40 Jahren – sind auch noch in der kommenden Woche zwischen 14 und 18 Uhr zu betrachten. Ebenfalls lassen sich im Bootshaus von Norbert Weber ab 11. Dezember (15-18 Uhr) noch Videos von Sana Ghabbeh sehen, ihre Ausstellung im Künstlerhaus ist in der Zeit ebenfalls noch zu besuchen (13-15 Uhr).

Zu Sanas Fotosammlung „Ich habe meine Schuhe zurückgelassen“, die Schuhe ihrer Freundin an ganz unterschiedlichen Orten zeigen, sind es vor allem die Videos, die fesseln. Zum Thema „Verschleierung der Frau“ lässt sie weiße Schleier über ihr Gesicht wehen, die nur ganz selten ein Stückchen „Sana“ preisgeben: Kunst als gedankliche Darstellungsform.

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