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Gewerbegebiet Grasholz : Viel Natur, aber kein Gewerbe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Umweltausschuss hat gestern Nachmittag das Gewerbegebiet Grasholz inspiziert, in dem sich wegen der Feuchtgebiete auch viele Amphibien tummeln. Die breiten und tiefen Betonabflussrinnen werden für die oft zur Todesfalle.

Das Gewerbegebiet Grasholz ist voll erschlossen und harrt der Ansiedlung von Betrieben. Doch bis jetzt ist noch keines der 35 Grundstücke zwischen 1049 und 4091 Quadratmetern für 40,35 Euro pro Quadratmeter verkauft worden. Eventuell zieht die Nachfrage an, wenn auch die letzten fünf noch reservierten Grundstücke im Gewerbegebiet Marienthal für 30 Euro pro Quadratmeter verkauft sind. Bis dahin sollten allerdings die Feuchtigkeitsprobleme in Grasholz beseitigt sein, die die Ansiedlung auf zahlreichen Parzellen erschweren.

Gestern Nachmittag hat sich der Umweltausschuss unter Leitung von Edgar Meyn (Die Grünen) das noch verwaiste Gewerbegebiet angesehen. Im Blickpunkt standen dabei weniger Vermarktungsprobleme als vielmehr die etwa ein Meter breiten und 50 Zentimeter tiefen, offenen Betonabflussrinnen, die das gesamte Gebiet durchziehen. Sie leiten Regenwasser zu den beiden ebenfalls (kosten)aufwändig erstellten großen Klärteichen, in denen belastetes Regenwasser des Gewerbegebiets – eine gesetzliche Vorgabe – einer Vorklärung unterzogen wird, bevor es in die Kanalisation fließt. Die großvolumigen, trapezförmig zulaufenden Betonrinnen sind in diesem Jahr für unzählige Fröschen und weitere Amphibien zur Todesfalle geworden. Auf ihrem Weg vom westlichen Feuchtgebiet – das eigentlich keines sein sollte, aber aufgrund der Verfüllung der früheren großen Kieskuhle mit Torf wohl noch lange sein wird – zu ihren Laichgewässern und Sommerquartieren auf der anderen Seite sind sie in die tiefen Betongräben gerutscht und aufgrund der glatten Oberfläche nicht mehr herausgekommen. Anwohner Volkhard Schmidt hat dieses Problem bereits im Sommer angesprochen (wir berichteten). Ihm zufolge seien die Tiere massenweise in den Rinnen „elendig verreckt“. Um Abhilfe zu schaffen hat die Stadt provisorische Aufstiegshilfen wie Jutesäcke und Filzmatten auf die rutschigen Schrägen gelegt. Erprobt wird ferner ein Anstrich mit sandhaltigem Epoxidharz. „Eine geringe Aufrauung reicht, das Aalglatte muss weg“, sagte Tiefbauer Axel Sperber. Rund um das Gewerbegebiet zieht sich ein zirka 30 Zentimeter hoher Amphibienschutzzaun, um die Kröten- und Froschwanderung zu erleichtern wurden ferner überirdische Metall- und unterirdische Erdtunnel errichtet.

Der für Naturschutz und Landschaftsplanung zuständige Bauamtsmitarbeiter Michael Packschies berichtete über die vielfältigen Besonderheiten der Naturräume mit einem frei gelegten Teich als ideales Laichgebiet unter anderem für Knoblauchkröten und Laubfrösche, sonnige und sandige Steilhänge, Geländekuppen und Feuchtgebiete, die trotz des – noch leeren – Gewerbegebiets Lebensraum für viele Tiere seien.

Mit einem Problem haben die Nachbarn des Gewerbegebiets aber zu kämpfen: Die frisch asphaltierten Straßen locken vor allem an den Wochenende motorsportbegeisterte Gäste an, die ihre hochtourigen Modellflitzer auch ohne Schalldämpfer über die freien Straßen jagen.

 

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erstellt am 24.Okt.2013 | 06:34 Uhr

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