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Bauernhof-Serie : Viel Arbeit und Aufwand für frische Milch

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Teil sechs der EZ-Serie auf dem Bauernhof von Familie Köhn stehen Klauenpflege, Melken und Stallbetrieb im Juni im Blickpunkt / Im Juli folgen Gerstenernte und der zweite Grasschnitt.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 06:02 Uhr

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Jeder der arbeiten kann, ist heute auf dem Hof Köhn in Mohrberg auf den Beinen. Es ist Großeinsatztag – Klauenpfleger Carsten Clausen und Mitarbeiter Christian Thiessen sind auf dem Hof. Halbjährlich stellt Landwirt Reimer Köhn seine rund 200 Kühe und Färsen (Kühe vor der ersten Geburt) zur Pflege der Klauen vor. „Das wird zur Prophylaxe gemacht“, sagt Clausen, der mit den Hofmit-arbeitern frühmorgens schon drei spezielle Halterungen für die Tiere im Freilaufstall aufgebaut hatte. Die Füße seien bei den Tieren sehr empfindlich, erklärt Köhn. Hätten sie Schmerzen beim Laufen, weil die Klauen eingerissen seien oder sie sich Steinchen eintraten, dann würden die Tiere sich nicht bewegen und auch weniger fressen. Dies wirke sich negativ auf Milchmenge und Qualität aus. Zudem beuge regelmäßige Klauenpflege Entzündungen vor. Wenn er Tiere sehe, die sich auf nur auf drei Beinen bewegten, dann leide er mit und übernehme die Klauenpflege sofort. Er liebe seine Tiere halt.

Die Tiere werden einzelnd in die rund 6000 Euro teuren Gestelle geführt. Nacheinander werden ihre Läufe mittels verschiedener Winden und weicher Bänder so fixiert, dass Clausen die Klauen bearbeiten kann. Mit einem scharfen Messer kürzt er das Horn ein. „Für die Tiere ist das völlig schmerzfrei“, sagt Clausen. Die allermeisten Tiere stehen entspannt und warten, bis sie fertig sind. „Einige, vor allem die Färsen, sind nervös“, sagt Landwirtin Silke Köhn.

Jede Kuh trägt zwei Halsbänder. An dem einen ist ein individueller Code gespeichert. Über einen Transponder wird über den PC gesteuert die Menge Kraftfutter gespeichert, die das Tier am Tag für eine optimale Ernährung und Milcherzeugung benötigt. „Parkt“ das Tier an der Kraftfutterausgabe ein, dann löst der Transponder die individuelle Futterausgabe aus. Hat die Kuh über Tag ihre Ration bekommen, dann gibt es kein Kraftfutter mehr, erklärt Reimer Köhn.

Am zweiten Halsband befindet sich ein Bewegungsmelder. Über ihn wird das Verhältnis zwischen Liegen (Wiederkäuen auf gepolsterten Matten) und Laufen dokumentiert. Steht die weibliche Kuh kurz vor der fruchtbaren Phase in ihrem 21-tägigen Zyklus, erkennbar daran, dass sie sich sehr viel bewegt, dann wird Köhn dies gemeldet. Umgehend wird dann der Rinderbesamer bestellt. „Fast täglich ist einer auf dem Hof“, sagt Reimer Köhn. Heute kommt Arne Brockmann von RSH (Rinderzucht Schleswig-Holstein). Köhns haben Samen vom Zuchtbullen „Goldboy“ bestellt. Mit einer langen Injektionskanüle führt Brockhaus den Samen bei der Kuh ein. Nach drei Wochen wissen sie, ob die Eizelle befruchtet wurde.

Für Landwirtin Silke Köhn hatte der Tag wie immer bereits um 5 Uhr mit dem Melken von rund 170 Milchkühen im Melkstand für 16 Tiere gleichzeitig begonnen. Das dauert rund zweieinhalb Stunden, währenddessen sie auch auf die Eutergesundheit achtet. Nach der Säuberung der Zitzen mit einem Desinfektionstuch, was zugleich die Milchgabe stimuliert, wird eine Art Melkfett aufgetragen und die Melkstutzen aufgestülpt. Über eine Automatik wird der Milchfluss erfasst. Sinkt er, stoppt der Saugvorgang, um die Zitzen zu schonen.

Sobald eine Kuh in den Melkstand kommt, die Medizin, beispielsweise gegen eine Entzündung bekommt, darf ihre Milch nicht in den Sammeltank gelangen, sagt Köhn. Sie würde die ganze Charge mit Keimen belasten, so dass sie die Milch nicht mehr verkaufen könnten. Sie kenne ihre Tiere genau, die allermeisten auch mit Namen. In jedem Geburtsjahr beginnen die Namen einheitlich mit einem anderen Buchstaben, in 2016 mit T. Am späten Nachmittag wird ein erneut gemolken. Die Tiere stünden dann schon Schlange, sie seien eben „Gewohnheitstiere“, ergänzt Reimer Köhn. Dass sie bei besonderer Musik mehr Milch geben würden, kann er nicht bestätigen. Täglich werden bis zu 5000 Liter Milch gemolken. Im Tank wird die Milch innerhalb von bis zu zwei Stunden auf 6 Grad Celsius gekühlt. Täglich kommt der Milchwagen der Meierei, und holt die Milch ab.

Im Juli steht die Ernte der Gerste und Verarbeitung des Strohs an. Außerdem erhält das Gras den zweiten Schnitt. Jetzt aber freuen sich Köhns erstmal auf ihren Urlaub.

Milchpreis-Minus durch Acker- und Futterbau kompensieren

Milchpreis-Minus durch Acker- und Futterbau kompensierenRieseby Den Verfall der Milchpreise spürt auch Familie Köhn. Der Betrieb, der täglich zwischen 4500 und 5000 Liter Milch melkt und durch die Meierei abholen lässt, spürt sofort, wenn der Literpreis nur um  einen Cent sinkt. Das sei sofort mit  deutlichen Mindereinnahmen verbunden, sagt Reimer Köhn. Familie Köhn melkt täglich rund 170 Milchkühe, eine Alternative zum Durchstehen der Milchkrise gebe es an sich nicht. Selbst wenn sie ihre Milchkühe verkaufen würden, zu Preisen, die auch  fallen, dann hätten sie immer noch die Ställe und Anlagen, sagt Köhn. Wer sollte die denn an dem Standort erwerben? 

 Dadurch, dass ihr Betrieb auch Acker- und Futterbau betreibe und  zuweilen auch Mastschweine  halte,  können sie das Milch-Minus etwas besser abpuffern, bis der Preis wieder steigt, sagt Reimer Köhn und Ehefrau Silke Köhn nickt. Lang- oder gar mittelfristig werde der Preis sicher wieder steigen, hoffen sie.

Vermutlich  werde der Markt das aktuelle Milchüberangebot  lösen. Diese Phase würden einige Betriebe  allerdings nicht überstehen, so schlimm das im Einzelfall auch sei, räumen Köhns ein. Sie selber haben dieses Jahr auch schon Investitionen zurückgestellt (wir berichteten), um liquide Mittel zu sparen. Dazu zählte auch, eine begrenzte Zeit auf die Mast von Schweinen zu verzichten. In den Vorjahren hatten sie regelmäßig rund 400 Mastschweine gehalten, um sie nach wenigen Monaten wieder mit Gewinn zu verkaufen. Damit haben sie nun ein halbes Jahr  ausgesetzt. Neben der Einsparung der Investition für die Ferkel sei auch der Kilopreis für den späteren Verkauf rückläufig gewesen, berichtet Reimer Köhn. Jetzt, wo die  Fleischpreise für Schwein wieder um rund 14 Cent auf 1,42 Euro je Kilo stiegen, denken sie daran, wieder Mastschweine aufzustallen.

Es ist eine schwere Zeit, die auch schon länger als sonst anhalte, stellen sie fest.  Aber sie machten das Beste daraus.

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