Ankunft der MS Albatros : Video: So erlebte Eckernförde die Kreuzfahrtschiff-Premiere

Am Montag machte das erste Kreuzfahrtschiff vor Eckernförde fest. Über die MS Albatros freuten sich nicht nur Schaulustige.

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20. Juli 2015, 18:46 Uhr

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Eine Überraschung hatte Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförder Touristik und Marketing GmbH (ETMG), versprochen und zu einem Termin bei den Stadtwerken geladen. Nach fünf Minuten stand fest, sein Versprechen hat er gehalten: Am Montag machte das erste Kreuzfahrtschiff, der Ozeanliner MS Albatros, vor Eckernförde fest. „Die Kreuzfahrtschifffahrt boomt in Deutschland“, so Borgamm. Der Trend gehe zu immer größeren Schiffen bis zu 3000 Passagieren. „Reedereien mit kleineren Schiffen haben deshalb zunehmend Schwierigkeiten in den Kreuzfahrthäfen, weil meist mehrere doppelt so große Schiffe gleichzeitig dort liegen.“ Aus diesem Grund suchten die nach Alternativhäfen.

2012 hatte die ETMG deshalb ein erstes Konzept für einen Kreuzfahrtterminal Seebrücke Eckernförde vorgelegt. Die Vision: Der Bau einer Seebrücke im Bereich Stadthalle/Galerie Nemo, die weit genug ins Wasser gebaut wird, damit Kreuzfahrtschiffe direkt dort anlegen können. Seither steht Borgmann mit Reedereien, darunter die Kieler Reederei Sartori & Berger, in Verhandlungen. Ursprünglich sollte das erste Kreuzfahrtschiff bereits 2014 einlaufen. „Viele Küstenorte streben dieses Ziel an“, so Borgmann. „Wir haben gemerkt, was für ein zähes Geschäft das ist.“

Besonderer Anblick am Montag am Surendorfer Strand: Die MS Albatros beim Einlaufen in die Eckernförder Bucht.
Patrick Paproth
Besonderer Anblick am Montag am Surendorfer Strand: Die MS Albatros beim Einlaufen in die Eckernförder Bucht.
 

Die Seebrücke gibt es bisher zwar nicht, die Kreuzfahrtriesen kommen offenbar aber trotzdem. Den Anfang machte nun die MS Albatros der monegassischen Reederei V-Ships. Am Sonntag startete die Albatros in Bremerhaven. Über den Nord-Ostsee-Kanal lief das 205 Meter lange Kreuzfahrtschiff ab späten Vormittag Eckernförde an und sollte gegen 20.30 Uhr wieder ablegen.

Die MS Albatros zu Gast in Eckernförde.
sh:z
Die MS Albatros zu Gast in Eckernförde.
 

Auf der 12-tägigen Tour „Städtezauber an der Ostsee“ ist Eckernförde die erste Station, ehe es für die 803 Passagiere an Bord über Kopenhagen, Klaipeda (Litauen), Riga (Lettland) und St. Petersburg weiter zu den skandinavischen Hauptstädten Helsinki und Stockholm geht. Der spontane Coup sei ihm nur gelungen, weil die Liegebedingungen in Heiligenhafen, wo die Albatros ursprünglich anlegen sollte, nicht optimal gewesen seien, so dass ein Ausweichhafen an der deutschen Ostseeküste notwendig wurde, berichtete der Touristikchef.

Weil der Ozeanliner mit 7,55 Metern Tiefgang auch für den Eckernförder Hafen zu tief liegt, musste das Passagierschiff vor Eckernförde auf Reede liegen. Dort vor Anker liegend, wurden die Passagiere mit vier Beibooten an den Museumssteg im Innenhafen zum Landausflug gebracht. Von Landseite aus wurden sie mit einem Shanty-Chor, der Bimmelbahn und einer kleinen Touristeninformation im Zelt empfangen. Daneben hat die Touristik zehn Stadtführer mobilisiert, die örtlichen Taxi-Unternehmen informiert und zusätzliche Wegweiser im Ankunftsbereich aufgestellt. Der Parkplatz am Vogelsang wurde dafür gesperrt werden.

803 Passagiere zählt die MS Albatros.
sh:z
803 Passagiere zählt die MS Albatros.
 

Die Stadtwerke sind als Betreiber des Hafens für die Sicherheit zuständig. Der Museumssteg musste für die Ankunft der Kreuzfahrtreisenden nach ISPS (International Ship and Port Facility Security Code) – einem Maßnahmenpaket zur Gefahrenabwehr bei Schiffen und Häfen – zertifiziert werden. Vier bis sechs Mitarbeiter der Stadtwerke mussten die Pässe aller Passagiere, die in Eckernförde an Land gingen, bei Ankunft und Abfahrt kontrollieren. Der Aufwand lohne sich aber, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens. „Hier kann Eckernförde sein Potenzial ausschöpfen.“

Was das touristische Potenzial für die einen, ist das wirtschaftliche Potenzial für die anderen. 30.000 bis 40.000 Euro mehr Umsatz für den Einzelhandel erhofft sich ETMG-Chef Borgmann von den Passagieren auf Landgang und zitiert eine Studie, wonach jeder Passagier durchschnittlich 40 Euro an Land ausgibt. „Die Kreuzfahrten spielen für die Häfen ganz klar eine wirtschaftsfördernde Rolle.“ Mit ein bis drei Kreuzfahrtschiffen im Jahr wäre der Touristiker schon zufrieden.

Der erste Besuch der MS Albatros sei ein wichtiger: Nun könne er nicht nur mit der Schönheit der Eckernförder Bucht werben, sondern interessierten Reedereien auch erste Belege für die Kreuzfahrttauglichkeit der Fördestadt vorweisen – in der Hoffnung, dass dies ihre Entscheidung positiv beeinflusst. „Das ist wie beim Domino – der erste Stein muss gefallen sein“, so Borgmann. „Wenn wir uns dann gut anstellen, haben wir einen Fuß in der Tür. Das ist das Ziel.“ Die MS Albatros sei nun eine Chance zu zeigen, dass der Hafenbetreiber und die Touristik gewillt sind. Die Reederei habe bereits Interesse signalisiert.

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