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Zimmerklassifizierung : Verwirrung nach der Renovierung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Private Ferienwohnungsvermieter wundern sich über Punktevergabe zur Klassifizierung / Deutscher Tourismusverband sieht sich im Recht

von
erstellt am 26.Mär.2016 | 06:10 Uhr

Urlaub an der Ostsee ist für Schleswig-Holstein ein wichtiges Standbein. Seit gut 15 Jahren vermieten Heike und Albert Lührs aus Gammelby eine 60 Quadratmeter große Ferienwohnung in ihrem Privathaus. Anfang Januar investierten sie rund 2500 Euro und sehr viele Arbeitsstunden in die Wohnung und waren hoffnungsvoll, damit auch Punkte für ihre Klassifizierung beim Deutschen Tourismusverband (DTV) zu erhalten. Um so größer war ihre Enttäuschung, als sie nun weniger Punkte bekamen als vor drei Jahren, auch wenn sie weiterhin eine Drei-Sterne-Unterkunft anbieten. Für Lührs ist es daher kein Wunder, dass immer weniger Privatanbieter ihre Quartiere klassifizieren lassen. „Für uns ist es auch das letzte Mal gewesen“, sagt Albert Lührs.

Das passt doch nicht, sagen sie. Gegenüber 2013, da war ihre Ferienwohnung zuletzt klassifiziert worden, sei die Wohnung jetzt sogar noch aufgewertet worden. Statt Teppich verlegten sie einen neuen Laminatboden, vertäfelten Wände und Balkon neu und statteten ihre Ferienwohnung mit neuem Porzellan, Lampen und Läufern aus. „Wir wollten was tun, weil uns das selber nicht mehr gefiel“, erläutert Albert Lührs. „Und wir waren so hochmotiviert“, ergänzt seine Frau. Am Ende bekamen sie nun weniger Punkte. Das reiche zwar noch für drei Sterne, aber enttäuscht sind dennoch.

So gab es beispielsweise Abzüge in der Küche. Die sei nicht mehr zeitgemäß, verfüge nicht über ein Cerankochfeld und auch die Schubladen hätten keinen automatischen Einzug, sagen sie. Das hätte ihre Urlaubsgäste noch nie gestört, sagen sie. Dass ihr Herd über eine Abzugshaube mit Gebläse nach draußen verfügt, sei unerheblich. Dabei ist das wirklich ein Vorteil für die Bewohner, sagt Lührs und erinnert sich an Urlauber, die gerne Fisch braten. „Kein Problem, dank der Abluftanlage“, sagt Lührs.

Auch im Schlafzimmer mussten sie gegenüber 2013 Abzüge hinnehmen. Da sie dort ein drittes Bett stehen haben, gab es Abzüge, obwohl das doch total praktisch sei. Auch der von ihnen im Sommer schön bepflanzte Balkon findet keine Berücksichtigung, schon gar nicht, wenn die Bewertung im Winter erfolgt und die Atmosphäre trüb und nicht sonnig ist. Viele Dinge, die sie wie selbstverständlich für ihre Feriengäste bereithalten, würden überhaupt nicht bei der Bewertung berücksichtigt. Für Bademäntel gibt es Punkte. Wenn sie aber den Gästen die Betten mit einheitlicher maritimer Bettwäsche beziehen, ihnen zusätzlich Waschlappen ins Bad legen, dann gibt es dafür keine Punkte. Sie können die Bewertung nicht nachvollziehen.

„Die Kriterien sind für jeden transparent und lassen sich auf www.deutschertourismusverband.de einsehen. Im Abstand von drei Jahren überprüft ein Expertengremium, ob die Prüfkriterien noch dem Zeitgeist und den Erwartungen der Gäste entsprechen. Grundlage für die Überarbeitung bilden die Ergebnisse der regelmäßigen deutschlandweiten Gästeumfragen“, heißt es von Seite n des DTV. Direkte Auskünfte zu dem Fall wollte man auf Nachfrage der EZ nicht geben.

Bereits aufgegeben haben Lührs ihre Hoffnung, sich durch die Lokale Tourismus Organisation (LTO) Eckernförder Bucht klassifizieren zu lassen. Da Gammelby zur LTO Ostseefjord Schlei gehöre, müssten sie sich auch über diese bewerten lassen, heißt es in den Informationen des DTV. Ostseefjord Schlei GmbH Geschäftsführer Max Triphaus bestätigt dies auf Nachfrage der EZ. Das sei der übliche Weg, den auch die DTV vorgebe. Zugleich betont Triphaus, dass Vermieter immer in ihre Objekte investieren müssten, um diese modern zu gestalten und den Wünschen der Gäste gerecht zu sein. Dies dokumentiere letztlich auch die Bewertungsmatrix des DTV. Die werde alle drei Jahre angepasst. Dass das Wetter oder die Bepflanzung des Balkons keinen Einfluss auf die Bewertung habe, sei für ihn klar. Gerade deshalb basiert die Bewertung auf neutralen Aspekten, um eine Vergleichbarkeit zu haben. Diese ließen im Gegensatz dazu Bewertungsforen im Internet oft vermissen, die subjektiv geprägt seine, so Triphaus. Einen Rückgang der Zahl der Klassifizierungen, die sie als Lizenznehmer des DTV vornehmen, konnte er nicht feststellen.

Lührs mögen die LTO-Regelung dennoch nicht. „Wir gehören zu Eckernförde“, sagen sie, „was haben wir mit Schleswig zu tun“, fragen sie. Ihre Online-Vermarktung und Anzeige im Katalog machen sie daher über Eckernförde. Außerdem pflegen sie ihre selbstgestaltete Homepage. Das sei ein Trend, sagen sie. Interessierte Urlauber schauten gerne vorab Fotos ihrer Urlaubsunterkunft an und würden dann anschließend auch buchen.

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