Amtsgericht : Verwarnung für einen Stich in den Rücken

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Ein Streit eskaliert: Ein Mann sticht seiner Verlobten mit einem Messer in den Rücken, doch vor Gericht herrscht traute Zweisamkeit.

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13. Februar 2018, 05:49 Uhr

Eckernförde | Dieser Streit eskalierte: Erst ergab ein Wort das andere, dann trat sie ihm vors Schienbein, schließlich stach er ihr mit einem Messer in den Rücken. Doch vor Gericht entpuppte sich die Tat als vielschichtiger. Das Paar lebt noch immer zusammen und beteuerte, dass es sich um einen Unfall handelte.

Die Tat ereignete sich am 28. Mai vergangenen Jahres in der Rendsburger Straße. Als es am Abend zum Streit zwischen dem heute 47-Jährigen und seiner 38 Jahre alten Lebensgefährtin in ihrer Wohnung kommt, hat er schon etwas getrunken. Schließlich tritt sie ihm ans Bein und wendet sich ab, um die Wohnung zu verlassen. Doch sie dreht sich noch einmal um und spürt im selben Moment einen Stich im unteren Rückenbereich. Als sie an die Wunde fasst, ist ihre Hand blutrot, sie ruft einen Notarzt. Im Krankenhaus wird festgestellt: Die Einstichwunde ist 5 Zentimeter lang, 1,9 Zentimeter breit und 2,7 Zentimeter tief. Ein Atemalkoholtest ergibt bei ihrem Verlobten einen Wert von 1,44 Promille.

Wie sich herausstellte, war es das Kartoffelschälmesser, mit dem ihr Verlobter ihr die Wunde zufügte. Doch absichtlich habe er das nicht getan, sagte er gestern in der Hauptverhandlung am Eckernförder Amtsgericht. Er war gerade dabei, sich ein Brot zu streichen und habe mit dem Messer in der Hand abweisende Bewegungen gemacht, in die sich seine Verlobte „hineingedreht“ habe.

Der Angeklagte beteuerte, dass er seine Lebensgefährtin liebe und bereue, was damals geschah. Die Beziehung laufe mittlerweile gut, er habe einen Alkoholentzug gemacht und plane eine Therapie.

Auch die Verlobte beteuerte, dass „alles sehr unglücklich gelaufen“ sei. „Es war ein Unfall und nicht vorsätzlich. Meinen Verlobten trifft keine Schuld“, sagte sie und schilderte, wie sehr ihr Partner sich um die Beziehung trotz ihrer ärztlich festgestellten paranoiden Schizophrenie bemühe.

Die Richterin zeigte Verständnis und beließ es wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall bei einer Verwarnung für den Angeklagten mit einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Sollte er in dieser Zeit straffällig werden, muss er 90 Tagessätze zu je 10 Euro zahlen. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Ein Freispruch kam für sie nicht in Frage. „Es war keine Streifverletzung wie bei einer abwehrenden Bewegung, sondern ein richtiger Stich.“ Dennoch ging sie von Fahrlässigkeit aus. Eine Verletzung habe der Angeklagte dabei billigend in Kauf genommen, wenn sie auch nicht in seiner Absicht gelegen habe. Zu Gunsten des Angeklagten wirkte sich unter anderem sein Verhalten nach der Tat aus: Er ging auf Entzug, plant eine Therapie, zeigte wahre Reue und arbeitete mit seiner Verlobten das Geschehen auf. Nicht zuletzt weist sein Strafregister nur eine Eintragung wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aus.

Mit ihrem Urteil lag die Richterin unter der Forderung des Staatsanwalts, der zwar auch von einem minderschweren Fall ausging, aber der Meinung war, dass eine Stichverletzung von 2,7 Zentimetern Tiefe nicht fahrlässig zugefügt werden könne. „Da ist eine Menge Kraft durch den Angeklagten entfaltet worden.“ Er forderte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung für diese Tat. Seiner Meinung nach habe es der Angeklagte zumindest für möglich erachtet, dass es zu einer Verletzung kommt, und diese auch in Kauf genommen.

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