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7 Wochen ohne : Vertrauen erleben durch weites Herz ohne Enge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„7 Wochen Ohne“ – die Fastenaktion der evangelischen Kirche: Die Botschaft zur Passionszeit lautet in diesem Jahr „Großes Herz! 7 Wochen ohne Enge“. Der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde und die Eckernförder Zeitung haben sieben Menschen gefragt, wie sie das Motto verstehen. Jeder von ihnen stellt seine Gedanken an den kommenden Mittwochsausgaben vor. Heute: Lothar Schaldach (70), SPD-Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister in Waabs, Mitglied im Helferkreis für Flüchtlinge.

„Großes Herz! 7 Wochen ohne Enge“, das Motto der diesjährigen Aktion der Evangelischen Kirche zur Fastenzeit bedeutet für mich , den Menschen zu zuhören, sie ernst zu nehmen und, wenn ich kann, zu helfen – ohne Enge.

Ich kann zuhören und habe wohl eine Ader, anderen Menschen Hoffnung zu machen. Sie kommen zu mir und erzählen mit vertrauensvolle Dinge. Man kann wohl sagen, dass ich ein großes Herz habe. Beflügelt durch das Vertrauen, das in mich gesetzt wird, spüre ich keine Grenzen und auch keine Enge.

So war es auch, als ich 1961 in die Postgewerkschaft eintrat. Es folgte die Mitarbeit im Vorstand als stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Eckernförde. So entstand ein Vertrauensverhältnis zu den Kollegen. Ich wurde beauftragt, das eine oder andere Problem mit dem Arbeitgeber zu lösen. Später wurde ich in den Personalrat gewählt. Und auch hier erlebte ich viel Vertrauen. In dieser Zeit wurde die Post privatisiert. Das war für die Beschäftigten und uns Gewerkschaftler eine schwere Zeit. Wir konnten die Privatisierung nicht verhindern, aber die Beschäftigten behielten ihren Status.

Meine Fähigkeit, hinzuhören und den Blick fürs Ganze nicht zu verlieren, führte mich auch in den Betriebsrat in Kiel. Ganz das Gegenteil von Enge war das Gebiet, welches ich zwischen Rendsburg, Eckernförde und Schleswig betreute. Es war eine spannende aber auch anstrengende Zeit, Menschen zu helfen und zugleich die eigene Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Bei meiner Verabschiedung sagten mir die Kollegen, dass ich gute Arbeit geleistet habe und immer ein offenes Ohr für ihre Belange hatte, auch wenn ich nicht alle Probleme lösen konnte. Sich für andere, für eine Gemeinschaft einsetzen, verlangt nicht nur ein großes Herz, sondern auch ein starkes Herz. Das war nötig, um Jugendlichen Tischtennisspielen beizubringen oder beim Aufbau der Waldorf Schule in Eckernförde.

Während dieser Zeit trat ich auch der SPD bei. So kann ich mich auch für die Belange der Mitbürger in meiner Gemeinde direkt einsetzen. Die Aufgaben sind sehr vielschichtig, genau das, was ein weites Herz braucht. So sehe ich eine große Aufgabe in der Hilfe der Asylbewerber. Es versetzt mich in die Zeit der Flucht meiner Mutter und ihrer Großmutter zurück, die im Zweiten Weltkrieg aus Groschkenkampe bei Danzig flohen. Sie landeten in Hohenstein im Auffanglager für Schwangere. Hier wurde ich im August 1945 geboren. Es war eine schlimme Zeit für meine Mutter. Sie sind während der Überfahrt über die Ostsee laufend bombardiert worden. Und sie hatten Glück. Ihr Mann hingegen verstarb im Krieg. Später aus der Gefangenschaft konnte sie ihren Bruder und ihren Vater willkommen heißen.

Diese Geschichte spiegelt sich heute in meinen Augen in den Schicksalen der Asylbewerber bei uns wider. Auch sie flüchten aus Kriegsgebieten – aus Angst um ihr Leben und das ihrer Familie. Ich wünsche mir, dass wir sie so aufnehmen, wie damals meine Familie hier in Schleswig Holstein aufgenommen wurde. Es war damals für die Schleswig Holsteiner auch nicht einfach, so viele Flüchtlinge auf zunehmen, aber sie haben es geschafft. Warum soll es uns heute nicht auch gelingen.Es gibt sicher viele weitere weite Herzen, die hier keine Enge sehen. Ich werde versuchen, meinen Teil beizutragen. Als Mitglied im Helferkreis für Flüchtlinge stehe ich ihnen bei und versuche, Probleme zu lösen. Ein Vater hat gefragt ob ich sein Papa sein möchte. Ich habe es so verstanden, dass er mich als Ansprechpartner haben möchte. Mein Herz ist dabei nicht nur weit, es ist mächtig glücklich.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 09:21 Uhr

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