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Weckruf : Verständnis für die Lage von Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seniorenbeirat eröffnet neuen Blickwinkel auf Debatte

von
erstellt am 08.Jan.2014 | 06:48 Uhr

Als „Weckruf“ bezeichnete Bürgermeister Jürgen Baasch die Information des Amtsauasschusses durch Pastorin Claudia Bruweleit, die seit zwei Jahren die Koordination der Aufgaben im Flüchtlingsbeirat übernommen hat. Während Baasch den Hinweis auf die abgelegene Unterkunft und die damit verbundenen Probleme sowie den Mangel an Helfern dankbar aufgenommen hat, schreckte der daraus resultierende Vorschlag, die Flüchtlinge zentral in Gettorf unterzubringen, viele Bürger auf (wir berichteten). Der Seniorenbeirat griff das Thema gestern Vormittag auf und schaffte es, einen anderen Blickwinkel auf die Situation der Menschen zu eröffnen.

Viele der älteren Mitbürger seien nach dem Krieg entweder selbst geflohen, vertrieben worden oder hätten Flüchtlinge bei sich aufgenommen, begründete Roland Lauterbach, warum sich der Seniorenbeirat des Themas angenommen hat. Lauterbach, selbst ein Flüchtlingskind, erinnerte vor der Diskussion daran, dass Menschen in ihrer Geschichte immer gewandet seien, heute in einer globalisierten Welt, in einer die Welt umspannenden Gemeinschaft lebten und jeder sich selbst fragen müsse, inwieweit Vorurteile bei dem Thema für ihn eine Rolle spielten. Pastorin Bruweleit konnte die erfreuliche Mitteilung machen, dass sich nach ihrem Hilferuf im Amtsausschuss und der damit verbundene Berichterstatttung in der Zeitung zehn neue Mitglieder für den auch sechs Ehrenamtler geschrumpften Flüchlingsbeirat gefunden hätten. Sie stünden regelmäßig oder auch kurzfristig bereit, um die Flüchtlinge mit der Situation in Schinkel, den Busverbindungen und Einkaufsmöglichkeiten vertraut zu machen. Auch würden sie Fahrdienste zum Arzt oder seit kurzem zum Sport übernehmen – der GTV hat Peter Nentwig zum Integrationsbeauftragten ernannt und alle seine Angebote für die Bewohner der Unterkunft in Schinkelhütten geöffnet, die Nentwig als Mitglied des Flüchtlingsbeirats regelmäßig besucht. Die Menschen seien offen und kontaktfreudig, berichtete Bruweleit von ihren Erlebnisen. Sie würden es nie erwarten, willkommen geheißen zu werden. „Aber sie haben es bitter nötig“, machte die Pastorin deutlich, die sich für alle Neuankömmlinge um einen Sprachkurs in Kiel bemüht, damit die sprachliche Hürde, die meist bestehe, ausgeräumt werden kann. Damit werde ihnen die Möglichkeit gegeben, sich auszudrücken, denn der Wunsch nach Gesprächen bestehe. Einige hätten zum Teil eine lange Flüchtlingsgeschichte hinter sich, seien tramatisiert oder psychisch gestört.

In den vergangenen anderthalb Jahren wurden 30 Persnen vom Flüchtlingsbeirat in Schinkelhütten betreut. Zurzeit wohnen elf Personen dort. Doch es werden mehr, kündigte Amtsdirektor Matthias Meins an. Waren dem Amt im vergangenen Jahr 24 Personen zugewiesen worden, so hat der Kreis die Zahl für 2014 auf 31 erhöht. Damit sei das Amt schon aus logistischen Gründen auf die Unterkunft in Schinkelhütten angewiesen, machte Meins deutlich. Bürgermeister Baasch merkte an, dass eine zentrale Unterbringung in Gettorf zwar vom Tisch sei, man sich jedoch um dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten kümmere, was er auch besser für die Integration halte. Die Gemeinde selbst, aber auch einige private Wohungseigentümer hätten signalisiert, dass sie Wohnraum für die Flüchtlinge zur Verfügung stellen könnten.

Ein Anwohner aus dem Pastorengang unterstützte das, hielt die Unterbringung in einzelnen Wohnungen jedoch erst dann für sinnvoll, wenn die Flüchtlinge einige Zeit hier verbracht haben. Am Anfang sei es wichtig, dass sie sich in einer gemeinsamen Unterkunft gegenseitig Halt geben könnten, meinte der Gettorfer, der zudem davor warnte, in der Diskussion pauschal über d i e Ausländer zu urteilen. Unter denen gebe es ebenso schwarze Schafe wie unter Deutschen, merkte er an und schilderte seine Erfahrungen zur Gastfreundschaft der Syrer, in deren Land er fünf Jahre lang lebte.

Pastorin Bruweleit zeigte sich dankbar, dass sich die Gemeinden des Amtes kümmerten und stellte kurz die Idee von Patenschaften vor. Danach könnten Bürger sich bestimmter Flüchtlinge annehmen, ihnen zur Seite stehen und gemeinsam mit ihnen etwas unternehmen. Doch auch, wer nur gelegentlich helfen kann, ist dem Beirat willkommen. „Wenn Leute Lust haben, etwas zu tun, finden wir eine Aufgabe für sie“, so die Pastorin. Wer Interesse hat meldet sich unter Tel. 04346/93 88 60, Mail claudia.bruweleit@kkre.de. Wer mit Geld helfen möchte, überweist seine Spende auf das Konto der Kirchengemeinde, Kto.-Nr. 144 758 (IBAN DE07 2105 0170 0000 1447 58), BLZ 210 501 70 (BIC NOLA DE 21 KIE), bei der Förde Sparkasse, Stichwort Flüchtlingshilfe.

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