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Gedichtband : Verse zwischen Deich und Steilküste

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Nicolai-Pastor Manfred Adam hat einen neuen Gedichtband veröffentlicht. In 50 Gedichten berichtet er vom Leben an Nord- und Ostseeküste.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2015 | 19:18 Uhr

Eckernförde | Er wandelt von Küste zu Küste: Lange Zeit hat Pastor Manfred Adam auf Pellworm gelebt und das Leben mit der rauen Nordsee hinter dem Deich auf der Insel und den Halligen begleitet. 2008 ist er in seine Geburtsstadt Eckernförde zurückgekehrt mit der Ostsee vor der Tür und dem Strand unter den Füßen. Jetzt hat der 63-Jährige in der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft ein Buch veröffentlicht, in dem diese Verbundenheit zur norddeutschen See das Fundament von 50 Gedichten bildet. Gedichten mit geschriebenen Bildern von Heimat, von Kindheit und von Sehnsucht.

Wer das Leben an Nord- und Ostsee kennt, spürt während der Lektüre von „Morgen am Meer“ den „Sturm unter der Mütze“ und sieht den „Strandsand wie Zucker auf dunkler Wintererde“. Er riecht die Muscheln und den „blasigen Tang“ und vergisst für kurze Zeit seine Steuererklärung oder die Milch auf dem Herd. Ruhig ist das Tempo, das sich nicht beweisen muss: Die Kirche unter dem Watt ist schließlich schon seit Langem versunken, doch ihre Glocke tönt noch immer.

Manfred Adam ist ein Mann der kurzen Geschichten. „Es sind kleine Bilder, die alles darstellen“, sagt er selbst über seine Gedichte. Und er hat recht: Wenige ausgewählte Worte genügen ihm, um ein ganzes Leben zu erzählen. Zum Beispiel von dem 100-Jährigen, der Pastor auf Pellworm war und mit 99 Jahren noch seinen letzten Gedichtband veröffentlichte. Manfred Adam trug ihn zu Grabe.

Gereimt ist hier nichts, Orthographie nicht vorhanden. So manche Zeile ist das Ende des vorangegangenen und der Beginn des folgenden Satzes in der erzählenden Versform. Viel Persönliches findet sich hier: Bilder aus der Kindheit des Autors, Erlebnisse auf Pellworm, das er „Südstrand“ nennt, ebenso sein Weg zurück in die Heimat. Der Goossee kommt vor, der Bornbrook, Schnee am Eichkamp und natürlich die Holzbrücke. Und immer wieder – wie Gleichnisse – die Halligen, das Watt und die Kirchen, die sich die See vor hunderten von Jahren holte und die immer noch ihre Schätze preisgeben. Manfred Adam war dort, hat sich so manches Mal mit dem Boot im Watt trockenfallen lassen, hat Menschen hierher geführt. „Wenn man die Zitrone meiner Kirchenführungen auspresst, bleiben diese verdichteten Bilder“, sagt er.

„Morgen am Meer“ ist nicht sein erstes Buch. Gedichte für Kinder, Andachten, Fotos – Manfred Adam hat schon mehr Bilder in Worte gefasst. Der Titel des Gedichtbands spielt auf den alten Inselpastor an, dessen letztes Werk zur Geschichte seiner Heimat Pellworm „Abend am Meer“ hieß. Für Pastor Adam wird es nicht das letzte Buch sein. „Ich finde, dass die Landschaft, die Tiere und die Menschen von der Steilküste bis zum Deich etwas ausstrahlen, was man weitergeben sollte.“ Schon jetzt liegt die Sammlung seiner Andachten vor, die er unter anderem für den „Gesegneten Abend“ auf der Welle Nord geschrieben hat.

> „Morgen am Meer“, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 111 Seiten, 6,95 Euro, ISBN: 978-3-89876-816-0

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