Verschwundene Kunstwerke

Die „Villa Schröder“ wurde auf Carlshöhe als Offizierheim genutzt.
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Die „Villa Schröder“ wurde auf Carlshöhe als Offizierheim genutzt.

Auf den Spuren verschwundener Gebäude, stadtprägender Schiffe und Kunstwerke

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29. März 2019, 18:03 Uhr

Eckernförde gehört zu den Städten mit großem kulturellen Erbe - an vielen Stellen erkennbar an Architektur, an historischen Denkmälern und Inschriften. Zugleich ist die Stadt lebendig, entwickelt sich fort, passt sich neuen Denkweisen an. Bürger sind dann besonders zu loben, wenn es gelingt, das schöne Alte mit attraktivem Neuen zu verbinden. Aber trotz vielen Interesses an Denkmalpflege hat Eckernförde im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Kulturzeugnisse verloren. Eine kleine Auswahl der verschwundenen Objekte soll dies belegen.

Am größten sind die Verluste an kunsthistorisch bedeutenden Gebäuden. Bücher über die Stadtgeschichte, Fotosammlungen, erhaltene Pläne und Listen machen dies deutlich. Das Thema „verschwundene große Architektur“ soll am Beispiel der Villa des Baron Schröder auf Carlshöhe deutlich werden: Der begabte Architekt Wilhelm Kruckau (1867 – 1940), Absolvent der Baugewerkschule, hat das bedeutende Haus mit großem Blick über das Noor 1908 erbaut. Erhaltene Fotos zeigen ein großzügiges „Herrenhaus“ mit Treppe im Stil der Rathaustreppe von Baasch, mit großzügig Sälen und einem Turm. Ohne dringenden Grund wurde das Haus abgerissen.

Zu einer Hafenstadt an der Ostsee gehören Schiffe, moderne Touristen-Transporter wie historische Segelschiffe. Ein rätselhafter Segler mit dem Namen „Ninive“ lag lange Zeit an der Borbyer Seite des Eckernförder Innenhafens. Niemand schien den Eigentümer zu kennen – so beklagte auch niemand den Verlust, als das in Form und Erhaltungszustand noch vorzeigbare Schiff eines Tages „abgesoffen“ im Hafen lag und entsorgt wurde. Nur noch die Bilder leidenschaftlicher Fotografen erinnern an den Untergang der „Ninive“.

Gemälde mit dem Thema „Eckernförde“ gibt es noch in stilvollen Wohnungen und vor allem im Stadtmuseum. Wie viele Motive im Stadtbild verloren gingen, ist nicht absehbar. Ein bescheidenes, aber humorvolles Beispiel war an der ehemaligen Gaststätte „Frau Clara“ zu finden. Der Maler und Grafiker Falko Windhaus, lange Jahre Gast des Hauses, schmückte den Eingang mit typischen Gestalten eines stimmungsvollen Gastraumes, mit Kunden und Wirt, mit Musikanten und Tanzenden. Mit dem Ende von „Frau Clara“ verschwand das Bild, und der Künstler trauert seinem Erinnerungszeichen nach.

Beispiele guten Kunsthandwerks gab es vor allem in Hotels und Restaurants früherer Jahre. Im „Hotel Stadt Kiel“, vor Jahren gegen den Willen einer großen Bürgerinitiative abgerissen, hat es einen Raum gegeben, der vornehmlich für Besuche von Prinz Heinrich gedacht war. Die Innenwände waren komplett mit Schablonen-Malerei ausgestaltet. Die Gaststätte „Kontorhaus“ verfügte über Glasfenster mit anspruchsvoll eingeritzten Motiven in Kunst-Glasgravur. Die Fenster sollen bei einem Einbruch zerschlagen worden sein. Erhalten hat sich das Foto eines hübschen Mädchens, mit gefüllten Blumenkörben nach Hause wandernd. Das Bild erinnert an den Biedermeier-Stil Ludwig Richters. „Der Frühling“ war der von innen her lesbare Titel.

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