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Verschmitzter Liedermacher und kraftvoller Pianist

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das war ein gemütlicher Abend im Spieker: Sehr gut besucht, aber nicht proppevoll, der Weg zum Tresen frei zugänglich. Rumgelaufen ist hier aber keiner während der Musik – es war einfach zu spannend, was Manfred Maurenbrecher, der verschmitzte Geschichtenerzähler, und sein Klavier da verzapften. Wie die Anekdoten sich entwickeln und wie sie ausgehen – das wollte keiner verpassen.

Brille, längliche Haare, Walrossbart – optisch ist er ein sympathisches Cuvée aus Wolfgang Biermann und Janosch; und ist der „Liedermacher mit Kultstatus“ aus einer noch schönen Ecke bei Berlin mindestens ebenso kreativ. Er erwähnt seine Umtriebigkeit auf Facebook, die rege kommentiert würde. Bei Diskussionen über den Flüchtlingsstrom zum Beispiel: Viele wären seiner Meinung, andere aber nicht. Einer schrieb: „Wenn das so weitergeht, wandere ich doch aus!“ Maurenbrecher schmunzelt in seinen Bart und schlägt vor: „Ok! Schaff’ Platz für Neue!“ (Bliebe die Frage, wer diesen Flüchtlingsflüchtling dann reinlassen muss, aber so weit denkt ja nicht, wer sich auf Facebook ereifert).

Sagt er seine Stücke an, steht er auf vom Flügel, wendet sich direkt ans Publikum, holt etwas aus in der Zeit und erzählt kurz die Geschichte zur Anekdote. Dann spielt er, singt er, fabuliert und reimt – der politisch sehr wache Mann am Klavier. Das Stück „Die Welt ist am Durchdrehen“ nimmt das Flüchtlingsthema auf, mucksmäuschenstill wird das ohnehin stille Publikum. Zeilen wie „... wenn du fragst, wo die her sind, das Meer durchgeschwommen...“ entwickeln Wucht, die das begleitende Piano natürlich verstärkt – das Instrument wird bei Bedarf zur Sänfte, zum Ferrari oder zum Panzer – je nachdem, was es zu transportieren hat.

In „No go“ wird wieder entspannt und erleichtert gelacht. Obwohl – das ist doch echt nicht lustig, im Urlaub: „Ein Mann mit Behaarung, eine Frau mit Konflikten, (...) das ist No Go, ein absolutes No Go.“ Oder: „Der Kellner kommt in Slomo, guckt blöde wie ein Auto. Du sagst: Serviert wird aber bitte nur mit einem Lächeln im Gesicht! Du sagst das grad zu einem Kellner, Baby, der eigentlich Lehrer ist – nur leben kann er davon nicht.“ Ehrlicher Applaus, von Lied zu Lied lauter, honoriert Witz, Charme und Wahrheiten des Musikmachers da vorne. Er singt über Themen, in denen viele sich wiederfinden. Über Reisen, ganz allein, in unbekannte Länder, Lagerfeuer mit Wildfremden, Bustouren mit Unbekannten und über die Kraft der Musik. Er erzählt von Zeiten, in denen man per Telefonzelle mit der allerletzten fremdartigen Münze schreiend um Reisegeld bat: „Mein Geld ist alle, könnt ihr mir was senden, oder soll ich zurückkommen?“ „Wir schicken!“ und macht Lieder draus.

Seine Stimme ist rau bis speckig, seine Aussprache leicht lispelnd – da vorne sitzt eine Persönlichkeit, die was zu sagen hat. Und das seit 45 Jahren. „Das ist total toll. Ich mag sowieso gerne das Künstlerisch-Pieksige. Ich finde ihn auch super sympathisch, man kennt vieles irgendwie“, so Simone Knuth aus Eckernförde in der Pause. Gunda und Wolfgang Cornils aus Eckernförde bekamen einen Tipp: „Einen Insidertipp. Wir sind zum ersten Mal im Spieker. Was sollen wir sagen? Die Texte sind gut, was er macht ist toll – Geschichtenerzähler mit Musik.“

Nach der vierten Zugabe und dem endgültigen „Tschüss“ beherrscht nur noch eine Maurenbrecher-Textzeile Herz und Hirn: „Viel zu früh, wir sind in dem Zustand gar nicht drin!“

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erstellt am 30.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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