Verpflichtung gegenüber den Tieren

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26. März 2014, 06:00 Uhr

„7 Wochen Ohne“, die Fastenaktion der evangelischen Kirche: Die Botschaft zur Passionszeit lautet in diesem Jahr „Selber Denken! 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten“. Heute verrät der Veganer Olaf Zeuch, was für für ihn dieses Motto bedeutet.

Selber denken! Für mich bedeuten „Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten“ den konsequenten Verzicht auf den Verzehr von Lebensmitteln aller Art sowie auf Produkte, die von Lebewesen stammen. Das ist für mich nicht schwer, und sieben Wochen reichen nicht, denn bereits seit 20 Jahren bin ich Vegetarier und seit zwei Jahren fast gänzlich Veganer.

„Huch!“, erschrecken sich viele Menschen, wenn sie von meiner Ernährungsweise erfahren. „Wovon ich denn satt werde“ …, „was ich denn überhaupt noch essen kann“ … ?! Doch ich habe für alle Fragenden stets beruhigende Worte, denn das Pflanzenreich bietet mir täglich einen reich gedeckten Tisch mit einem abwechslungs- und genussreichen Speiseplan.

Dabei bezieht sich der „Genuss“ auf verschiedene Bereiche: auf die Nahrung selbst, die alle Sorten von Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hartweizennudeln, Teigwaren, Fleischersatzprodukte sowie Leckereien wie Weingummi, Schokolade, Chips und vieles mehr beinhaltet. Über die geschmacklichen Gaumenfreuden hinaus empfinde ich es aber mindestens als ebensolchen Genuss, mit reinem Gewissen zu essen. Ich kann Tieren unbefangen in die Augen sehen, ihre Zuneigung annehmen und erwidern, und dies, ohne sie im nächsten Moment zu essen und mich damit an dem Greuel der Fleischindustrie zu beteiligen. „Selber denken – Mensch sein“ hat für mich schon lange eine besondere Bedeutung, was die Verantwortung gegenüber der Tierwelt anbetrifft.

Als bekennender und praktizierender Christ bewege ich in diesem Zusammenhang gerne die biblische Aussage, gemäß derer ich mir als Mensch „die Erde untertan“ machen soll. Befolge ich dieses Gebot, kann ich mich wohl als „Krone der Schöpfung“ fühlen und bin damit letztlich auch das „oberste Glied in der Nahrungskette“.

Nach meiner Überzeugung ergibt sich daraus die Verpflichtung, mich den Tieren gegenüber so zu verhalten, dass ein Wechsel der Rollen jederzeit möglich sein könnte, ohne dass einer der beiden Tauschenden sogleich sein – oft nur sehr kurzes – Leben über in tiefstem Züchtungs- und Haltungselend versinkt und sein Ende unter einem Bolzenschussgerät sowie einem Schlachtermesser findet.

Sieben Wochen ohne falsche Gewissheit bieten eine gute Gelegenheit über das eigene Verhalten nachzudenken und zu hinterfragen. Unterstütze ich die derzeitigen Zustände in der Fleischindustrie und bediene mich weiterhin bedenkenlos an den tierischen Produkten, kann ich mich nach meinem Verständnis nur als die „Krone des Schreckens“ fühlen.

Tierrechte müssen aber auch grundsätzlich ohne die Hinzunahme religiöser oder spiritueller Einflüsse Bestand haben; ja, Tiere müssen sogar vor einigen Textpassagen in der Bibel geschützt werden, auf die sich Menschen beziehen, um ihren Konsum von Tierprodukten zu rechtfertigen.

Es lässt sich somit unreligiös betrachtet beispielsweise feststellen, dass der Mensch irgendwann auf motorischer Ebene den aufrechten Gang erlernt hat, diese Gangart nun aber auch – und dies schon lange und jetzt schnellstens – auf ethischer Ebene vollziehen muss. „Sieben Wochen ohne falsche Gewissheit“ könnte eine Chance für jeden sein.

>Olaf Zeuch (49) wohnt in Barkelsby, ist verheiratet, hat zwei Töchter und arbeitet als Krankenpfleger. Seit 1994 ernährt er sich vegetarisch, seit zwei Jahren nur vegan.

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