zur Navigation springen

Verkehrserziehung : Verkehrskasper auf Abschiedstour

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Puppenspieler der Landespolizei gehen im April in Pension haben aber noch keine Nachfolger/ Sorge um die Zukunft der Verkehrserziehung

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 07:26 Uhr

Dänischenhagen | „Kinder sehen es immer wieder gerne und Puppentheater ist gerade für die Verkehrserziehung ideal. Oder soll man den Kindern etwa Filme zeigen?“, so Gesa Meißner, Leiterin der Grundschule Dänischenhagen. Gestern und auch schon am Mittwoch war er denn auch in der Aula der Schule zu Gast: der Verkehrskasper der Landespolizei, der bereits seit 1954 ganzen Generationen von Kindern richtiges Verhalten im Straßenverkehr beibringt.

Bei den Aufführungen gehen die Kids mit und sind bei der Sache, wie man gestern sehen konnte. Wenn die Ente Watschel versucht, das Verkehrsgedicht zu lernen, Kasper und der Hund Schnuffi das Überqueren der Straße spielerisch erläutern oder beide zusammen mit dem Polizisten den Blödsinn erzählenden Straßenschreck fangen und überwältigen. Die Kinder waren genauso gebannt bei der Sache, wie man es aus eigener Kindheitserinnerung kennt. Auch wenn das Konzept sich immer der jeweiligen Zeit anpasst und Kasper nicht wie früher brutal mit der Klatsche daherkommt und anstelle des erhobenen Zeigefingers der Dialog mit den kleinen Zuschauern im Vordergrund steht.

Die Frage ist, wie viele Generationen den Verkehrskasper noch erleben werden. Offiziell gibt es drei Bühnen in Schleswig-Holstein: eine in Flensburg, eine in Bad Oldesloe. Die Flensburger Bühne ist bereits seit Monaten außer Betrieb und auch die Zukunft der Neumünsteraner Bühne, die jetzt in Dänischenhagen zu Gast war, ist ungewiss.

Die beiden langjährigen Handpuppenspieler Bernhard Wieck und Joachim Fetkenhauer, die Beamte sind und auch andere Tätigkeiten im Polizeidienst ausüben, gehen zum 1. April in Pension. Nachfolger gibt es nicht. „Seit September bin ich hinterher, dass wir Nachfolger in die Tätigkeit einweisen können, bislang ohne Erfolg“, so Wieck. Er habe das Gefühl, so der 62-Jährige, dass man die Bühne seitens der Polizei „durch die Hintertür“ auslaufen lassen will. Lediglich die Bühne Bad Oldesloe ist noch besetzt. In anderen Bundesländern werden laut Wieck die Bühnen sogar teilweise aufgestockt, um Flüchtlingskindern richtiges Verhalten im Straßenverkehr beizubringen. Die Politik hierzulande möchte die Bühnen ebenfalls grundsätzlich erhalten. Auch Innenminister Stefan Studt (SPD) hatte sich, so Bernhard Wieck weiter, dahingehend geäußert, dass die Bühnen im gleichen Stil bei gleicher Qualität ihre Arbeit fortsetzen sollen, allerdings ohne Vollzugsbeamte. Dafür hätte er ein Konzept angefordert, welches bislang aber offenbar noch nicht vorliegt. Dabei ist es eine wichtige Aufgabe, die Jüngsten mit dem Verhalten im Straßenverkehr spielerisch vertraut zu machen. „Die Zusammenführung von Polizei, Uniform und den Puppen wirkt bei den Kleinen nachhaltig“, sind Wieck und Fetkenhauer überzeugt. Etwa 200 Einrichtungen, in der Hauptsache Schulen und Kitas, werden von jeder Bühne betreut und in einer dreijährlichen Rotation besucht, wodurch jede Bühne im Jahr circa 12  000 Kinder erreicht.

Wieck und Fetkenhauer haben noch knapp zehn Vorstellungen auf der Agenda, bevor sie in den Ruhestand gehen, was danach folgt weiß keiner. „Ich wäre sogar bereit, selbst im Ruhestand, einen eventuellen Nachfolger einzuarbeiten“, sagte Wieck. Allzu viel Hoffnung auf ein Weiterleben seiner Puppenbühne scheint er aber nicht zu haben. Schade wäre es, wenn künftigen Generationen das „Erlebnis Verkehrskasper“ genommen würde. Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja doch noch eine Lösung.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen