zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

23. November 2017 | 16:07 Uhr

„Verfahrensverzögerung par excellence“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Raub, Einbruch, Diebstahl: Schöffengericht verurteilte Eckernförder zu zwei Jahren auf Bewährung und 200 gemeinnützigen Arbeitsstunden

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 14:09 Uhr

Einbruch, Körperverletzung, Diebstahl, Raub – die Liste der Anklagen war lang, die die Staatsanwältin gestern Vormittag dem Schöffengericht Eckernförde vortrug. Richter Tiedemann eröffnete die Hauptverhandlung gegen einen 25-jährigen Eckernförder, der sich in mehreren Fällen verantworten musste. Der Angeklagte war Mitglied einer Viererbande, die Ende 2013/ Anfang 2014 für mehrere Vergehen in und um Eckernförde verantwortlich ist. Im November 2013 war er dabei, als ein Bäckereiwagen morgens um 6 Uhr in der Kieler Straße Süd überfallen werden sollte, wobei Tannenbäume auf der Straße den Weg versperrten und den Fahrer zum Aussteigen zwangen. Ein Bandenmitglied setzte Reizgas ein, der Fahrer konnte sich in den Wagen flüchten und die Polizei rufen. Der Angeklagte und ein weiteres Mitglied flüchteten, als der Angriff mit Reizgas erfolgte. Mit einer entwendeten Scheckkarte kaufte der Angeklagte im Dezember in einem Discounter ein und ließ sich Geld auszahlen. Im Februar 2014 drang er gemeinsam mit anderen in eine Lagerhalle im Gewerbegebiet Nord ein und stahl BMW-Reifen und Felgen im Wert von 2400 Euro. Im Februar sprengte die Bande einen Zigarettenautomaten bei einem Dönerladen von der Wand und stahl diesen. Die Beute für den Angeklagten betrug 25 bis 30 Zigarettenschachteln. Mit einem Nachschlüssel öffnete er im März 2014 einen Passat und entwendete einen geringen Geldbetrag und 6 Liter Kraftstoff. In der Nacht vom 6. auf den 7. März 2014 versuchte er, gemeinsam mit einem Kumpel in ein Nur-Dach-Haus in Damp einzudringen, um ein TV-Gerät zu entwenden.

Nach längerer Beratung wurde der 25-Jährige zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Ein seit März 2014 bestehender Haftbefehl wurde aufgehoben. Der Angeklagte wurde laut Bewährungsbeschluss zu 200 gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt. „Sehen Sie zu, dass Sie eine Vollzeitbeschäftigung haben, dann stellen wir die Arbeitsstunden zurück“, gab Richter Tiedemann dem Arbeitssuchenden mit auf den Weg. Das Gericht sieht den ehemals Drogensüchtigen, der bereits mehrere Jugendstrafen verbüßt und jetzt eine Therapie erfolgreich beendet hat, auf einem positiven Weg.

Beim Urteil berücksichtigte das Gericht das umfassende Geständnis des Angeklagten und folgte seinem Anwalt, der sich auf die lange Verzögerung des Verfahrens berief, die strafmildernd berücksichtigt werden müsse. Bereits im Mai 2014 habe sein Mandant ein Geständnis abgelegt. Dreieinhalb Jahre sei nichts geschehen, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft erfolgte erst Anfang 2017. „Die Akte hat jahrelang bei der Staatsanwaltschaft gelegen, das ist richtig“, räumt die Staatsanwältin ein. „Eine rechtsstaatliche Verzögerung par excellence“ erklärte Richter Tiedemann, ließ sich aber nicht auf die vom Anwalt geforderte Strafe von einem Jahr und sechs Monaten ein. Der Angeklagte hatte das letzte Wort. „Ich bin guter Dinge, dass ich nicht mehr auf die schiefe Bahn komme.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen