Jubiläum : Vereinswurzeln reichen ins Kaiserreich

Noch gibt es für den DRK-Vorstand Rieseby mit Waltraut Folge (r.) und Helga Damm viel zu tun für den Empfang zum 100-jährigen Bestehen des Ortsvereins am Sonntag, 26. März.
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Noch gibt es für den DRK-Vorstand Rieseby mit Waltraut Folge (r.) und Helga Damm viel zu tun für den Empfang zum 100-jährigen Bestehen des Ortsvereins am Sonntag, 26. März.

DRK-Ortsverein Rieseby richtet Empfang zum 100-jährigen Bestehen am Sonntag, 26. März aus / Festball für alle während der Dorfwoche

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22. März 2017, 06:14 Uhr

Rieseby | An der Westfront tobt der Stellungskrieg bei Cambrai und an der Ostfront rücken die kaiserlichen Truppen auf Riga vor. Im Herbst 1917 befindet sich das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg und die Not ist groß. Viele im Feld Verwundete und Erkrankte kommen von den Fronten zurück. Um sie in Kriegszeiten zu versorgen, wird in Rieseby ein Ortsverein des Vaterländischen Frauenvereins gegründet. Gut 100 Jahre danach feiert der Ortsverein, mittlerweile umbenannt in das Deutsche Rote Kreuz, am Sonntag, 26. März sein Jubiläum. Um 11 Uhr wird zum Empfang in die Sporthalle eingeladen. Noch laufen die Vorbereitungen für den Empfang auf Hochtouren.

Der Vorstand um Waltraut Folge und Helga Damm blickt auf eine wechselvolle Geschichte des Vereins. „Das Aufgabenspektrum hat sich in den vielen Jahrzehnten stark verändert“, sagt Folge, die seit 2005 den Ortsverein mit zurzeit 186 Mitgliedern führt. Galt es entsprechend der im März 1918 erlassenen Satzung des Vereins, in Friedenszeiten „die Beseitigung und Verhütung wirtschaftlicher und sittlicher Not“ zu verfolgen, so sind die Aufgaben heute deutlich vielfältiger.

Zur ersten Vorsitzenden wurde 1917 Elisabeth Illies gewählt. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehörten M. Siemen, Frau Pastor Peters, Christine Kock, E. Kock, Ida Holst und F. Siemon. „Mehr Details sind uns nicht bekannt“, erklärt Folge, denn Unterlagen über die Gründungsversammlung haben sie nirgendwo finden können. Mitglied konnte jede „unbescholtene Frau oder Jungfrau ohne Unterschied des Glaubens und des Standes“ werden. Der Beitrag lag bei mindestens 50 Pfennig im Vierteljahr.

Auch wenn sich die Aufgaben der ehrenamtlichen DRK-Mitglieder gewandelt haben, so stehen doch auch heute noch das Wohl und Hilfe für die Menschen im Vordergrund. So betreibt der Ortsverein eine Kleiderkammer. Regelmäßig werden von dort hunderte Kleidungspakete gepackt und über Dr. Wilfried Groß aus Fleckeby nach Polen (Masuren) transportiert. Außerdem werden seit vielen Jahren persönliche Weihnachtspäckchen an ein Kinderheim in Litauen verschickt.

Für die Bürger in der Schleigemeinde organisiert der Verein Gruppenangebote. So wird getanzt, es gibt Gymnastik und eine Wandergruppe. Darüber hinaus werden Fahrten organisiert, es gibt Blutspenden und auch Handarbeits- und Bastelgruppen. Alle Angebote sind auch offen für Nichtmitglieder.

Wichtig ist dem Verein, dass sowohl Senioren als auch Kinder vom Roten Kreuz profitieren. So gibt es einen Besuchsdienst, bei dem Riesebyer Bürger ab 75 Jahre (220 zurzeit) jährlich besucht werden. Regelmäßig werden auch Mitglieder besucht, die in Senioreneinrichtungen in der Region leben. Ebenso werden die etwa 220 Kinder in allen Riesebyer Kindertageseinrichtungen und der Schleischule im Jahr bedacht. „Das Geld (je Kind 3 Euro) bekommen die Einrichtungsleitungen, um damit Theaterbesuche oder Ausflüge für die Kinder zu finanzieren“, erklärt Helga Damm.

Nicht mehr aktiv ist die DRK-Bereitschaft. Bis in die 70-Jahre gab es sie noch, dann löste sich die Gruppe auf. Auch eine Jugendrotkreuzgruppe gab es, aber auch ihr gingen Mitte der 80-Jahre die Betreuer und Aktiven aus. „Dabei war die Zeit in der Gruppe und die Gemeinschaft sehr schön“, berichtet Folge von ihren eigenen Erfahrungen. Sehr gerne würde der Ortsverein erneut eine solche Gruppe aufbauen. Interessierte würden unterstützt werden.

Von den Mitgliedsbeiträgen alleine, es sind 18,50 Euro im Jahr (5 Euro bleiben nur beim Ortsverein), kann der Ortsverein all seine Aufgaben nicht erfüllen. „Rund 30 Mitglieder zählen zum harten Kern. Diese sind sehr aktiv“, so Folge. Sie veranstalten einen großen Basar, wo Handarbeiten und Kuchen verkauft werden, sie organisieren jedes Jahr einen Punschverkauf und sie sind bei vielen weiteren Aktionen im Dorf, wie dem Deutschen Mühlentag und der Dorfwoche, beteiligt. Im Jahr „liefern“ das DRK und Spender weit über 120 Kuchen und Torten, die zu Gunsten des Ehrenamtes verkauft werden. „Kuchen backen ist aber keine Bedingung zur Mitgliedschaft“, sagt Damm. Und Folge ergänzt: „Ein großes Ziel des Ortsvereins ist es, die Grenze von 200 Mitgliedern zu knacken.“ Eine gute Gelegenheit zur Neumitgliedschaft wird beim Empfang am Sonntag sein, dann gibt es die Mitgliedschaft im Jubiläumsjahr.

Während am Sonntag nur geladene Gäste, unter anderem aus den Nachbarvereinen, dem Kreisverband sowie Marie Alix Herzogin zu Schleswig-Holstein, erwartet werden, sind am Freitag, 30. Juni während der Dorfwoche alle zum Festball in der Sporthalle willkommen.



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