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Austausch : Verbundenheit über den Atlantik hinweg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Frauen aus El Salvador besuchen Partner-Gemeinde in Wulfshagenerhütten

Kontakte vertiefen, sich austauschen und voneinander lernen: Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten, 1973 in Kornwestheim gegründet, besuchten mit Noemi Ortiz, Ana Maria Barrientos und Sofia de la O, drei Frauen aus Partner-Gemeinschaften in El Salvador, für drei Wochen die christliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Der Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche (KED) und die Bingo-Projektförderung haben den Besuch finanziell ermöglicht.

Der Kontakt nach El Salvador besteht seit einem ersten Besuch dort 1986. Das kleinste Land Zentralamerikas, etwa so groß wie Hessen, kämpft mit großen Unterschieden zwischen Arm und Reich und weltweit einer der höchsten Kriminalitätsraten. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. „Wir haben sie eingeladen zu unserem Jubiläum, weil sie für uns nach mehreren Besuchen für unser Verständnis eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Julia Meyer-Stromfeldt von der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten. Sie, Martin Ellwanger und Dorothea Grasser tragen die Verantwortung für die Partnerschaft nach El Salvador. „Wir leben im gleichen Geist“, sagt sie. „Wir treten ein für gerechtere Gesellschaftsstrukturen und weniger Armut und geben auch denen eine Chance, die sonst am Arbeitsmarkt nicht bestehen. Auch wenn wir weit weg sind, fühlen wir uns einander sehr nah.“

Die drei Frauen sprechen spanisch. Julia Meyer-Stromfeldt übersetzt. Die drei Frauen machen kirchliche Arbeit. „Wir wollen eine Kirche von unten, die geprägt ist durch solidarisches Handeln“, sagt Sofia de la O. Sie geben jungen Leuten in Workshops Halt und Perspektiven, vermitteln christliche Werte, unterstützen arme Bauern beim Aufbau genossenschaftlicher Strukturen, verhelfen Frauen zu Kleinstkrediten und engagieren sich im Gesundheitswesen. Sofia de la O in der Basisgemeinde Zacamil, im gleichnamigen Stadtteil der Hauptstadt El Salvador, Noemi Ortiz und Ana Maria Barrientos als Mitglieder der Ordensgemeinschaft „Kleine Schwestern“, die Basisgemeinden begleitet, die sich nach Verbannung und Exil wieder neu gebildet haben. Die Basisgemeinden in El Salvador gründen sich auf der in Lateinamerika entwickelten Befreiungstheologie, die sich als Stimme der Armen versteht und zur Befreiung von Ausbeutung, Entrechtung und Unterdrückung beitragen will. Das führte zu erheblichen Konflikten mit der katholischen Kirchenhierarchie. Das bekannteste Opfer ist der Erzbischof von El Salvador Óscar Romero, der 1980 ermordete wurde. Das war auch ein Auslöser für den Bürgerkrieg in El Salvador von 1980 bis 1991, der rund 70 000 Tote, darunter viele kirchlich, politisch oder gewerkschaftlich organisierte Menschen forderte. Während ihrer Zeit hier haben die Frauen Schülern der Isarnwohld-Schule und der Humboldt-Schule in Kiel von ihrem Land, ihrer Arbeit, ihren Erlebnissen während des Bürgerkrieges und ihren Hoffnungen erzählt, über Werte und Gesellschaftsformen diskutiert und die Botschafterin in Berlin getroffen. Der neue Papst Franziskus, erstes katholisches Kirchenoberhaupt aus Lateinamerika, der sich eine arme Kirche für die Armen wünscht, lässt sie hoffen. „Uns macht Hoffnung, dass er bei der Quelle anfängt, bei Jesus und seiner Liebe zu allen Menschen“, sagt Ana Maria Barrientos. „Wir hoffen, dass er die bestehende Kirche herausfordert. Denn die Kirche hat ihre eigentliche Aufgabe vergessen.“ Auch Sofia de la O hegt Hoffnung. „Er gibt Zeichen, der neue Papst“, meint sie. „Aber es wird Zeit brauchen.“

Von ihrem Besuch nehmen sie vieles mit nach Hause, sagen die Frauen. Impulse aus der Erziehungs- und Bildungsarbeit, Einblicke in die Form des Zusammenlebens der Basisgemeinde in Solidarität, Kontakte zu Jugendlichen, mit denen sie in den Schulen gesprochen haben und ganz praktisch, Spielzeuge, die die Basisgemeinde in ihrer Werkstatt herstellt, für ihre Arbeit mit Kindern in El Salvador.

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