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Friedhofsbetrieb : Urne statt Sarg: Friedhof rutscht ins Minus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kirchengemeinde Rieseby bittet Kommunen um Unterstützung beim Friedhofsbetrieb

Rieseby | Neue Wege in der Finanzierung des Friedhofbetriebs muss die Kirchengemeinde Rieseby einschlagen. Dabei möchte sie die politischen Gemeinden Rieseby und Loose mit ins Boot holen. So wie es bisher lief, gehe es nicht mehr weiter, machen Pastor Jörg-Michael Schmidt und Inke Kock aus dem Kirchengemeinderat deutlich. In den letzten fünf Jahren sei ein Defizit von rund 57  000 Euro bis heute aufgelaufen, sagt Inke Kock. Mit Datum von gestern erhalten beide Gemeinden einen entsprechenden Brief, in dem sie um Unterstützung gebeten werden.

Der Wunsch der Kirchengemeinde sei nicht unberechtigt, meint Pastor Schmidt, da das Bestattungswesen eine kommunale und öffentliche Aufgabe sei. Die Finanzierung des Friedhofbetriebs werde ganz oder teilweise aus den Gebühren getragen. Kirchensteuermittel dürften nicht eingesetzt werden. Es sei somit nicht originär eine Aufgabe der Kirchengemeinde, allerdings sei sie über lange Zeit durch die Kirchengemeinden ausgeübt worden, so Schmidt. „Wir streben eine Lösung zum Wohle aller an und wollen die Verantwortlichen mit ins Boot holen“, sagt er.

Überrascht von dem Wunsch der Kirchengemeinde sind die politischen Gemeinden nicht. Bereits Ende 2012 gab es erste Gespräche, die dann in 2013 zur Gründung eines Kuratoriums mit den Bürgermeistern, ihren Stellvertretern und drei Vertretern des Kirchengemeinderates als Mitgliedern führte. Dort sei bereits intensiv über das Thema beraten worden. Anlass sei das jährlich steigende Defizit des Friedhofbetriebs gewesen, so Schmidt. Im Jahr kämen rund 10  000 Euro Defizit hinzu.

Die Gründe für die Zuspitzung der finanziellen Lage liegen in einer Veränderung der Bestattungskultur. So stieg seit den 90-Jahren die Zahl der Urnenbestattungen kontinuierlich an, berichtet Anke Luckner, die von der Kirchenkreisverwaltung als Fachfrau für das Friedhofswesen, das Kuratorium begleitet hat. Lag der Urnenanteil bis 1994 in fast allen Jahren unter 20 Prozent, so stieg der Anteil von 1994 bis 2015 auf über 40 Prozent. In den jüngeren Jahren lag der Anteil teils bei über 60 Prozent, in der Spitze sogar bei 90 Prozent, so Kock. Vor dem Hintergrund, dass ein Urnengrab mit rund 800 Euro für 20 Jahre deutlich günstiger ist als ein Erdwahlgrab für 30 Jahre mit rund 2000 Euro, werde deutlich, dass die Gebühreneinnahmen sinken. Hinzu kämen oft auch geringere Einnahmen durch die Pflege der Gräber, die bei Urnenbeisetzungen im Rasen gänzlich wegfielen, so Schmidt. Der Aufwand für die Pflege der 1,5 Hektar großen Anlage mit derzeit 640 Grabstätten bleibe aber konstant, so Luckner. Daneben sinke auch die absolute Zahl der Bestattungen, wobei auch Ruheforste und Seebestattungen an Bedeutung gewinnen.

„Wir wollen ins Bewusstsein rufen, dass Friedhof eine kommunale Aufgabe ist, wie Kindergarten und Spielplätze“, sagt Schmidt. Zugleich betont er, dass es der Kirchengemeinde sehr wichtig sei, das Kulturgut Friedhof, auch als Park zu erhalten. Bisher sei der Friedhof stets von Riesebyern und Loosern für seinen tollen Zustand und die Anlage gelobt worden. Es sei aber fraglich, wie das in Zukunft zu bewerkstelligen sei, macht Schmidt deutlich. Eine Anhebung der Gebühren sei nicht mehr möglich, um auch sozialverträglich zu bleiben, so der Pastor weiter.

Innerhalb des Kuratoriums gab es bereits viele Ideen und auch eine Grobplanung, um den Friedhof zwischen Bewahrung der Tradition und dem Zeitgeist zu entwickeln und die Attraktivität zu erhalten, so Inke Kock, „es fehlt aber das Geld“.

Die Friedhofsentwicklung in Rieseby sei kein Einzelfall, stellt Luckner fest. Im Kirchenkreis seien bereits gute Lösungen gefunden worden, um die laut Bestattungsgesetz öffentliche Aufgabe zu bewältigen. Daher hofft die Kirchengemeinde auf eine Lösung, bei der die Tilgung des aufgelaufenen Defizits ebenso geklärt wird, wie die künftige Finanzierung des Friedhofbetriebs. Aus Sicht der Kirchengemeinde sei es sinnvoll, vor der Haushaltsaufstellung für 2017 mit den Gemeinden eine tragfähige Lösung zu finden. Daher hofft der Kirchengemeinderat auf Entscheidungen der Gemeindegremien bis Ende August.

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erstellt am 15.Jun.2016 | 06:04 Uhr

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