zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 21:45 Uhr

Der erste Urlaub : Urlaub 1957 in Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Urlaub war früher für die meisten Menschen purer Luxus. Die erste Urlaubsreise von Karla Schubert 1957 in Eckernförde hatte nachhaltige Wirkung: Der jungen Frau gefiel die Ostseestadt so gut, dass sie dorthin umzog.

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 06:37 Uhr

Eckernförde | Urlaub. Dieses einfache Wort ist zur Zeit sicherlich das am meisten gehörte. Aber was bedeutet und beinhaltet es eigentlich? Einfach nur ausspannen, sich erholen, den Alltag und den Arbeitsplatz für einen gewissen Zeitraum verlassen, kein Telefon, kein Fernsehen?

In meiner Jugend habe ich das Wort Urlaub nie gehört. Wir waren nicht gerade arm, aber auch finanziell nicht so gut gestellt, dass wir jedes Jahr in den Urlaub hätten fahren können. So war es natürlich selbstverständlich, dass dieses Wort nicht in meinem Sprachschatz existierte.

Ausflug oder Ferienlager, ja, das kannte ich. Es bedeutete, mit meiner Klasse oder meiner Jugendgruppe einige Zeit gemeinsam zu verbringen. Diese Zeit ist in guter Erinnerung. Wir fuhren in den Ferien mit der S-Bahn zu einer nicht allzu weit entfernten Haltestelle, und waren bereits unterwegs in fröhlicher Stimmung. Am Bahnhof angekommen, lag noch ein langer Fußweg vor uns, um dann in einem sogenannten Zeltlager an einem sehr schönen See mitten in der herrlichen Natur, in einigen vorbereiteten großen Zelten unseren Platz zu finden. Die Zelte beherbergten meistens so um die acht Kletterbetten. Das Essen wurde an langen Holztischen eingenommen, nachdem wir es uns in der Gemeinschaftsküche abholen durften. Natürlich haben wir bereits vor dem Essen holen an den Tischen gesessen, mit dem Besteck auf den Tisch geklopft und so laut gesungen, dass sich mit Sicherheit alle Tiere im Wald erschreckt haben: „Wir haben Hunger, Hunger, Hunger ...“.

Wir konnten nach Herzenslust toben, baden und schwimmen, das wir alle beherrschten. Abends wurde ein großer Holzstapel angezündet, das Holz dafür hatten wir tagsüber gemeinsam gesammelt. Am Lagerfeuer wurden bekannte Lieder gesungen, die wir in der Schule gelernt hatten, jemand spielte Gitarre. Es war die schönste Zeit, an die ich mich aus meiner Jugendzeit erinnern kann. Diese Unbekümmertheit und Ausgelassenheit, die wir ausleben durften, war und ist für die Entwicklung und Vorbereitung für das Leben junger Menschen sehr wichtig.


„Es wird Ihnen gefallen“


Nun aber zu dem ersten Urlaub meines Lebens. Ich war bereits in der Ausbildung und mehrere hundert Kilometer von zu Hause entfernt. Eines Tages bekam ich einen Anruf von meinen Eltern, dass ich ja mal, wenn ich einige Tage frei hätte, in Urlaub fahren könne. Urlaub? Was war das? Und so war meine nächste Frage: „Wie muss ich das denn machen?“

Man sieht, ich hatte wirklich absolut keine Ahnung. Meine Eltern erklärten mir, dass ich in ein Reisebüro gehen solle – auch wieder so ein Fremdwort für mich –, und nach Reisevorschlägen fragen solle, in deiner Stadt gäbe es bestimmt eines in der Hauptstraße.

Nach kurzem aufmerksamen Suchen fand ich es. Eine sehr freundliche und verständnisvolle Mitarbeiterin begrüßte mich ahnungsloses und unerfahrenes junges Mädchen. Sie half mir beim Aussuchen meines Reisezieles, in dem sie sich langsam zu meinen Wünschen durchfragte, ob ich denn lieber in die Berge oder ans Wasser wolle.

Oh, ja, Wasser - das war das Zauberwort, ich liebte doch Wasser. Sie schlug mir damals bereits – wir schrieben das Jahr 1957 –, Eckernförde vor, mit den Worten: „Das ist ein hübscher, kleiner, gemütlicher Ort, noch nicht so sehr bekannt, direkt an der Ostsee, es wird Ihnen gefallen.“

Und es hat mir so gut gefallen, dass ich 1962 direkt hierher gezogen bin. Ich brauchte damals kein Telefon, kein Fernsehen, kein Wiener Schnitzel und auch keine Schweinshaxe – nur das große, weite Meer, den Strand, den Wind, die gesunde Luft und meine neue Lieblingsspeise: Sprotten.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen