Eckernförde : „Upwelling“ verursacht Fischsterben

Tote Fische – Tausende Kadaver werdenam 12. September 2017 am Hundestrand angespült.
Tote Fische – Tausende Kadaver werdenam 12. September 2017 am Hundestrand angespült.

Ein Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum will das Phänomen Upwelling in der Ostsee vor Eckernförde erforschen.

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28. Februar 2018, 06:46 Uhr

Tausende tote Fische am Hundestrand von Eckernförde – am 12. September 2017 verendeten innerhalb weniger Stunden sehr viele Fische. Ursache des massenhaften Fischsterbens ist ein sogenanntes Upwelling, das das Aufsteigen von sauerstoffarmem Wasser aus tiefer liegenden Schichten bis in die oberflächennahe lichtdurchflutete sauerstoffreiche Schicht bezeichnet. Das sauerstoffreiche Wasser wird weggedrückt, sauerstoffarmes fließt nach. Geschieht dieses Phänomen auch im Flachwasser, hat das verheerende Auswirkungen. Die Ursache von Upwelling, das weltweit in Ozeanen und Meeren auftritt, möchte Dr. Ivo Bobsien jetzt in der Eckernförder Bucht erforschen. Der Wissenschaftler will bereits im April Messsonden in der Ostsee vor dem Strand und auf Höhe der WTD 71 aussetzen, um zuverlässige Werte zu bekommen. Das Projekt hat eine Laufzeit bis Juni 2020. Auf der Sitzung des Umweltausschusses, zu dem der Vorsitzende Edgar Meyn (Bündnis 90 / die Grünen) den Wissenschaftler von Geomar (Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel) am Montag im Ratssaal begrüßte, stellte Dr. Bobsien sein Projekt vor. Neben der zeitlichen und räumlichen Erfassung möchte er den möglichen Einfluss von Upwelling auf die benthischen Flachwassergemeinschaften (Pflanzen und Organismen, die sich auf dem Boden befinden) beurteilen. Die Ostsee, ein Brackwasser-Nebenmeer, zeichnet sich durch ihre schmale Öffnung zur Nordsee, eine Beckenstruktur mit Schwellen und Tiefen, Schichtungen, steilen physikalisch-chemischen Gradienten und einen eingeschränkten Wasseraustausch aus. Ist in Sauerstoff-Minimum-Zonen ein geringerer Sauerstoffanteil als 2 Milligramm pro Liter vorhanden, nennt man diese hypoxisch. Bei extremer Sauerstoffarmut entsteht das toxische Gas Schwefelwasserstoff – absolut tödlich für alles Leben. Genau das sei im September 2017 geschehen, sagte Ausschussmitglied Thorsten Peuster. „Alles, was kriechen und schwimmen konnte, schwamm nach oben Richtung Flachwasser, wo sie verendeten.“ Dr. Bobsien plant die Verlegung von Messsonden in 3, 5, 7, 10, 15 und 20 Metern Tiefe, unmittelbar vor dem Kurstrand und auf Höhe der WTD 71. Vor Noer soll ein Referenzstandort, an dem kein Upwelling stattfindet, eingerichtet werden, um Vergleichswerte zu erhalten. Das Phänomen Upwelling trat schon früher in den Meeren auf, „aber es ist ein Problem, das sich verschärft“, erklärte Dr. Bobsien, „es ist ein Phänomen, das sich durch den Klimawandel verstärkt hat.“ Bei seinen Untersuchungen greift er auch auf die Ergebnisse der Zeitserienstation „Booknis Eck“ zurück. Die Messstation vor der Eckernförder Bucht liefert seit 1957 nicht nur Daten über die Beschaffenheit des Wassers, sondern auch Antworten auf die Fragen nach Wetter- und Windbedingungen, die für ein Upwelling mitentscheidend sind.

Eine ähnliche Untersuchung, wie sie in Eckernförde geplant ist, gibt es zurzeit an keinen anderen Standorten. „Eckernförde weist spezielle typografische Bedingungen auf, um das Phänomen bestens erforschen zu können“, begründete Dr. Bobsien die Entscheidung für das Ostseebad. Der Wissenschaftler möchte mit allen in Eckernförde zuständigen Institutionen und Personen zusammenarbeiten. Kontakt zum Ostsee Info-Center hat er bereits geknüpft. Der Umweltausschuss begrüßte das auf drei Jahre angelegte Projekt.

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