Unverhofftes Tageslicht und hilfreiche Hände

porträt kühl 1

von
16. Januar 2015, 09:45 Uhr

Es hatte fast etwas von einem Naturereignis. Man konnte trockenen Hauptes und Fußes draußen herumspazieren und seine Besorgungen erledigen. Und dann das: So gegen 16 Uhr wurde es draußen plötzlich ungewohnt hell und ganz weit im Westen, fast schon am Horizont, tauchte mit einem Mal die Sonne auf. Zwar nicht lange, nur für ein paar Minuten. Als hätte jemand das Licht angeknipst. Beeindruckend. Nach wochenlangem Dauerregen, verdunkeltem Himmel und strammer Brise aus Südwest wirkte das nahezu befreiend.

Wär’ schön, wenn es am Wochenende so weitergehen würde. Nach „Land unter“ wieder raus an die Luft, der Wochenmarkt ist auch wieder voll besetzt, und in den Geschäften warten nach trüben Wochen jede Menge Schnäppchen.

Die Eckernförder sind heiß auf die Erstausgabe von Charlie Hebdo nach dem Terroranschlag. Etwa 30 Vorbestellungen sind allein im Zeitschriften- und Tabakgeschäft von Rüdiger Witt in der Kieler Straße eingegangen. Wie es aussieht, müssen sie auf anderen Wegen versuchen, an das begehrte Pariser Satiremagazin zu kommen, weil den Händlern in ganz Schleswig-Holstein aufgrund der riesigen Nachfrage in Europa nur 75 Exemplare zugeteilt werden.

Kein Wunder, der Zweitmarkt blüht: Für das Heft mit dem untröstlichen Mohammed werden bei ebay bereits mehrere hundert Euro geboten.

Die Hand der Eckernförder ist ganz weit ausgestreckt. Die Asylbewerber, Flüchtlinge und Spätaussiedler müssen sie nur ergreifen. 60 Freiwillige sind dem Aufruf des Vereins Umwelt-Technik-Soziales (UTS) und der Arbeiterwohlfahrt gefolgt und haben sich als freiwillige Helfer eintragen lassen. Viele von ihnen sind auch am Donnerstag ins Willkommens-Café in die Bürgerbegegnungsstätte gekommen, um direkt ihre Hilfe anzubieten. Das ist ein ziemlich starker Auftritt und ein schönes Zeichen menschlichen Handelns im Zeichen islamistischen Terrors und großer Anti-Islam-Demos ausgerechnet im fast muslimfreien Dresden.

Für dieses Jahr sind weitere 80 Flüchtlinge angekündigt. Die Stadt kümmert sich um die Wohnungen und den Lebensunterhalt, die Bürger und Vereine um die Integration. Das passt.

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