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Eckernförder Zeitung

25. September 2017 | 22:48 Uhr

Unvergesslich

vom

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Eckernförde | Am 21. Juli wäre ein Mann 120 Jahre alt geworden, mit dem ich mich in der letzten Zeit gedanklich oft beschäftigt habe. Es gibt eine Biografie über ihn, die den Untertitel trägt: "Sein großes kleines Leben". Ich persönlich möchte ein Wort davon ändern in: Sein kurzes großes Leben, denn der bekannte Schriftsteller Hans Fallada ist nur 54 Jahre alt geworden.

Sein kurzes Leben hat eine Fülle von negativen Ereignissen, wie sie nur selten von einem Menschen erlebt werden. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben. Der Sohn eines Landrichters und späteren Reichsgerichtsrates machte seinen Eltern nicht viel Freude. Es war vorgesehen, dass er eine Juristenlaufbahn einschlagen sollte. Seine Interessen gingen allerdings in eine andere Richtung, und dafür fehlte ihm die Anerkennung seiner Eltern. Mit 18 Jahren bereits wurde er nach einem gescheiterten Doppel-Selbstmordversuch in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das Gymnasium verließ er ohne Schulabschluss, begann eine Lehre in der Landwirtschaft und arbeitete u. a. als Wirtschaftsinspektor. Später als Journalist und Verlagslektor beim Holsteinischen Courier in Neumünster. Viele Stolpersteine hatte er in seinem Leben zu überwinden. Mehrmals kam er mit dem Gesetz in Konflikt, er musste für mehrere Jahre ins Gefängnis und wurde wegen seiner Alkohol- und Rauschmittelsucht in eine Heilanstalt eingewiesen.

Geboren in Greifswald, am 21. Juli 1893 als Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, hat er vor der Veröffentlichung seines ersten Romanes, er war gerade 27 Jahre alt, den Künstlernamen Hans Fallada angenommen. Das Schreiben wurde für ihn zur Besessenheit, und es ist unglaublich, welch ein Menge von Büchern er in den restlichen 27 Jahren seines Lebens geschrieben hat. Zahlreiche Romane von ihm wurden weltberühmt und sind verfilmt worden: "Bauern, Bonzen und Bomben", seinen ersten großen Roman, der auch in Eckernförde gedreht wurde, "Kleiner Mann - was nun?", den er zusätzlich zu anderen Büchern in den Jahren 1930 bis 32 in Neuenhagen bei Berlin geschrieben hat oder "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" (1934), geschrieben nach seinen eigenen Erfahrungen im Zentralgefängnis in Neumünster. Hans Fallada hat sich nicht nur mit zeit- und sozialkritischen Themen in seinen Werken "Wolf unter Wölfen" oder "Der eiserne Gustav" befasst, er hat ebenso Märchen und Unterhaltungsromane geschrieben. Der Biografie von Werner Liersch ist zu entnehmen, dass Hans Fallada am 5. Februar 1947, mit 54 Jahren in einer Berliner Klinik an Herzversagen gestorben ist.

Nicht nur am Sitz des Holsteinischen Courier in Neumünster ist eine Gedenktafel angebracht, sondern auch in anderen Städten und an zahlreichen Gebäuden, es wurden Straßen und Schulen nach ihm benannt. In Carwitz (Mecklenburg-Vorpommern), wo Hans Fallada lange gelebt hat, wurden in seinem Haus ein Archiv und ein Museum eingerichtet. Die Stadt Neumünster stiftete 1981 ihm zu Ehren den Hans-Fallada-Preis.

Warum mich persönlich Hans Fallada und sein Leben interessieren, ist ganz einfach zu beantworten: Auch ich habe ich Neuenhagen bei Berlin gewohnt, allerdings erst zwanzig Jahre später. Wir werden diesen Menschen, der in seinem so kurzen Leben so viel geleistet hat, nicht vergessen.

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