zur Navigation springen

Umfangreiche Sanierung : Unter Farbe verborgene Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die St-Katharinen-Kirche wird umfangreich saniert / Sperrung bis voraussichtlich Anfang September / Eigenanteil liegt bei rund 130 000 Euro

von
erstellt am 25.Jun.2016 | 07:15 Uhr

Wenn alle Bauabschnitte an der St.-Katharinen-Kirche wie geplant umgesetzt werden, bedeutet das für die Kirchengemeinde einen enormen finanziellen Kraftakt. So erhält die Kirche in den nächsten Wochen einen Innenanstrich, das Dach, Balken der Glockenaufhängung und Traufe müssen saniert werden. Rund 130  000 Euro müssten dafür aus der Baurücklage genommen werden. Doch das sei es wert, betont Pastor Thies Feldmann. „Die Kirche ist ein Juwel, die Räume verbreiten eine Atmosphäre von Frieden und Geborgenheit.“

Vor rund drei Wochen haben die Arbeiten in dem Gebäude begonnen. „Am 5. Juni fand der letzte Gottesdienst statt, am 6. Juni kam der Gerüstbauer“, berichtet Feldmann. Grund für die Einrüstung der vermutlich rund 800 Jahre alten Kirche sind Sturmschäden, die noch aus der Zeit der Orkane „Christian“ und „Xaver“ stammen und dazu geführt haben, dass Wasser ins Dach eingedrungen ist. Unter der Decke blätterte es ab, und es hat sich Schimmel gebildet“, erzählt Thies Feldmann.

Der Gerüstaufbau innerhalb der Kirche hat den Kirchengemeinderat dazu bewogen, dem Gebäude gleich einen neuen Innenanstrich zu verpassen. Den Auftrag dafür hat der Diplom-Restaurator Gerold Ahrends aus Lauenburg bekommen, der seit zehn Jahren mit seiner Frau Yvonne Erdmann selbstständig tätig ist. „Wir konnten bei der Bünsdorfer Kirche vier Farbgebungen herausarbeiten“, berichtet Ahrends. Die älteste stammt aus dem 19. Jahrhundert, die anderen um 1900, 1920 und 1957. Das konnte der Fachmann beim Abtragen der einzelnen Farbschichten und beim Blick in die Archive rekonstruieren. Bei der neuen Farbgebung für den Innenanstrich haben das Landeskirchenamt und der Denkmalschutz ein wichtiges Wort mitzureden. „Wir sind verpflichtet, die Fassung von 1957 zu rekonstruieren“, berichtet Ahrends von der Abwägung der Ämter. Das war die Zeit von Pastor Erwin Schwarz. Die Kirchensanierung übernahm damals der Restaurator Wehrmann, das lässt sich nachlesen. Die Wände werden somit einen leichten Gelbton erhalten, die Decke grau grünlich schimmernd. „1957 ist das Jahr, in dem in der Kirche eine einheitliche Linie erkennbar ist“, so der Lauenburger. Die anderen Epochen der Kirche sollen aber nicht in Vergessenheit geraten. „Daher werden wir kleine Sichtfenster in die Geschichte stehen lassen“, versichert der Restaurator. An kleinen Flächen an den Wänden werden die freigelegten Farben gezeigt und mit Infotafeln erläutert. Die Restauration sei eine ständige Schatzsuche, sagt Ahrends.

Auch Pastor Feldmann war überrascht, als beim Freilegen der Farbschichten, Blumenornamente zum Vorschein kamen. „Originales soll bleiben“, sagt Ahrends, sonst wäre bald nichts mehr Authentisches in der Kirche. Grundsätzlich gehe es darum, beim Restaurieren die Geschichte zu erhalten und nicht zu verfremden. Unsere Gemeinde muss ihre Kirche nach der Sanierung auch wiedererkennen“, ergänzt Pastor Feldmann.

Die Decke wurde gereinigt und desinfiziert, Stockflächen hatten sich schon gebildet. Vorhandene Malschichten bleiben möglichst erhalten, werden nur neu verklebt. Insgesamt wird dieser Bauabschnitt rund 85  000 Euro kosten. Abzüglich des Versicherungsschadens und eines Zuschusses von der Landeskirche über 10  000 Euro, sowie des Denkmalamts über 5000 Euro, wird die Kirchengemeinde etwa 53  000 Euro aus Eigenmitteln aufbringen müssen. „Wir hoffen auf Spenden“, sagt Feldmann, „einen Förderverein haben wir leider nicht.“

Bei einer Routinekontrolle in der Kirche wurde jetzt ein weiterer, weitaus gravierenderer Schaden festgestellt. Die Balken-Aufhängung der Kirchenglocke ist marode. Die Balken ragen in das Gebäude hinein und sich feucht geworden. Daher müssen die Balken erneuert und zusätzlich mit einer Stahlkappe ausgestattet werden. „Die Standsicherheit des Glockenturms ist sogar gefährdet“, sagt Feldmann. Hier müsse schnell gehandelt werden. Ebenfalls angepackt werden muss die Traufe an der Außenfassade. Durch sie dringt Wasser ein. Für Glockenturm und Traufe werden rund 233  000 Euro investiert werden müssen. 70 Prozent übernimmt der Kirchenkreis, verbleiben etwa 73  000 Euro bei der Kirchengemeinde. Finanzielle Sorgen seien der Kirchengemeinde bislang fremd gewesen, so Feldmann, „wir sind eine große Gemeinde mit kleinem Personalstamm.“

Am 4. September soll wieder Gottesdienst in Bünsdorf sein. Bis dahin finden die Gottesdienste im Gemeindehaus statt.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen