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wohin mit drk und gesangverein? : Ungewisse Zukunft der Alten Post

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Post kündigt den Mietvertrag mit der Gemeinde zum Februar 2016, der Auszug ist bereits für September geplant. Mit dem Auszug fallen wichtige Mieteinnahmen zur Begleichung der Betriebskosten weg.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 06:33 Uhr

Die Post zieht aus. Fristgerecht zu Ende Februar 2016 hat die Post den Mietvertrag für das Gebäude in der Dorfstraße 11 gekündigt. Noch werden die Briefe für Rieseby jeden Morgen dort angeliefert und die Pakete für den Postleitzahlenbereich 24354 sowie Waabs und Holzdorf in der Alten Post sortiert – aber bereits zum 1. September verlassen die acht Mitarbeiter die Räumlichkeiten. Nach Informationen unserer Zeitung werden sie in den Sortierungsstellen Süderbrarup und Kappeln eingesetzt. Der Umzug der Post bringt die Gemeinde in Zugzwang. Bislang können Vereine, wie DRK oder Gesangverein, die Räumlichkeiten im ersten Stock kostenlos nutzen, da die jährliche Mietzahlung in Höhe von 7600 Euro der Post für die Begleichung der Betriebskosten ausreicht. Fällt die Mieteinnahme weg, fehlt eine wichtige Einnahmequelle – angesichts der Finanzlage der Gemeinde ein echtes Pro-blem. Ob die Alte Post in der Form weiter als Treffpunkt vorgehalten werden kann, ist mehr als fraglich.

„Ich bedaure den Auszug der Post“, erklärt Bürgermeister Jens Kolls (SPD). Schließlich werde das Gebäude voll genutzt, so Kolls. Im Keller befinden sich Rollstühle und Rollatoren des DRK, das Gemeindearchiv, im Erdgeschoss die Bücherfundgrube, im Obergeschoss die DRK-Kleiderkammer und der Versammlungsraum, in dem sich Gesangverein, Siedlerbund, DRK und Parteien treffen. Die Gemeinde müsse sich mittelfristig eine Lösung überlegen, sollten die Vereine aufgrund fehlender Finanzen ausgelagert werden. Die Fraktionen seien jetzt gefordert, sagt Kolls.

Als „ausgesprochen bedauerlich“ beurteilt Heino Stüve, SPD-Fraktionsvorsitzender, die Entwicklung. „Im schlimmsten Fall heißt es für uns, das Haus zu verkaufen, wenn es nicht gelingt, ein ädaquates Angebot zu erhalten“, so Stüve. Sollte ein Verkauf nötig sein, könnte die alte Sporthalle für die Vereine eine mögliche Alternative darstellen. Zwar seien Umbauarbeiten, wie Einbau von Küche und WC, noch erforderlich, aber dort könne er sich ein Familienzentrum vorstellen, vom dem bereits häufiger in der Gemeinde gesprochen worden sei.

„Wir müssen in den Fraktionen jetzt entscheiden und über eine langfristige Lösung nachdenken“, erklärt Hartmut Schmidt, CDU-Fraktionsvorsitzender. Er könne sich einen Verkauf vorstellen – zumal ein barrierefreier Zugang zum Obergeschoss fehle, so Schmidt. Als einen neuen Versammlungsort für Vereine und Verbände denke er an die Schule. „Wir haben eine sehr große Schule. Sie wurde einmal für 350 Kinder gebaut, heute werden dort 100 unterrichtet“, sagt Schmidt. Infrage komme auch die alte Turnhalle. „Geld, etwas Neues zu bauen, haben wir auf alle Fälle nicht“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Man müsse in alle Richtungen denken.

Nach Meinung der Wählergemeinschaft eignet sich die obere Wohnung in der Alten Post sehr gut als Unterkunft für Flüchtlinge. „Wir von der WGR sind gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in einer Sammelunterkunft“, erklärt Frank Dreves, WGR-Fraktionsvorsitzender. Die Zahl der Asylanten steige, so dass auch Rieseby sich ernsthaft mit dem Problem der Unterbringung auseinandersetzen müsse.

„Eine Wohnung mit nur acht Flüchtlingen garantiert eine viel bessere Integration der Neubürger“, bekräftigt Dreves. Die unteren Räume der Alten Post könnten gewinnbringend an eine Arzt- oder Massageparaxis vermietet werden, so Dreves. Als neuen Treffpunkt für Vereine oder Verbände könne er sich die Schule vorstellen, in der es viele leer stehende oder nur wenig benutzte Räume gebe. Bereits im Leitbildprozess Rieseby 2025 sei festgestellt worden, dass „es in der Gemeinde viel Platz gibt, der wesentlich effektiver genutzt werden kann“, verweist Dreves auf die Studie.

Die Fraktionsvorsitzende des SSW/Grüne, Ilka Ruiz, wollte im Hinblick auf eine noch ausstehende Fraktionssitzung gegenüber unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben.

1973 zog die Post in das zwei Jahre zuvor errichtete Gebäude. Von 1967 bis 1991 war Gerhard Nabert Postdienststellenleiter in Rieseby, zwölf Jahre hat er in der Wohnung im ersten Stock gewohnt.

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