Opern-Star : Unbestrittene Sangeskunst

Stargast in Gettorf:  René Kollo (Mitte) mit Organist Nigel Hurley (l.) und  Pastor Frank Boysen.
Stargast in Gettorf: René Kollo (Mitte) mit Organist Nigel Hurley (l.) und Pastor Frank Boysen.

René Kollo gastiert auf Abschiedstournee in Gettorf / St.-Jürgen-Kirche ausverkauft / Begeisterte Stimmen aus dem Publikum

shz.de von
17. Juni 2014, 06:00 Uhr

Ein Weltstar zu Gast in Gettorf: Um sich nach seiner langen sängerischen Karriere von seinem Publikum im In- und Ausland zu verabschieden, machte René Kollo am Sonntag auch in Gettorf Halt. Die rund 300 Karten waren im Nu ausverkauft.

René Kollo betrat im schwarzen Anzug mit rotem Einstecktuch den lila beleuchteten Altarraum, oben von der Orgelempore winkte der Waliser Konzertorganist und -pianist Nigel Hurley. „Es ist uns eine große Freude und ganz besondere Ehre, dass Sie nach Gettorf gekommen sind“, begrüßte sie Pastor Frank Boysen. „Alles, was ich jetzt sage, wäre zu viel. Lassen Sie uns lieber das hören, auf was wir uns alle freuen.“

Und da war er, der angekündigte bewegende Abend mit schönen Melodien aus der Operette, geistlichen Liedern und Volksliedern, dekoriert mit launigen Anekdoten aus der glanzvollen Laufbahn des René Kollo. 1937 in Berlin als Spross einer Berliner Musikerdynastie geboren, wurde er insbesondere durch seine Partien in den Wagner-Opern bekannt, sang Hauptrollen in Opern von Mozart, Verdi, Puccini und Janácek und gastierte an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt. Obwohl er als Wagner-Tenor zum Weltstar wurde, blieb René Kollo der durch Großvater Walter und Vater Willi vorgezeichneten Tradition treu, sein Herz auch für die leichte Muse, die Operette, das Volkslied und den Schlager, zu öffnen. Nigel Hurley wusste nicht nur einfühlsam an der Orgel zu begleiten, sondern setzte auch selbst Akzente mit dem als Eurovisions-Lied bekannten Hauptthema aus dem Präludium des Te Deum vom Marc-Antoine Charpentier, „Nun danket alle Gott“ von Sigfrid Karg-Ehlert, einem Präludium von Bach und einer Toccata von Léon Boëllmann.

Das Mikro brauchte René Kollo nur für die Moderation. Zum Singen trat er immer ein, zwei Schritte zurück. Er sang wohl dosiert und ohne Eile. Mit dem italienischen „Caro mio ben“ von Giuseppe Giordani, Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ und dem von César Franck vertonten „Panis angelicus“ verlieh er seinem Konzert Würde und Feierlichkeit. Dazu die Lieder „Auf der Heide blüh‘n die letzten Rosen“ von Robert Stolz oder „Es muss ein Wunderbares sein“ von Franz Liszt, die man kaum noch hört. Und nicht zuletzt „Es war in Schöneberg im Monat Mai“ von seinem Großvater und „Heimatland der Lieder“ von ihm selbst. Nur allzu gern hätte man auch noch die eine oder andere Opernarie gehört.

Obwohl seine Karriere seit 20 Jahren zu Ende ist, ist und bleibt René Kollo einer der wenigen Sänger des großen Fachs, der seine Stimme bis ins hohe Alter behalten hat. Was auf eine fundierte Technik schließt, auch wenn sich Manierismen eingeschlichen haben. Selbst mit 77 imponiert er mit Durchhaltevermögen, Stimmreserven und seinem immer noch strahlenden und vollen, unangestrengten, kultivierten Tenor.

Das Publikum stand auf zum Applaudieren. Und René Kollo nahm sich noch Zeit, CDs, Bücher und Autogrammkarten zu signieren. „Es war eine wunderbare Auswahl von Liedern, auch romantischen, die man alle kennt“, meinte Constanze Harms aus Warleberg. „Es hat mir großen Spaß gemacht. Seine Sangeskunst ist unbestritten. Das ist fabelhaft.“ Auch Lutz Markward aus Kiel, früher Organist in Krusendorf, schwärmte: „Ich habe mich das ganze Konzert sehr über seinen warmen Stimmklang und die makellose Intonation gefreut. Ich habe seine Stimme immer schon gemocht. Ein herrlich offener Tenor.“

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