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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 03:48 Uhr

Feriencamp : Unbeschwerte Tage auf Hof Bullerby

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Verein Nordwärts ermöglicht Feriencamp für Flüchtlingskinder und ihre deutschen Freunde.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 06:01 Uhr

Borgwedel | Die Kinderbuchautoren Astrid Lindgren („Wir Kinder aus Büllerbü“) und Enid Blyton („Fünf Freunde“) hätten es nicht schöner aufschreiben können. Zwar sind die Erfinder dieses realen Kindermärchens nur zu viert, dafür spielt das Ganze wirklich auf „Hof Bullerby“, dem Hof von Psychologin und Traumapädagogin Annine von Gerlach (33) in Borgwedel. Von Donnerstag bis gestern verbrachten dort 19 Kinder zwischen fünf und 14 Jahren, davon die große Mehrheit Flüchtlingskinder, unbeschwerte Tage. Es werden Drachen und Traumfänger gebastelt. Eine Schnitzeljagd, Laternelaufen und ein Filmabend stehen auf dem Programm. Natürlich auch eine Kinderdisco.

„Es geht einfach nur ums Spielen, nicht um Flucht. Das soll hier nicht das Thema sein“, sagt Catharina Haunost (31) vom Verein Nordwärts, der das Feriencamp für Flüchtlingskinder aus der Region, aber auch für deren deutsche Freunde, organisiert hat. Dabei war Flucht gerade das Thema, das Haunost, von Gerlach und ihre beiden Freunde Katrine Manecke (30) und Markus Müller (29) im Sommer vor einem Jahr nicht losließ. Die Medienberichte über sinkende Flüchtlingsboote und im Mittelmeer ertrinkende Menschen wurden immer mehr.

Die vier Freunde wollten etwas tun – und sie fingen einfach direkt vor ihrer Haustür im Kleinen damit an. Im Hinterhof von Katrine Manecke in Kiel veranstalteten sie ein Fest für Freunde und Familie, schenkten Punsch aus und verteilten Kuchen. Im Gegenzug baten sie um Spenden – mit für sie selbst überwältigendem Erfolg. Auf Anhieb kamen bei der ersten Aktion mehr als 500 Euro für die Umsetzung des Feriencamps zusammen. „Wir sind vor Freude ausgerastet“, sagt Haunost. Weitere Veranstaltungen ähnlicher Art folgten und auch größere Sponsoren wurden ins Boot geholt. Die Freunde fanden weitere Mitstreiter, gründeten den Verein „Nordwärts“ und nahmen über die Stadtverwaltungen Eckernförde und Schleswig und die jeweiligen Lotsenkreise rund um Borgwedel Kontakt zu den Familien und deren Kindern auf, denen sie ein paar unbeschwerte Tage auf Hof Bullerby ermöglichen wollten.

„Das ist eine sagenhaft schöne Sache“, sagt Lotsin Andrea Engel. Towhid (8), Najwa (10) und Ramin (9), drei Kinder aus von ihr betreuten afghanischen Familien in Dannewerk, nehmen an der Ferienfreizeit teil. Und sie haben ihre deutschen Freunde, wie es von den Veranstaltern ausdrücklich erwünscht war, mitgebracht: Peter (11), Petra Engels Sohn, und Lee Ann (10), Najwas Klassenkameradin in der Bugenhagenschule. Die beiden Freundinnen verstehen sich blind. Aber auch für die anderen Kinder und Betreuer spielt die Sprachbarriere kaum eine Rolle. Als Türöffner fungieren neben Spiel und Spaß die Pferde, Esel, Schweine, Schafe und vielen anderen Tiere, die auf Hof Bullerby zu Hause sind. Annine von Gerlach arbeitet seit Jahren tiergestützt mit Kindern. „Dank ihnen ist nicht viel verbale Kommunikation vonnöten“, sagt die Psychologin. Das Eis war schnell gebrochen, bestätigt auch Lotse Peter Pilarczyk, der mit den syrischen Schwestern Maram (7) und Rwan (12), die jetzt in Schleswig wohnen, und ihrer Mutter zum Kennenlerntreffen auf den Hof kam. „Ich habe die beiden Mädchen gefragt, ob sie irgendjemanden kennen. Sie haben den Kopf geschüttelt und kurz danach sind sie mit den anderen losgedüst – weg waren sie.“

Drei Nächte verbrachten die Kinder in dem nur ein paar Schritte vom Hof entfernten Tagungshaus Winterrade, einem ausgebauten alten Bauernhaus. Gestern haben die Eltern ihre Kleinen wieder in die Arme geschlossen. Und die Kinder nahmen bei einem gemeinsamen Brunch Abschied von Hof Bullerby, den Tieren, den Betreuern und diesen märchenhaften vier Tagen. Aber nicht für lange. Die Organisatoren haben bereits ein Wiedersehen ins Auge gefasst. Sie wollen ihr Engagement für die Flüchtlingskinder fortsetzen.

> Weitere Infos per E-Mail an nordwaertskiel@gmail.com

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