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Ehrung für Jens Ruge : Unbequem und leidenschaftlich

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Jens Ruge wirkte über 40 Jahre in der Kommunalpolitik. Liberale würdigen seine Leistung mit dem Uwe-Ronneburger-Preis.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 07:31 Uhr

Altenholz | Als leidenschaftlichen und unbequemen Kommunalpolitiker bezeichnete sich Jens Ruge in dem Brief, in dem er die Plöner Bürger um ihre Stimme bei der Kommunalwahl am 26. April 1970 bat - seiner ersten Kandidatur um ein politisches Ehrenamt. Er wurde gewählt und trat seither bei jeder Wahl wieder an, insgesamt zehn Mal. Mit Ende dieser Legislaturperiode jedoch zieht sich der 74-Jährige aus der Kommunalpolitik zurück. In Anerkennung seines Engagements hat ihm die FDP als erstem den Uwe-Ronneburger-Preis verliehen.

Es war noch in Studententagen, dass Ruge auf sich aufmerksam machte. Über einen Freund kam er zum Liberalen Studentenbund und wurde prompt zum Landesvorsitzenden gewählt. "Damit fing das Elend an", sagt der Altenholzer und lacht. In der Funktion wurde er auserkoren, den Unmut seiner Mitstreiter über ein Interview des damaligen FDP-Landesvorsitzenden Otto Eisenmann in einem "Rechtsaußen-Blatt" zu kommunizieren. Dafür erntete er Schulterklopfen, aber auch Unverständnis bei den Liberalen im Land. Ruge vermutet, dass es diesem Auftritt zu verdanken ist, dass sein erster Aufnahmeantrag bei der FDP spurlos verschwand und erst der zweite 1964 sein Ziel erreichte. Er wurde an die Spitze der Jungdemokraten gewählt und zögerte nicht, als 1970 in seinem damaligen Heimatort Plön Kandidaten für die Kommunalwahl gesucht wurden. "So war ich drin im kommunalpolitischen Geschäft", stellt er rückblickend fest.

Seine berufliche Karriere begann er als Verwaltungsjurist des Landes zunächst in Kiel. Als er versetzt wurde in die Kreisverwaltung nach Rendsburg zog er nach Büdelsdorf und kandidierte 1974 erstmals für den Kreistag - mit Erfolg. Ein Jahr später zog er mit der FDP in den Landtag ein. Vom Dienst freigestellt war er in all den Jahren zuständig für das Justiz-, Innen- und später das Wirtschaftsministerium. Als er 1984 seinen Wohnort nach Altenholz verlegte, dachte er nicht an ein Engagement in der Gemeindevertretung. Doch als die Hauptsatzung überarbeitet werden sollte, war sein Wissen gefragt, und er wurde auch auf Ortsebene aktiv. Nachdem er im Kreistag die Weichen für die Gründung der Wirtschaftsförderung und der Abfallwirtschaftsgesellschaft gestellt und die Gründung der Krankenhaus gGmbH maßgeblich mit vorbereitet hatte, dauerte es nicht lange, bis er auch in seinem Wohnort Zeichen setzen würde. 1990 wurde auf sein Bestreben hin die Einwohnerversammlung eine Woche vor jeder Gemeindevertretung eingeführt. Ruge: "Besser als alles, was entschieden werden soll, vorher mit den Bürgern zu besprechen, kann man sie nicht beteiligen und Selbstverwaltung wie Verwaltung kontrollieren." Seither habe es keine einzige Klage gegen Bauvorhaben in der Gemeinde gegeben, betont er.

Der direkte Umgang mit den Menschen war stets Ruges Antrieb. Das Wahlplakat bei seiner ersten Kandidatur habe den Slogan "Der Mensch im Mittelpunkt" getragen. Das gelte für ihn bis heute. "Der Mensch ist der oberste Bezugspunkt liberaler Politik", erklärt er. Und weil bei ihm auch privat die Menschen in seinem Umfeld an oberster Stelle stehen, kam eine Kandidatur für den Bundestag nie in Frage. "Mir kam es darauf an, dass ich in Schleswig-Holstein bei meiner Familie bleibe", so Ruge.

Aus dem Kreistag hat er sich schon vor fünf Jahren verabschiedet, zur Kommunalwahl am 26. Mai tritt er nicht wieder an. Als Bürger werde er weiter verfolgen, was im Ratssaal passiert, kündigt Ruge an, der ein besonderes Augenmerk auf die Beibehaltung der regelmäßigen Einwohnerversammlungen legen wird. Doch in erster Linie freut er sich auf die Reisen, die er mit seiner Frau geplant hat: Im Juni geht es nach Jordanien, im September nach Kroatien.

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