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Ökologische Stadtentwicklung : Umwelterhebung 1985: Eine Stadt legt den Schalter um

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rückblick auf die Anfänge der ökologischen Stadtentwicklung Mitte der 1980er-Jahre: m Umweltausschuss hat Michael Packschies an die Weichenstellung erinnert. Politik und Verwaltung haben den Norden der Stadt vor einer Zersiedelung bewahrt.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 06:10 Uhr

Das trotz gewisser Einschränkungen vielgelobte Stadtbild Eckernfördes hätte ein ganz anderes Gesicht, wenn Politik und Verwaltung Mitte der 1980er Jahre die ursprünglichen Pläne umgesetzt und nicht entschieden gegengesteuert hätten. So ist es der Einsicht und Weitsicht der damaligen Kommunalpolitiker und der Entschlusskraft der Stadtverwaltung um den früheren Bürgermeister Kurt Schulz zu verdanken, dass Eckernfördes ökologisch wertvoller Norden weitgehend unbebaut geblieben ist und stattdessen auf eingemeindetem Ackerland im Süden unter anderem das neue große Wohngebiet Domsland entstehen konnte. Verkörpert wird die konsequent ausgerichtete ökologische Stadtentwicklung in Person von Michael Packschies. Er hat seinerzeit als junger Geograf die von der Stadt beauftragte Landschaftskartierung vorgenommen und wechselte anschließend in den Dienst der Stadtverwaltung. Jetzt leitet Packschies die Abteilung Naturschutz und Landschaftpflege und ist Garant für die Pflege und Weiterentwicklung der ökologischen Stadtplanung, die es in dieser Form in keiner anderen Stadt des Landes gibt. Am Dienstagabend gab er dem neu zusammengesetzten Umweltausschuss einen Überblick über knapp 30 Jahre ökologische Stadtentwicklung, die selbst international wie zum Beispiel im fernen Japan zum Teil große Beachtung findet.

Ursprünglich sollte Eckernförde gen Norden wachsen, berichtete Packschies. Große, flächendeckende Wohngebiet waren bis heran zur sogenannten Bundeswehrstraße geplant. Diese Planungen hätten große Proteste hervorgerufen und zur Bildung von Bürgerinitiativen geführt. Auch in der Ratsversammlung sei „heiß diskutiert“ worden, sagte Packschies. Folge: Es wurde eine Umwelterhebung in Auftrag gegeben – Packschies Einstieg. Er skizzierte die vorhandenen Grünachsen, Knick-, Graben- und Bachnetze und kam zu dem Ergebnis, dass der Norden Eckernfördes ökologisch hochwertig sei und keinesfalls flächendeckend bebaut werden sollte. Eine Lösung, die Politik und Verwaltung überzeugte – man veränderte die Stellschrauben, renaturierte den Norden, legte den Lachsenbach weitgehend frei und entwickelte den Südwesten zum neuen Siedlungsschwerpunkt. Zu diesem Zweck mussten große Ackerflächen auf Goosefelder und Windebyer Gebiet eingemeindet werden. „Eckernförde hat 95 Prozent der Planung umgesetzt“, erläuterte Packschies. Auch die neuen großen Baugebiete wie das Domsland wurde unter seiner Federführung mit einem Öko-Netz aus Grünflächen, Knicks und Feuchtgebieten überzogen – Resultat: Im Einzugsbereich haben sich auf früherem Ackerboden wertvolle Naherholungsgebiete und Biotope entwickelt.

Sein Meisterstück lieferte Packschies mit der Schaffung des Oberen Eimersees ab: Am Nikolaustag 1990 stopfte er einfach einen Mörteleimer in den verrohrten Ostarm des Lachsenbachs wie einen Proppen in eine Badewanne – die Geburtsstunde des Eimersees. Das Ergebnis dieser ebenso einfachen wie überzeugenden Lösung ist ein wunderbarer Naturraum mit großer Tier- und Pflanzenvielfalt und ein attraktives Naherholungsgebiet für die Bewohner.

Im September 2014 wird auch das benachbarten Maisfeld in den Besitz der Stadt übergehen – dort soll ebenfalls renaturiert werden und ein Paten- oder Hochzeitswald entstehen. Das diese Maßnahme auch dem Grund- und Trinkwasserschutz dient, wird der Flächenankauf mit 85 Prozent gefördert.

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