Um Kinderstation wird noch gerungen

Jörg  Hollmann
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Jörg Hollmann

CDU für pädiatrischen Konsildienst, SPD für Stationsbetrieb / Hauptausschuss des Kreises: Geburtsstation soll Hauptabteilung mit Chefarztstelle werden

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05. August 2017, 06:33 Uhr

Der Hauptausschuss des Kreises hat sich am Donnerstag in einer dreistündigen, nicht-öffentlichen Sitzung mit den künftigen Strukturen der geburtshilflichen Abteilung sowie der Kinderstation der Imland-Klinik Eckernförde befasst. Zuvor hatten sich die Ausschussmitglieder knapp eine Stunde mit den Positionen des Vereins Geburt e.V. befasst, die deren gesundheitspolitische Sprecherin, Alexandra Bruns, nochmals ausführlich dargelegt hatte (siehe auch Bericht unten). Man sei sich fraktionsübergreifend darin einig, die Geburtshilfe in Eckernförde zu erhalten, erklärte der Ausschussvorsitzende Jörg Hollmann (CDU) gestern gegenüber unserer Zeitung. Über die Versorgung von Neugeborenen und Kindern gebe es unterschiedliche Vorstellungen. Grundlage der Entscheidungsfindung ist das 230-seitige, vom Kreis in Auftrag gegebene „Gutachten zur Struktur der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der Abteilung für Pädiatrie der Imland Klinik Eckernförde“. Der Hauptausschuss wird in seiner Sitzung am Donnerstag, 24. August, eine Beschlussempfehlung für den Kreistag als Gesellschafterversammlung geben, der Kreistag wird dann am Montag, 4. September, eine Entscheidung treffen.


Pädiatrischer Konsildienst


Die CDU-Fraktion hat ein „Eckpunktepapier für den Erhalt der Geburtenstation in Eckernförde“ vorgelegt, das die weitere Versorgung gewährleisten soll, erklärten der Kreistagabgeordnete Jörg Hollmann und der gesundheitspolitische Sprecher, Thorsten Schulz. „Wir sichern die Geburtenstation, indem sie in Zukunft als Hauptabteilung geführt werden soll und die ärztliche Versorgung von Kindern durch einen pädiatrischen Konsildienst gewährleistet wird. Damit werden wir den Krankenhaus- und Gesundheitsstandort Eckernförde auf Dauer stärken.“ Die geburtshilfliche Hauptabteilung solle von zwei der ehemaligen Belegärzte als Chefärzte geführt werden. „Das wird die Akzeptanz und das Vertrauen in die Geburtenstation stärken. Weiter soll die Zusammenarbeit mit der Abteilung in Rendsburg ausgebaut werden. Die Versorgung durch Hebammen soll über neue Beleghebammenverträge gewährleistet und das bewährte Modell fortgeführt werden“, so Hollmann und Schulz. Nach Auskünften aus dem Sozialministerium sei es „unstrittig“, dass die Geburtenstation weiter als Level 4 - Klinik betrieben werde. Daher setze sich die CDU-Fraktion dafür ein, dass die Neugeborenenversorgung über einen pädiatrischen Konsildienst sichergestellt wird. „Das bedeutet, dass wie bisher die niedergelassenen Kinderärzte in Eckernförde eingebunden werden und dass es auch hier eine Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung in Rendsburg geben wird. Großen Wert legt die CDU darauf, dass der Rufdienst bereits in 20 Minuten beim Patienten verfügbar sein wird, statt, wie Level-4-Geburtenstation vorgegeben, nach 30 Minuten.

Eine stationäre Versorgung im Fachgebiet Kinder- und Jugendmedizin ist nach dem CDU-Modell in Eckernförde nicht mehr vorgesehen.

„Unter Abwägung der Versorgungssicherheit in der Region und den wirtschaftlichen Möglichkeiten der imland GmbH“ sei das von der CDU entworfene Modell „ein starkes Signal für die Daseinsvorsorge und für den Klinikstandort Eckernförde“. Damit solle auch verdeutlicht werden, „dass das Krankenhaus in Rendsburg und in Eckernförde gemeinsam die ’imland-Klinik’ ist.“ Aufgrund der vor zwei Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Struktur der imland GmbH werde jetzt ermöglicht, „dass ein zu erwartendes Defizit von circa 600  000 Euro im Jahr getragen werden kann“, so Schulz und Hollmann. Für den pädiatrischen Konsildienst kalkuliert die CDU ein Minus von weiteren 200  000 Euro pro Jahr ein, auch das sei „akzeptabel“.

Es sei eine „Selbstverständlichkeit“, dass die Anästhesie und die Notaufnahme rund um die Uhr besetzt bleiben.


Kinderstation ist machbar


Die SPD-Kreistagsfraktion favorisiert die Weiterführung der Geburtsstation als Hauptabteilung mit eigener Chefarztstelle und mit gemeinsamer Ressourcennutzung mit Rendsburg (das sogenannte modifizierte Dependance Modell). Das erklärte der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Kai Dolgner.
„Mit diesem Modell wäre es möglich, die bisherigen Belegärzte auch weiterhin in verantwortlicher Position einzubinden und den Betrieb rechtssicher zu vertretbaren Kosten fortzuführen.“

Im Gegensatz zur CDU hält die SPD-Fraktion „eine Kinderstation in Eckernförde als ’Niederlassung’ der Hauptabteilung in Rendsburg für machbar. Uns ist bewusst, dass eine Kinderstation in Eckernförde nicht profitabel betreibbar ist. Das sind andere Stationen an beiden Standorten auch nicht. Diese Problematik ist nicht neu und war auch schon beim Rettungsbeschluss 2013 und beim letzten Kreistagsbeschluss vom 27.03.2017 bekannt“, argumentiert Dolgner. In diesem Beschluss heißt es wörtlich: „Die Kooperation zwischen Geburtenstation und Kinderstation hat sich in der Vergangenheit als Erfolgsmodell erwiesen. Daher ist der Betrieb einer bedarfsgerechten Kinderstation weiterhin anzustreben.“ Dolgner weiter: „Für uns ist der Betrieb der Kinderstation vor allem eine strukturpolitische Entscheidung für den Gesamtraum Eckernförde und im Rahmen der Ausgleichs- und Ergänzungsfunktion des Kreises geboten, deshalb bekräftigen wir unseren Beschluss, dass der Kreis die Hälfte der entstehenden Zusatzkosten trägt.“


Kooperation mit Rendsburg


Auch die Kreistagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen hat sich positioniert. Über allem stehe der Erhalt der Imland-Klinik als kommunales Krankenhaus mit zwei Standorten in Rendsburg und Eckernförde. Wichtig sei die sichere Versorgung der Menschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Deshalb ist es sinnvoll, die Geburtenstation in Eckernförde in einer gemeinsamen Abteilung (alternatives Dependance-Modell) mit der Rendsburger Geburtenstation zu betreiben“, fasst Armin Rösener, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, die Stellungnahme der Fraktion zusammen. „Deshalb stehen wir dafür ein, die Notfallversorgung mit Anästhesie, Labor und Notfallambulanz sicherzustellen“, so Rösener.

Vor diesem Hintergrund werde alles getan, um den Standort Eckernförde attraktiv zu gestalten. Dazu gehöre, die pädiatrische Versorgung in Eckernförde auch in der Zukunft zu gewährleisten. „Das wird durch einen ärztlichen Konsildienst gewährleistet, der dem Standard einer Geburtsklinik der Versorgungsstufe IV entspricht, so wie er zurzeit für die Geburtenstation in Eckernförde gilt“, so Rösener. Die neue Landesregierung plane, Geburtenstationen und Kinderstationen finanziell zu unterstützen. Darauf bauen die Mitglieder der Fraktion der Grünen und setzen sich deshalb dafür ein, die Pädiatrie in Form eines Konsildienstes zu unterstützen. Gegebenenfalls müsse die Situation der Pädiatrie nach einer gewissen Zeit neu bewertet werden.

„Wir wollen, dass die Geburtenstation, die Pädiatrie und vor allem die gesamte Klinik erfolgreich arbeiten, deshalb erfolgt spätestens nach drei Jahren eine Überprüfung der Geburtshilfe und der Pädiatrie mit dem Ziel, das Konstrukt dauerhaft auf gesunde Füße zu stellen“, betont Gudrun Rempe, Mitglied des Hauptausschusses der Grünen Kreistagsfraktion.

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