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Eckernförder Zeitung

22. November 2017 | 10:35 Uhr

Museum : Ulrich Behl bringt Licht und Schatten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Kieler Künstler zeigt im Museum einen Querschnitt seines Schaffens aus fünf Jahrzehnten. Am Sonntag ist die Ausstellungseröffnung.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 06:27 Uhr

Ein wenig ärgert sich Dr. Dorothee Bieske. Nicht darüber, dass der Künstler Ulrich Behl im vergangenen Jahr den Kulturpreis der Stadt Kiel erhalten hat, nein, natürlich nicht. Die Leiterin des Museums Eckernförde ärgert sich, dass sie so lange gewartet hat, ihren alten Bekannten zu einer Ausstellung nach Eckernförde zu bitten. „Das hätte natürlich besser ausgesehen: Erst stellt er hier aus und dann gewinnt er den Preis“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Aber jetzt ist er ja da mit jeder Menge „Kram“, wie er selbst seine Arbeiten nennt.

40 Werke aus fünf Jahrzehnten künstlerischen Schaffens hängen schon in den beiden Ausstellungsräumen des Museums. Am Sonntag wird die neue Ausstellung unter dem Titel „Ulrich Behl – Je zwei vom Ganzen“ um 11.30 Uhr eröffnet. Die stellvertretende Bürgervorsteherin Anke Göttsch wird sprechen, ebenso Dorothee Bieske und der Kunsthistoriker Dr. Axel Feuß.

Je zwei Bilder einer jeden Werkgruppe, angefangen in den 60er-Jahren, zeigt der 77-Jährige, der laut Bieske „einer der bekanntesten und umtriebigsten Künstler in Schleswig-Holstein“ ist. „Seine Zeichnungen, Grafiken und Objekte spielen mit den Erscheinungen des Lichts, das er sowohl zwei- als auch dreidimensional zu fassen sucht“, erklärt sie. „Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß, hin und wieder auch starke Farben bestimmen die manchmal meditative Wirkung seiner Arbeiten.“

Und die ersten schuf er schon in seiner Zeit an der Pädagogischen Hochschule in Alfeld, wo er sich zunächst auf sein Talent als Karikaturist in der von ihm mitgegründeten Studienzeitschrift „dialog“ konzentrierte. Überhaupt war er ein Spaßvogel, war Mitglied einer „satirischen Fußballmannschaft“ mit dem Namen „The young bottleboys“ und eines „Trialogischen Kabaretts“.

Doch die Kunst gewann die Überhand, erst mit abstrakter Malerei und Materialbildern – wer Ulrich Behl kennt, ist überrascht von dieser Farbigkeit, hat er sich doch später lange Zeit auf schwarz-weiße Werke konzentriert. Der Gang durch die Ausstellung ist eine Zeitreise durch das künstlerische Schaffen Ulrich Behls: Ende der 60er-Jahre arbeitete er an Materialbildern, klebte unter anderem Streichhölzer auf Leinwände, er schmetterte einen in Grafit getauchten Tennisball gegen Papier und verband die jeweils aktuellen Lottozahlen auf einem Rastermuster miteinander – Zufall erzeugt Form. Lächelnd erinnert er sich an seinen Vater, der einst eine seiner Ausstellungen sah und zu einem Besucher sagte: „Und er war früher so begabt.“

Es geht weiter, vorbei an Ausstellungskästen mit Metallspäne, in der sich das Licht fängt, verliert und spiegelt. Je nach Standort des Betrachters verändert sich das Lichtspiel. Das gleiche Prinzip wendet Ulrich Behl wenige Meter weiter an, wenn er Holzobjekte mit transparentem Papier bespannt und der Besucher changierende Weiß- und Grautöne erkennt. Was vorher hell war, wird beim Vorbeigehen dunkel und anders herum, als stelle der Künstler dem Licht eine Falle. „Der Betrachter muss sich verändern“, sagt Behl, „dann hat er mehr vom Leben“.

Er setzt seine Zeichnungen und Objekte in Beziehung. „Bei meinen Zeichnungen mache ich dem Betrachter etwas vor, bei den Objekten dagegen bringe ich etwas zur Erscheinung, was vorher nicht da war.“ Gemeint sind unter anderem seine Wandobjekte, die mit leuchtenden Farben geheimnisvoll durch Plexiglas schimmern und je nach dem Abstand zum Glas diffus oder konkret erscheinen.

Nach 50 Jahren kommt er also wieder zur Farbe zurück, will sich künftig mit Musikinstrumenten beschäftigen, bei denen man „irgendwo reinguckt und sich wundert, wo man landet“. Ulrich Behl, einer der anerkanntesten Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst, ist noch lange nicht müde. Im Gegenteil: „Skulptural bin ich schwer interessiert.“

> „Ulrich Behl – Je zwei vom Ganzen“: Ausstellungseröffnung am 7. Mai, 11.30 Uh; Künstlergespräch am 2. Juli um 11.30 Uhr, Führungen durch die Ausstellung: 17., 21., 28. und 31. Mai sowie 11. und 21. Juni. Öffnungszeiten des Museums: Di - Fr 10-12.30 und 14.30-17 Uhr, Sa und So 11 -17 Uhr, Feiertag 14.30-17 Uhr

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