Übersetzer zwischen Mensch und Pferd

Der spanische Gruß: Ihr Friese 'Eldert' macht es Kirsten Bergemann gerne nach. Foto: Lauterbach
Der spanische Gruß: Ihr Friese "Eldert" macht es Kirsten Bergemann gerne nach. Foto: Lauterbach

Lindhöfterin hilft Reitern bei Problemen mit ihren Tieren und vermittelt ihnen Sicherheit

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13. April 2012, 06:06 Uhr

Lindhöft | Kirsten Bergemann weiß mit Pferden umzugehen. Auch mit schwierigen, die nicht zum Schmied, nicht auf den Hänger oder in die Waschbox gehen wollen. Dazu gibt es Besitzer, die unsicher sind, sogar Angst haben und nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. "Das kann sich hochschaukeln", weiß sie. "Im schlimmsten Fall sogar bis zu einem Unfall." Damit es nicht soweit kommt, möchte die 49-jährige, leidenschaftliche Reiterin, die vor zwei Jahren nach Lindhöft gezogen ist und auch Reitunterricht gibt, helfen.

Sie mag sich weder Pferdetrainerin, Pferdekommunikationstrainerin noch Pferdeflüsterin nennen. "Dafür gibt es keinen richtigen Begriff", sagt sie. "Es ist einfach meine Passion, Pferde und Menschen zueinander zu bringen. Ich möchte, dass die, die einen Weg suchen und dafür offen sind, ihn mit mir finden." Ihr Bestreben dabei ist, eine lockere, entspannte und sichere Atmosphäre zwischen Mensch und Pferd zu schaffen. Gerade hat sie den Fall erlebt, dass ein junges Mädchen sich ein Pferd gekauft hat, nun aber Angst hat, das Tier von der Wiese zu holen. Das Pferd war total verspannt, ängstlich und äußerte seinen Unmut, der von dem Mädchen als aggressiv gedeutet wurde. Als erstes versuchte sie, das Pferd wieder zu erden. Sie beanspruchte Platz in seiner Nähe und es gelang ihr mit Geduld, dass es ihr folgt. "Wenn ein Pferd sich umdreht und hinterherkommt, dann fängt die Kommunikation an", erklärt Kirsten Bergemann. Dann konnte sie mit ihm arbeiten, ihm durch Körpersprache Ruhe und Gelassenheit beibringen und die junge Besitzerin anleiten. "Ich bin sozusagen Übersetzerin zwischen Pferd und Mensch", sagt sie. "Es kann aber auch schon mal ein paar Wochen dauern, bis man das Vertrauen eines Pferdes gewinnt."

Ihr besonderes Gespür für Pferde kommt nicht von ungefähr. Kirsten Bergemann ist auf einem einsamen Bauernhof in Hüllerup bei Tarp aufgewachsen. Mangels Spielkameraden spielte sie mit Katzen, Hunden und Kühen, lernte, ihr Verhalten einzuschätzen und sie zu achten. "Für mich waren die Tiere immer gleichwertig mit Menschen", sagt Bergemann. Mit zehn Jahren fing sie an zu reiten. Schon damals beweis sie viel Geduld, wenn sie ein Pony einfangen wollte. Während andere sich dem Pony mit dem Halfter hinter dem Rücken anschlichen oder versuchten, es mit Longen zu umkreisen, ging sie einfach hinter dem Pony her, bis es sich zu ihr umdrehte. Geduld hatte die Lindhöfterin auch mit ihrem heute 19 Jahre alten Friesen "Eldert", den sie bekam, als er drei Jahre alt war. "Der war total vermurkst", erzählt sie. Es brauchte vier Leute, damit er die Beugeprobe machte, also sein Bein für eine Untersuchung anwinkeln ließ. Und er litt unter Sattelzwang, hatte also ein angespanntes Verhalten zum Sattel und dem Festziehen des Bauchgurtes. Für sie ist er zum gleichwertigen Partner geworden. Sie ist Shows mit ihm geritten und die Ostsee-Quadrille. "Konsequente Dominanz im Umgang mit dem Pferd ist schon wichtig, das Pferd braucht Führung", sagt Kirsten Bergemann. "Aber man muss dem Pferd den gleichen Respekt entgegen bringen, den man selbst erwartet."

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