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Stromfischen : Überraschungsfänge in der Kinderstube der Meerforelle

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Geomar Kiel hat die Kriesebyau mit Strom befischt, um den Bestand von Meerforellen zu erfassen. Die Au war das 27. Gewässer in Schleswig-Holstein, das in diesem Jahr für eine Studie zur Entwicklung des Meerforellenbestands erfasst wurde.

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erstellt am 26.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Drei Bachforellen bis 46 Zentimeter, vier Karpfen bis 35 Zentimeter, rund zwölf Bach- oder Meerforellen von acht bis 20 Zentimeter Länge, dazu Flussbarsche und zwei Schleien – „unglaublich, soviel Fische hätte ich hier nie erwartet“, sagt ein begeisterter Rudolf von Spreckelsen, Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbands Bornbek-Bienebek, und blickt auf die Kriesebyau oberhalb der Staustufe im Bereich der Ortslage Kriesebyau. Der Fang ist die Ausbeute einer Elektrobefischung durch Geomar, das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, auf 100 Meter Länge.

Das Schwansener Gewässer setzt in diesem Jahr den Schlusspunkt unter die Erfassung von insgesamt 27 Gewässern in Schleswig-Holstein mit Zufluss zur Ostsee, die Geomar ausgewählt hatte. Ziel der Messung ist die Erfassung des Bestandes an vor Ort natürlich gelaichten jungen Meerforellen im so genannten Parr-Stadium (vier bis zehn Zentimeter), die in diesem Jahr geboren wurden. Über ihren Bestand sind Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen möglich, und es ist eine Bestandsentwicklung abzuschätzen, erklärt Geomar-Projektleiter Dr. Christoph Petereit.

Vergleichbare Studien gab es in Deutschland bislang nicht, während besonders die skandinavischen Länder hier schon sehr viel länger forschen. Erstmals beteiligten sich in diesem Jahr auch deutsche Vertreter an internationalen Tagungen und Forschungen. Finanziert wurde das schleswig-holsteinische Projekt in diesem Jahr durch Mittel aus der Fischereiabgabe und EU-Mittel aus dem Fischereifonds sowie in Kofinanzierung durch das Helmholtz-Zentrum.

An insgesamt vier Standorten ging das vierköpfige Team um Petereit gestern mit der batteriebetriebenen Elektrofangausrüstung in die Au. Je Abschnitt wurde neben dem Fang auch der Zustand des Gewässers erfasst, immer mit Blick auf die optimalen Lebensbedingungen für die bis zu einjährigen Jungforellen. Anhand einer Bewertungsskala wurde der oben benannte Abschnitt mit neun von zehn möglichen Punkten als recht gut eingestuft. Bewertet werden der Zustand der Gewässersohle, die Fließgeschwindigkeit, die Beschattung des Gewässers als auch die Struktur und die Tiefe, die alle Einfluss auf die optimalen Lebensbedingungen der Fische haben, so Petereit.

Schaden nehmen die Fische durch die Spannung von rund 130 Volt keinen, erklärt Albrecht Hahn vom Landesverband der Binnenfischer und Teichwirte, der wie Petereit über eine spezielle Ausbildung und Lizenz für die Elektrobefischung verfügt. Auf Knopfdruck wird der Strom in den Kescher zur Kathode geleitet und fließt über das Wasser zur Anode, einen Kupferdraht, der stromabwärts mitgezogen wird. Der leichte Strom bewirkt bei den Fischen eine Lenkung zur Kathode, nur in den wenigsten Fällen werden die Fische betäubt. Die Reichweite beträgt rund 60 Zentimeter. Besonders Forellen würden magisch angezogen von dem Stromfeld, erklärt Petereit. Anders Karpfen, die schon auf mehrere Meter den Strom spüren und flüchten. Die Herkunft der Karpfen und Schleien in dem für sie untypischen Gewässer erklärte Fischwirt Sascha Nickel durch mögliche Überschwemmungsereignisse von Teichen mit Besatz.

Mit dem Ergebnis waren die Fachleute zufrieden. Zugleich machten Petereit und Hahn aber deutlich, dass es sich nur um eine Momentaufnahme handelt. Dringend notwendig sei eine Beobachtung über mehrere Jahre, um Veränderungen festzustellen und Managementeingriffe anzudenken.

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