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Jahreshauptversammlung : "Übernehmen Sie die Kosten, ich halte den Kopf hin"

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Eckernförder Tierschützer nehmen ihre Aufgabe sehr ernst / Mutiger Einsatz für geschundene Tiere

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 06:59 Uhr

Eckernförde | In Dänischenhagen sind Hähne zusammen in einer Box eingesperrt, kommen Pferde aus abgesperrten Ställen nicht mehr ans Tageslicht; in Prinzenmoor stehen abgemagerte Pferde, teilweise mit Fohlen bei Fuß, auf einer kahlen Weide. In einem Wald bei Eckernförde werden viel zu junge Kätzchen, die noch von ihrer Mutter gesäugt werden müssten, in Kartons abgestellt. Die Grausamkeit um zwei erschlagene Hunde empört die Bevölkerung, nachdem die Fakten bekannt werden, ein verwahrlostes Kleinkind teilt unter schlimmen hygienischen Bedingungen die Wohnung mit einem Hund. Was da auf der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins für Eckernförde und Umgebung von Alf Marten oder Ulrike Anders berichtet wurde, schnürt die Kehle und macht das Herz schwer, aber auch mehr als deutlich, mit wie viel Mut, Einsatz und Liebe zum Tier sich die ehrenamtlichen Mitglieder engagieren. Ulrike Anders machte sich auf Spurensuche, kombinierte und ermittelte wie eine norddeutsche Miss Marple, sie fand den zweiten erschlagenen Hund und konnte damit wichtige Beweise liefern. Sie sorgte dafür, einen schwer leidenden Hund einzuschläfern, dessen Besitzerin sich in der Psychiatrie befand. Als offizielle Stellen Skrupel hatten, das Tier über den Kopf der Besitzerin hinweg zu erlösen, stellte sie klar: "Übernehmen Sie die Kosten, ich halte den Kopf hin."

Dass Tierschutz viel mehr ist, als Pflegestellen für Hamster, Maus und Kaninchen zu suchen, das rückte die Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend gnadenlos ins Bewusstsein. Da werden tausende von Kilometern im Privatwagen gefahren, um verwilderte, zuvor kastrierte Katzen zu füttern, da wird Stunde um Stunde im Auto gewartet, ob der nächste Kandidat in die Fangbox tappt. Es werden Tierhaltungen überprüft, Gespräche mit Besitzern geführt, Kontrollbesuche anberaumt, da wird auch mal die Familienfürsorge verständigt (wie im Fall des nackten Kleinkindes, dessen Windelinhalt der Hund im ganzen Haus verteilte). Einblicke in menschliche Schicksale aber eben auch Hilfestellungen bei wirtschaftlicher Not bleiben nicht aus: "Immer greift das Eine in das Andere...", weiß Anders.

Leider hat der umtriebige und unentbehrliche Verein mit Mitgliederschwund und sinkenden Einnahmen zu kämpfen. "Es sind treue Spender gestorben und Mitglieder ausgetreten, 2012 haben wir 900 Euro weniger an Privatspenden bekommen", gibt Kassenwartin Birgit Grensemann zu bedenken. Seien da nicht noch Erbschaften gewesen, die man natürlich nicht zu den normalen Einnahmen zählen könne, "...wären wir jetzt pleite".

Unvorstellbar für die Tierschützer, die seit Jahrzehnten helfen, aufklären und Tierleid mindern oder verhindern konnten. Edda Klatt wollte ihr Amt als Vorsitzende eigentlich zur Verfügung stellen, blieb aber mangels anderer Bewerber im Amt, zur neuen Kassenwartin wurde Gabriele Petersen gewählt. "Ich kann das doch nicht einfach alles sein lassen", sagte Klatt, die seit 1980 gemeinsam mit ihrem Mann die ersten Katzen einfing.

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