Top Regional: Ascheffel : Über Umwege auf den Aschberg

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Das Bismarck-Denkmal ist nach wie vor ein beliebter Anziehungspunkt für Urlauber und Einheimische

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19. April 2018, 06:03 Uhr

Nein, einfach nur flach ist Schleswig-Holstein wirklich nicht. Wer sich von der Einzigartigkeit der Landschaft überzeugen möchte, der begibt sich auf den 98 Meter hohen Aschberg. Wer noch gut 20 Meter höher will, der besteigt den Aussichtsturm der Globetrotter Lodge und schaut über die durch Knicks gegliederte Landschaft der Hüttener Berge – fast wie im Voralpenland – und das mitten in Schleswig-Holstein.

Einer Legende nach soll der Teufel sich auf einem seiner Streifzüge durch die Hüttener Dörfer seinen Bauch mit Mehlbeuteln und Speck so voll geschlagen haben, dass ihm schlecht wurde und er die Mehlbeutel ausspucken musste. Die Mehlbeutel verwandelten sich in Steine, woraus schließlich die markante Hügellandschaft entstand. Viel wahrscheinlich ist aber, dass während der letzten Eiszeit Gletscherzungen das abgetragene Gesteinsmaterial zu hohen Hügelketten auftürmten. Die Hüttener Berge sind als so genannte Stauchmoränen entstanden. Die Spuren der Eiszeit, die die aus Skandinavien vordringenden Gletscher hinterlassen haben, sind überall zu sehen.

Diese herrliche Aussicht hat auch der wahrscheinlich bedeutendste deutsche Staatsmann des 19. Jahrhunderts, auch wenn sein Blick sehr streng wirkt. Nicht leibhaftig, aber immerhin in Bronze gegossen steht der „Eiserne Kanzler“ auf dem Aschberg. Der Berliner Professor Adolf Brütt schuf das Standbild zwischen 1899 und 1901 aus durchschnittlich zwei Millimeter starkem Kupferblech. Gut eineinhalb Tonnen ist der Koloss schwer.

Sieben Meter hoch ragt die Bismarck-Statue dort in den Himmel, direkt neben der Globetrotter-Lodge – Moderne und Tradition einträchtig beisammen. Aber dort hat die Statue nicht immer gestanden, ihre Geschichte gleicht einer Odyssee. Ursprünglich befand sich die monumentale Statue nämlich auf dem Knivsberg in der Nähe von Apenrade. Dort wurde dem Reichskanzler zu Ehren 1901 ein Turm eingeweiht, in dessen Nische die Statue stand. 1920, als dieses Gebiet Dänemark zugesprochen wurde, wurde die Statue abgebaut und per Bahn nach Rendsburg transportiert. Dort lag sie in der Nordmarkhalle. Um die Figur mit der Eisenbahn zu transportieren und in der Halle unterbringen zu können, musste allerdings vorher der Kopf abgetrennt werden. In der Nordmarkhalle überstand sie ohne größere Schäden sogar ein Feuer. Allerdings war der Kopf des Kanzlers rot angelaufen.

1922 verfrachtete man Bismarck dann nach Ascheffel, um ihn auf dem Aschberg, der dem Knivsberg glich, aufzustellen. Doch zunächst lagerte die Statue in der Scheune des Bauern Peter Gosch, wo sie von vielen Menschen für zwei Groschen bestaunt werden konnte. Es begann ein Ringen der verschiedenen Interessengruppen um die Zukunft der Statue, die einen wollten sie auf dem Knivsberg sehen, die anderen auf dem Aschberg – ein jahrelanger Rechtsstreit entbrannte, bei dem die Statue zwischen durch nach Kiel transportiert wurde, um dort gelagert zu werden. 1929 war dann klar, dass Bismarck auf den Aschberg kommen sollte. Zum 6./7. September 1930 war es dann soweit: Beim Aschbergfest wurde die Statue eingeweiht – bei strömendem Regen. Aber die über zehn Jahre andauernde Odyssee war beendet.

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