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Integration : Über Kunst zur deutschen Sprache

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Volker Altenhof führt Flüchtlingskinder in der DaZ-Klasse an der Fritz-Reuter-Schule mit Kunst an die deutsche Sprache heran.

Eckernförde | Wortfetzen unterschiedlicher Sprachen fliegen in dem Raum der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) durch die Luft. Man hört arabische, serbische, englische und deutsche Laute, Lachen und Kichern. Farbtöpfe sind auf den Tischen verteilt, Jungen und Mädchen zwischen acht und 16 Jahren greifen zum Pinsel und bemalen Gipsabdrücke ihrer eigenen Hand oder ihres eigenen Gesichts. Eigenwillige Farbgebungen und Muster entstehen. Mittendrin in dieser sehr lebendigen Atmosphäre ist Volker Altenhof. Der Künstler aus Altenhof veranstaltet mit den Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Pädiko-Integrationsprojekts ein Kunstprojekt in der DaZ-Klasse an der Fritz-Reuter-Schule. Den Kontakt hat die Lehrerin Helma Böhmer, DaZ-Koordinatorin in Eckernförde, vermittelt.

20 Kinder und Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Äthiopien, dem Irak, Albanien, Kosovo oder Albanien nehmen an dem Kunstprojekt teil, das nach den Herbstferien gestartet ist. Es ist Teil des Vorhabens des Pädiko Sprach- und Kulturmobils, eines integrativen Projekts für Flüchtlinge des Kieler Vereins für pädagogische Initiativen und Kommunikation. Gefördert werde dieses aus Mitteln des Sprachförderungs- und Integrationsvertrages Schleswig-Holstein, erklärt Lisanne Jaskulke, Projektleiterin bei Pädiko.

Im ganzen Land sei man unterwegs, um mithilfe von Theater, Musik und Kunst die Neubürger zu integrieren. So auch in der DaZ-Klasse in der Fritz-Reuter-Schule. „Unser Ziel ist es, über Kunst und Kultur den Kindern und Jugendlichen die Sprache näherzubringen und mit ihnen in Kontakt zu treten“, beschreibt die 26-Jährige die Aktion.

Drei Stunden in der Woche verbringt Volker Altenhof mit den Schülern. „Es hat mich interessiert, mit diesen Kindern zu arbeiten. Außerdem ist es dem Zeitgeist geschuldet, dass man sich engagiert“, begründet der Künstler sein Engagement. Die Kinder erhielten eine neue Ausdrucksmöglichkeit ihres eigenen Befindens. Nach einer Einführung in die Welt der Farben und Formen mithilfe der Schaffung von Tonreliefs schufen die Kinder Gipsabdrücke – entweder von ihrer Hand oder ihrem Gesicht. Partnerschaftliches Vorgehen sei da nötig gewesen – das bedeutete, Vertrauen dem anderen gegenüber aufzubringen. Ahmas hat eine Maske seines Gesichts angefertigt. Der 15–jährige Kurde, der mit Eltern und vier Geschwistern im April aus Syrien nach Eckernförde gekommen ist, hat sie in den kurdischen Farben angemalt. Auch Bleonard (14) aus dem Kosovo, der mit seiner Familie in Karby lebt, hat sich für eine Maske entschieden, ebenso wie Miralda (14) aus Serbien. Sevin (13) aus Syrien und Djeneta (16) aus Mazedonien verzieren einen Gipsabdruck ihrer Hand. Djeneta ist erst seit drei Monaten in Deutschland und spricht bereits einige Wörter Deutsch. „Die Kinder wollen wirklich schnell Deutsch lernen“, bestätigt Projektleiterin Jaskulke. Der Wille, sich einzubringen, sei groß.

Zur deutschen Kultur gehört auch die Vorweihnachtszeit. So bekam jedes Kind gestern einen Adventskalender, gefüllt mit Schokolade, geschenkt. Zur Kultur gehöre auch die Teilnahme am vorweihnachtlichen Basteln in der Schule, erklärt Schulleiter Simon Steinmetz. Knapp 40 Flüchtlingskinder besuchen zurzeit die Fritz-Reuter-Schule. Aufgrund dieser relativ hohen Zahl nimmt rund die Hälfte zurzeit ausschließlich am DaZ-Unterricht teil.

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erstellt am 02.Dez.2015 | 17:38 Uhr

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