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„ÜBER GÄNGE“ – oder was uns Ostern angeht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 15:37 Uhr

Wir gehen zum Strand. Was geht da vor sich? Eine Gruppe von Jugendlichen geht mit ihrem Pastor und einem Fotografen durch die Stadt. Gerade noch haben wir das Bild der Kreuzigung gemacht. Jetzt geht es weiter. Wo wird sich hier in Eckernförde die Auferstehung ereignen? „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis…“, sagt Paulus über die Auferstehung. Die biblischen Ereignisse standen ihm offen - sichtlich vor Augen. 2000 Jahre später haben die Konfirmanden sich Schauplätze überlegt, wo und wie für sie die alten biblischen Geschichten aktuell passieren würden. Für die Auferstehung haben sie den Strand gewählt. Der Strand – was für ein ungewöhnlicher Ort für dieses außergewöhnliche Ereignis! Alle Bilder der Auferstehung, die ich kenne, stellen das Ostergeschehen nur in einer Landschaft dar.

Passt das zusammen, Strand und was Ostern passiert? Der Strand ist ein Ort der Übergänge. Hier gehen Land und Meer ineinander über, fester Boden, sicherer Halt unter den Füßen und bewegtes Wasser mit nur zu ahnendem ungewissem Grund. Mit dem Glauben an die Auferstehung verhält es sich wie an einem Übergang, an dem wir den Boden der Gewissheiten verlassen und ganz neues Terrain der ahnenden Hoffnung betreten. Am Strand berühren sich im weiten Horizont Himmel und Erde.

Die biblischen Auferstehungsgeschichten sind immer auch Geschichten über Gänge. Das gehört eigentümlich wohl zu Geschichten dazu, in denen das Leben beginnt. Schon zur ersten Geburt Jesu geht es damit los, dass Maria und Josef losgehen müssen nach Betlehem. Und nach der Geburt geht es so weiter: Hirten kommen eilends zur Krippe gelaufen, Weise machen sich auf den Weg. So, wie sich Familie und Freunde auf den Weg machen, wenn sie ein Neugeborenes neugierig sehen möchten. Auch zur zweiten Geburt Jesu am Ostermorgen geht es ähnlich zu. Wegen des großen Geheimnisses der Auferstehung wird das meist übergangen: Aber auch die Ostergeschichte ist eine Geschichte über Gänge: Nach dem Gang nach Golgatha, wo Jesu Leben zu Ende gegangen ist, geht es eigentlich erst richtig los. Joseph von Arimathäa läuft zu Pontius Pilatus, weil er Jesus zu Grabe legen möchte. „Als der Sabbat vergangen war“ treten die Frauen ihren Gang zum Grab an. „Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.“

Eine Gestalt sagt ihnen: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier… Geht aber hin, sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“

Es geht wirklich um alles: um Leben und Tod, Tod und Leben. Bei allen erzählten Gängen ist nur der entscheidende nicht beschrieben: Jesu Übergang aus dem Tod zum Leben.
Der Auferstandene wird erst als der neu ins Leben Gehende wieder beschrieben.

Peter Handke hat in seinen Tagebüchern „Gestern unterwegs“ dafür ein wundervolles Bild festgehalten: „Das Fresko des gerade von den Toten Auferstandenen in der Kirche des Nikolaos Orfanos in Thessaloniki; so etwas habe ich noch nie gesehen: wie herrlich der auferstandene Christus zunächst ALLEIN seines Weges wandelt, noch im weißen Leinentuch, das ihn umweht, die Rechte in die Morgendämmerlandschaft gehalten wie segnend und wie selber gesegnet von der Luft und dem dunkelblauen Himmel.“

Ein solches herrliches Auferstehungsbild ist nun auch in Nicolai in Eckernförde zu bestaunen. Es scheint fast so, als habe Handke das Auferstehungsbild der Konfirmanden beschrieben. Der Auferstandene im weißen Stoff erhebt sich selbst noch ganz erstaunt von seinem Übergang aus dem Tod ins Leben in den blauen Himmel und das diffuse Dämmerlicht. Der Engel scheint ebenso angesichts dieser überraschenden Lebenswende etwas wackelig auf einem Bein zu stehen, verblüfft, dass das Leben bei Gott nicht mit dem Tod zu Ende, sondern danach erst richtig weitergeht. Das geht uns Ostern an, dass Gott den Tod für uns angeht und einen Übergang zum Leben schafft. Der Tod ist ab jetzt nicht mehr Sackgasse, End – Station, sondern Übergang in ein weiteres Leben. Mit Ostern kommt neue Bewegung ins Leben. Da geht noch was. Hinter allem ist nicht nur eine neue Möglichkeit, sondern Wirklichkeit. Paulus sagt: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis, wir werden alle verwandelt werden.“

Schon Matthias Claudius fragt, was für ein faszinierender Übergang das für den Menschen sein muss, der „eines neuen Himmels und einer neue Erde wartet? – Der wird auf dieser Erde , den Fuß in Ungewittern und das Haupt in Sonnenstrahlen haben, … denn er trägt in diesem Glauben die bessere Welt, die ihn über alles tröstet … verborgen in seinem Herzen, bis die rechten Schätze zum Vorschein kommen – Wir sind nicht umsonst in diese Welt gesetzt; wir sollen reif für eine andere werden.“

Dass die österliche Freude auf uns alle übergehe!


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