Üben im Trümmerfeld

Verschütteter gefunden, Auftrag erfüllt – die Suchhunde des Technischen Hilfswerks (THW) werden im Trümmerfeld des Abbruchhäuser auf Carlshöhe geschult. Foto: Hallstein
Verschütteter gefunden, Auftrag erfüllt – die Suchhunde des Technischen Hilfswerks (THW) werden im Trümmerfeld des Abbruchhäuser auf Carlshöhe geschult. Foto: Hallstein

Die Trümmer der Abrisshäuser auf Carlshöhe haben auch einen positiven Nebeneffekt: Sie sind ein ideales Übungsquartier für die Hundesuchstaffel des THW.

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11. Mai 2009, 09:45 Uhr

Eckernförde | Die Häuser erinnern an die Flughafenstraße von Sarajewo kurz nach dem Balkankrieg. Verursacht allerdings haben es die Abrissbirnen einer Abbruchfirma. Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Carlshöhe, wo zur Zeit die alten Kasernengebäude abgerissen werden, sind die Voraussetzungen für Rettungskräfte ideal, um den Katastrophenfall zu üben.

Die kleine Truppe der Hundesuchstaffel des THW nutzt regelmäßig das Gelände, um sich selbst, aber auch die Hunde in Übung zu halten. "Wir haben die Erlaubnis des Besitzers und einen Schlüssel und können hier jederzeit rein", sagt der Truppführer Mario Mai. Sein Hundesuchtrupp und ein weiterer Bergungstrupp kommen aus Kiel und Neumünster. Auch wenn sie hoffen, niemals eingesetzt zu werden, müssen sie ständig mit ihren Hunden trainieren. "Abbruchhäuser sind selten und meistens zu schnell weg, bevor wir es überhaupt mitkriegen, hier ist es ideal", nennt Mai die Vorzüge des Carlshöher Übungsgeländes.

Mit kleinen Lockmitteln werden die Hunde spielerisch auf die Suche vorbereitet und finden am Schluss der Ausbildung jede unter Trümmern versteckte Personen. "Prinzipiell eignet sich jeder Hund für diese Aufgabe", erläutert Mai, "aber zum Hund gehört auch ein Hundeführer, der im Team bestehen muss".

Bisher hatten die Männer und Frauen noch keinen ernsthaften Katastropheneinsatz. Die Gruppe um Mario Mai kann sich vorstellen, irgendwo auf der Welt zu einer Katastrophe gerufen zu werden - allerdings nie im Ersteinsatz, dazu sind sie von einem Startflughafen zu weit entfernt. Jedoch sind sie innerhalb von sechs Stunden einsatzbereit, wenn der Auftrag kommt.

Die intensive Ausbildung kostet viel Zeit und persönliche Einsatz, dass Familienleben kommt da manchmal auch zu kurz. Nicht so für die Hundeführerin Jessica Schneidemesser (29): Als Lebensgefährtin von Mario Mai ist sie ständig mit dabei - sie haben sich durch das THW kennengelernt.

Ein Übungsszenario: Unter Steinen halb begraben liegt bewusstlos einer der Männer. Der Hund klettert in die Trümmer und findet den Bewusstlosen und signalisiert mit einem Bellen den Erfolg. "Entscheidend ist, dass der Hund nicht auf eine Person speziell fixiert ist, sondern jeden Menschen findet", erklärt der Truppführer die Vorgehensweise. Schnell ist der Bergungstrupp mit der Rettungswanne vor Ort, um den Verletzten vorsichtig aus dem Steinhaufen zu befreien und abzubergen. Im Ernstfall würden Staub, Wasser und austretende Gase die Vorgehensweise unendlich erschweren.

Im Juli werden die THW-Helfer wieder auf Carlshöhe üben, dann mit einem anderen Schwerpunkt - allerdings nur, wenn die Trümmerhäuser dann noch da sind.

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