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Anti-Drogen-Kampf in der Karibik : U-Boote aus Eckernförde kämpfen gegen die Kokain-Mafia

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Für 110 Millionen Euro kauft das kolumbianische Militär die zwei deutschen U-Boote U23 und U24, die nun in der Karibik eingetroffen sind. Einsatzzweck: Der Kampf gegen die Kokainmafia im Grenzgebiet zu Panama.

Bogotá | Die Panamericana von Alaska nach Feuerland ist fast komplett befahrbar, nur zwischen Panama und Kolumbien gibt es eine große Lücke. Hier existiert nur Dschungel. Mangels Landverbindung sind die Kokainschmuggler in der Region kreativ, sie weichen immer öfter auf kleine abenteuerliche U-Boote aus.

Allein in diesem Jahr wurden in der kolumbianischen Karibik zehn Tonnen Kokain beschlagnahmt, im Pazifikgebiet sogar 51 Tonnen. Kolumbiens Jahresproduktion lag früher bei bis zu 700 Tonnen, Schätzungen gegen heute von 300 bis 400 Tonnen aus. In einem aktuellen Fall stehen zwei Männer in Hamburg vor Gericht. Sie hatten versucht, 81 Kilogramm Kokain über den Seeweg aus der Karibik nach Portugal zu bringen.

Auch mit Flugzeugen und Schnellbooten wird das weiße Pulver tonnenweise Richtung Norden gebracht. Der Wassertransport soll nun mit deutscher Hilfe eingedämmt werden. Nach wochenlanger Fahrt über den Atlantik an Bord der „BBC Sapphire“ sind zwei U-Boote der deutschen Marine, die für den neuen Bestimmungszweck mit neuer Technik ausgerüstet worden sind, in Kolumbien eingetroffen. Der Bundessicherheitsrat hatte dafür grünes Licht gegeben, im Rüstungsexportbericht wird die Maßnahme aufgeführt.

Kolumbien ist derzeit einer der größten Rüstungsgut-Empfänger in Südamerika - und gilt als verlässlicher Partner. Zumal Präsident Juan Manuel Santos das Land durch einen bis Ende März geplanten Friedensschluss mit den über 8000 Kämpfern der Farc-Guerilla stabilisieren will. Da die sich vor allem aus dem Kokainhandel finanzieren, könnte das die Produktion eindämmen, hofft man.

Der UN-Koordinator für Kolumbien, Fabrizio Hochschild, meint mit Blick auf den verstärkten Anti-Drogenkampf in Kolumbien: „Das hat Einfluss in Berlin, das hat Einfluss in München.“ Teil des Kampfes, der in Kolumbien lange halbherzig geführt wurde, sind auch die deutschen U-Boote. Präsident Juan Manuel Santos hat sie in Cartagena auf die Namen „ARC Intrépido“ (Unerschrocken) und „ARC Indomable“ (Unbeugsam) getauft.

Die U-Boote der Klasse 206 waren zuvor als U 23 und U 24 im Besitz der deutschen Marine und wurden in der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine System umgebaut. Sie sollen in niedrigen Gewässern gut zu manövrieren sein. Jedes Boot wiegt 500 Tonnen und bietet Platz für 23 Mann Besatzung. Es kann bis zu 15 Tage am Stück unterwegs sein, ist 49 Meter lang, 4,5 Meter breit und 8,6 Meter hoch. Der Kaufpreis soll bei 110 Millionen Euro liegen.

Die Boote sollen vor allem den Golf von Urubá sicherer machen. Diese 25 Kilometer schmale Meeresstraße ist zu einem Hotspot des „Narcotrafico“ geworden. Es wird Kokain nach Panama und andere mittelamerikanische Länder transportiert. Hier ist das Úsuga-Kartell aktiv, angeführt von Dairo Úsuga, alias „Otoniel“, einem der meistgesuchten Männer Kolumbiens. Die Regierung hat auf ihn ein Kopfgeld von rund 482 000 Dollar ausgesetzt, die USA sogar fünf Millionen Dollar, wenn „Otoniel“ gefasst wird.

Zur Bekämpfung auf dem Meer wurde auch eine Sondereinheit mit Namen „Neptun“ gegründet. Laut dem kolumbianischen Militär werden die Drogen vor allem nach Honduras gebracht und von dort in die USA.

Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas, setzt große Hoffnungen in die U-Boote aus Alemania. Er betont, die U-Boote würden helfen, „unsere Erfolge im Kampf gegen den Drogenhandel zu erhöhen, mehr Drogen zu beschlagnahmen und andere Verbrechen, die sich in kolumbianischen Gewässern ereignen, zu bekämpfen“.

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erstellt am 08.Dez.2015 | 07:58 Uhr

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