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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 07:02 Uhr

Typisch deutsch – typisch dänisch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Humorvolle Betrachtungen beiderseits der Grenze zum Auftakt der Vortragsreihe der Heimatgemeinschaft

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 06:21 Uhr

Der dänische Freund wundert sich am 6. Dezember, dass er nicht in seine Schuhe kommt – stecken da doch ein kleines Geschenk und etwas Marzipan drin. Grund für die Ratlosigkeit: Der Nikolaustag ist in Dänemark unbekannt. Und die (deutschen) Kinder der dänischen Schule in Kupfermühle im Kreis Flensburg posieren an ihrem ersten Schultag stolz mit einer Schultüte – und das obwohl man in Dänemark diese Tradition gar nicht kennt.

Es gibt sie, die Unterschiede zwischen Dänemark und Deutschland (jenseits von gelber Remoulade und Salzlakritz), auch wenn sie zunehmend verwischen, zumindest in der Grenzregion. Sie waren Thema des ersten Vortrags in der Reihe der Heimatgemeinschaft am Montagabend im Showpalast. Peter Dragsbo, Museumsdirektor a. D. des Schlosses Sonderburg, und Volkskundlerin Helle Ravn gaben in Zusammenarbeit mit dem Sydslesvigsk Forening einen humorvollen Einblick in kleine, feine (oder doch keine?) Unterschiede.

Dragsbo blickte teilweise weit zurück in die Geschichte der Länder. Die „Nation der Vereine, Dänemark, habe sich in Opposition zur konservativen Gutsbesitzerregierung um 1864 selbst organisiert: So gebe es den Wählerverein, den Schulverein, den Kirchenverein, den Sprachverein und so weiter. Die deutsche Minderheit habe nach 1920 alles neu erfunden und sei seitdem moderner und zentral gelenkt – „... mit sowohl gute als böse Resultate“, so der Däne mit charmantem Akzent.

Zu ihrer Flagge, dem Danebrog, hätten die Dänen ein unkompliziertes Verhältnis. Schon „nach dem demokratischen Revolution von 1848“ sei die Verwendung der Flagge durch den normalen Bürger erlaubt. Ob Geburtstagsfeier, Feiertag, Geburtstag der Königin, Ringreiten, Fußballsieg oder einfach ein geöffneter Laden: Die rotweiße Flagge ist dabei. Auch als weihnachtliche Dekoration für den Tannenbaum eigne sich der Danebrog hervorragend. Seit 1850 sei er im Tannengrün zu finden, zum Beispiel als Flaggengirlande. „Das ist keinen Nationalismus, das sieht gut aus, so grün und rot.“ Recht hat er. Schwer vorzustellen für einen Deutschen, dass kleine schwarz-rot-gelbe Wimpelchen den gleichen Effekt haben könnten. Obwohl – im Jahr des Fußball-WM-Sieges – Warum eigentlich nicht? Dragsbo bestätigt: „Deutschland ist seit den Fußballmeisterschaften im Bereich Flagge eher normal geworden.“

Apropos Weihnachten: Als dänische Kernsitte verbreitet ist das so genannte Julefrokost – ein opulenter Smörrebröds-Tisch – der besonders mit Kollegen und Vereinsgenossen kultiviert werde. Erst, so sagte schon Brecht, käme „das Fressen, dann geht die Moral“, wobei letzterer Teil von befreundeten Dänen nur bestätigt werden kann. Der Gerechtigkeit halber sei hinzugefügt: „Die Deutschen haben auch ihre landläufige Exzessen, zum Beispiel die Oktoberfeste aus dem Süden“, die inzwischen auch bis zur deutschen Minderheit nach Nordschleswig durchgedrungen seien.

Helle Ravn stellte in ihrem Diavortrag herrlich-typische Eigenheiten gegenüber: Der kitschig-überladene Vorgarten zur Osterzeit in Deutschland. Die kahl-kiesige Variante: Dänemark. Strohfiguren aus Rundballen, zu den unterschiedlichsten Anlässen gebaut: Deutschland. Aufeinander gestellte Fässer, („Pfeffermühle“), zum 30sten Geburtstag unverheirateter Männer: Dänemark.

Dies alles auch immer wieder Beispiele für die Überschrift des Vortrags – „Basteln, Volkskunst oder Kunst.“ Bei den Dias zu deutschen und dänischen Gärten kommt die vertraute Welt dann doch ins Wanken. In deutschen Gärten wachsen die Blumen typischerweise durcheinander. In dänischen Gärten gelte: Ordnung muss sein? Huch? Das ist ein ganz neue Sicht der Dinge. Aber egal. Wie sagte Peter Dragsbo zuvor? „Wo alte Gebräuche sterben, kommen neue dazu.“ Oder vermischten sich die Kulturen. So ist das eben. Und so war es auch ein kurzweiliger Abend –vor proppevollem Saal.



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