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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 01:44 Uhr

Kirchbau : „Turm hing am seidenen Faden“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sanierungsphasen I und II an der Marienkirche laufen mit Verzögerung / Sonntag offene Türen am Tag des offenen Denkmals

von
erstellt am 07.Sep.2017 | 06:19 Uhr

Waabs | Der Turm hing am seidenen Faden des Herrn“ – auch wenn Arne Heinrich, Vorsitzender des Waabser Kirchengemeinderates hier ein drastisches Bild zeichnet,  ganz so muss es gewesen sein. Als nämlich im Zuge der Sanierung des Turms die verkleideten Zwischendecken geöffnet wurden, da „standen die Handwerker vor einem Loch“. „Da waren keine Balken mehr“, berichtete Heinrich, der gemeinsam mit Hans Heinrich Reineke aus dem Vorstand des Kirchengemeinderates die umfangreiche Sanierung der Kirche begleitet. 

Die ganze Statik des Turms schien gefährdet, da auch fast sämtliche Ringbalken stark beschädigt und fast aufgelöst waren. Wie das Konstrukt hielt, konnte keiner erklären. Sie hätten alle großes Glück gehabt. „Der Architekt hat den Turm erstmal 14 Tage gesperrt, um die Standsicherheit wieder herzustellen“, berichtete Heinrich.

 „Das war schon höchste Zeit, besser wäre noch ein Jahr früher gewesen“, stellte Matthias Bauer von der Zimmerei Thomas Lutz fest. Auch im Dachstuhl der Kirche  sind die Handwerker auf unvorhergesehene Schäden gestoßen. „Das ist so bei einem Altbau“, stellte Reineke fest. Erst, nachdem Verkleidungen entfernt wurden,  wurden die stark beschädigten Balken, die auf dem Mauerwerk aufliegen und den Dachstuhl tragen, entdeckt.  Auch sie hatten sich in vielen Bereichen  „einfach aufgelöst“, so Heinrich.

Über Jahrhunderte hatten Feuchtigkeit und auch Holzinsekten das Eichenholz im Dachstuhl der Kirche zersetzt. Feuchtigkeit drang beispielsweise über  die Dachpfannen ein. Die handgefertigten Pfannen sind nicht exakt, so dass bei eher waagerechtem Regen und vor allem bei Schneefall, Wasser eindrang. Dieses geschah um so leichter, wenn der Dachverstrich (Mörtel an der Rückseite der Pfannen) weg oder undicht war, erklärte Heinrich.  Feuchtigkeit an sich ist für Holz nicht schlimm, ergänzte Zimmerer Bauer, das Problem sei, wenn die Feuchtigkeit nicht abtrocknen könne. Durch die vielfache Verkleidung der Ringbalken, aber auch der Geschossdecken im Turm, konnte die Feuchtigkeit  jedoch nicht entweichen. Ein Befund, der auch bei weiteren Kirchen in der Region festgestellt wurde. „Daher werden jetzt die Balken erneuert und zwar so, dass sie künftig von Luft umspült sind“, erklärte der Zimmermann. Er schätzt, dass sie rund sieben bis acht Kubikmeter Eichenholz in neuen Balken verbaut haben, mehr als zunächst geplant.

Dazu hatte der Kirchenkreis die Kirchengemeinde auch aufgefordert, „wenn sanieren, dann richtig“, wie Heinrich feststellte. Hatten sie erst einen großen Schreck und große Sorge um die Kirche, so sind sie nun zuversichtlich. Heinrich erleichtert: „Es geht Stück für Stück weiter“. Dabei sind sie mit der Planung und Betreuung durch das Architekturbüro Schwinghammer aus Kiel sehr zufrieden.

Angesichts der unerwarteten Schäden, die  alle zum Erhalt der Standfestigkeit des rund 600 Jahre alten Gebäudes behoben werden müssen, stiegen die Kosten. Allerdings nur moderat, was Heinrich und Reineke auf eine gute Kostenschätzung des Architektenbüros zurückführen.

Seite Ende Mai werden die Bauphasen I und II  (Standsicherheit von Turm und Kirchenschiff, Mauerwerk und Dachstuhl)  abgearbeitet. Bisher waren 510000 Euro Kosten geplant. Wie viel mehr es im Detail werde, ist noch nicht ganz klar. Bislang hatte der Kirchenkreis 70 Prozent der Kosten übernommen. Weitere Zuschüsse kommen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung der Fördesparkasse, von der politischen Gemeinde Waabs und dem Förderverein.

Mehr Schäden zu beheben verzögert auch den Zeitplan. So schätzt der Kirchengemeinderat, dass statt der zwölf Wochen vermutlich weitere sechs Wochen dazu kommen. Vielleicht werde man Ende Oktober, Anfang November fertig, Hauptsache, Weihnachten  sind die Arbeiten abgeschlossen.

Derzeit ist die Kirche noch eingerüstet. Neben den Holzarbeiten kümmert sich die Dachdeckerei Hass um das Dach und die Eindeckung. Damit die äußere Hülle der Kirche wirklich dicht ist, bessert die Firma Andrigo Bau das Mauerwerk aus. Alter bröseliger  Mörtel wird entfernt und die Fugen neu verfüllt. Besonders an der Süd- und Westseite des Turms  sind großflächig Fugen beschädigt und auch Ziegel zerstört.  Dabei fanden die Handwerker zuweilen auch Silikon in den Fugen,  das nicht gut für das Mauerwerk war, so Heinrich. Sobald das Gerüst weg ist (etwa in drei Wochen), wird das Mauerwerk am Boden ausgebessert und auch im Tiefbau das Feldsteinfundament der Kirche freigelegt und hergerichtet. So will man eventuelle Feuchteschäden durch das Fundament ausschließen. Parallel dazu hat der Kirchengemeinderat Förderanträge für die Bauphase III gestellt. 2018   sollen der Altarraum überholt und die Wandmalereien weiter freigelegt werden. Und 2019, so der Plan, wird das Kirchenschiff im Inneren saniert.  Für dieses beiden Phasen wird mit rund 160000 Euro Kosten  gerechnet. 

Tag des offenen Denkmals Sonntag 10 bis 17 Uhr

Die Marienkirche wird am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Besucher können sich den rund 600 Jahre alten Bau auf Einladung der Kirchengemeinde und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz anschauen. Auf Wunsch werden Führungen angeboten. Besonders die alten Schnitzfiguren, das Patronatsgestühl und die Wandmalerei im Altarraum werden vorgestellt. Außerdem wird über die derzeitige Sanierung informiert. Es werden historische Nägel, die bei der Erneuerung des Dachstuhls freigelegt wurden, zu Gunsten der Sanierung angeboten. Infos: www.kkre.de/gemeinden/waabs.dis

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