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Der dressierte Mann : Turbulentes Theater: Ein Mann wird domestiziert

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Theatergemeinschaft hat die Saison eröffnet. Vor vollem Haus zeigte das Tourneetheater Thespiskarren die Komödie „Der dressierte Mann“. Witzig, turbulent und auch extrem war der Abend – Übertreibung veranschaulicht.

„Klasse, oder? Vielleicht ein bisschen extrem, aber trotzdem sehr witzig.“ Zwei Besucherinnen unterhalten sich nach dem Stück „Der dressierte Mann“ in der Stadthalle über den kurzweiligen Abend. Da hat die Theatergemeinschaft ein unterhaltsames Highlight gezündet: Vor voller Halle erspielten sich Karin Dor, Marianne Rogée, Martina Dähne und Stephan Schleberger mit John von Düffels Stück (nach dem Bestseller von Esther Vilar) Aufmerksamkeit und Sympathie des Publikums.

Aber extrem? Och wieso? Da steigt die Kommunen erfahrene, Männer verachtende Emanzenmutter (Marianne Rogée) des kochenden Bastian in das Stück ein mit dem abschätzigen Kommentar: „Mein Sohn Basti war schon als Kind spießig. Er sollte eigentlich Bastienne heißen. Aber auf dem Ultraschall war beim besten Willen kein Penis zu sehen. Typisch Basti, zieht den Schwanz ein schon im Mutterleib.“

Bastians Freundin Helen (Martina Dähne) kommt – wieder mal – verspätet nach Hause, hat schon gegessen, würdigt seine (Haus-)Arbeit kaum. Und das, obwohl er aus gegebenem Anlass ein 5-Gänge-Menü vorbereitet hat: Er will ihr einen Antrag machen. Sie aber, die Frau, ist befördert worden. 50 000 wird sie ab nun verdienen, er, der Mann, setzt mitfühlend bis empört voraus: „Im Jahr.“ Sie korrigiert: „Im Monat!“ Aus ist es mit seinem Leitsatz: „Wir führen eine Partnerschaft auf Augenhöhe.“ Den Job hätte er gerne gehabt, und er hadert mit seinen Antragsplänen: „Ich komme in Lohnsteuerklasse 5. Eine ganz andere soziale Klasse!“ Sie spricht ihm gut zu: „Du bist doch kein Looser, nur weil du ein Zehntel deiner Freundin verdienst.“ Er schützt Migräne vor und zieht ab.

Ihre Mutter (Karin Dor), selbst dreimal verheiratet („Wie hieß der noch?“), lässt sich über Tochter aus: „Sie hat sich nicht im Geringsten für Puppen interessiert, sondern nur für den Kaufmannsladen und die Abrechnung.“

Die doch so unterschiedlichen Mütter – die eine promovierte Hardcore-Emanze („Die Neandertalerin fand die Lösung in der Monogamie: Sie wollte einen speziellen Mann zur Ausbeutung“), die andere berechnende Männerverschleißerin („Ich hab mich von Mann zu Mann verbessert“) – lernen sich kennen: „Grüß Gott.“ „Grüß Göttin!“ Sie tun sich am Ende, aus den unterschiedlichsten Motivationen, zusammen in ihrer Bemühung, Sohn und Tochter wieder zu versöhnen. Sie rattern Ratschläge ihrer Enzyklopädie der Ausbeutung herunter, loben Helens schnelle Auffassungsgabe: „Ich will alles mit ihm teilen. Mein Konto bleibt mein Konto, sein Konto ist unser Konto.“ Tochter soll „auf Kind“ machen, um Sohn das Selbstwertgefühl zurückzugeben, die Relationen wieder herzustellen: Frau klein, Mann groß.

Turbulent, schnell, liebenswert spielt sich die Truppe des Tourneetheaters Thespiskarren durch den Abend, der Saal lacht, kichert, vergleicht in Gedanken. Um sich dann am Ende beruhigt sagen zu können: „Übertreibung veranschaulicht.“

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erstellt am 05.Okt.2013 | 05:58 Uhr

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