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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 10:58 Uhr

neue serie : Türen – ein Spiegel der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In unserer neuen Serie „Kleine Entdeckungsreisen“ befasst sich Dr. Heinrich Mehl mit Beobachtungen von vermeintlichen Kleinigkeiten im Stadtbild.

Es heißt, in Kleinigkeiten zeigt sich der Charakter. Unser Autor Heinrich Mehl hat sich auf eine Entdeckungsreise begeben und ist in Eckernförde jenen Kleinigkeiten nachgegangen, die wir bei unseren täglichen Streifzügen durch die Stadt rasch übersehen. Sie prägen aber dennoch den Charakter der Stadt. Lesen Sie heute im ersten Teil: Türen und Tore.

 

Türen und Tore machen das Gesicht eines Hauses aus; sie wirken auf uns einladend, offen und freundlich, manchmal auch verschlossen und abweisend. Architekten der Vergangenheit legten großen Wert auf ansprechende Formen, auf gutes Material, auf Farbe – Türen in Bauten unserer Zeit sind meist nur eckige Einschnitte in der Vorderfront, oft auch Hinterfront eines Hauses, versehen mit einbruchsicheren Schlössern. Eckernförde gehört glücklicherweise zu den Städten, die noch historische Häuser mit originalen Türen und Fenster zeigen.

Die nach Meinung des Autors schönste alte Türanlage der Ostseestadt findet sich im Jungfernstieg. Gut erhalten baut sich da ein hohes und schmales Wohnhaus auf, das bereits den kommenden Jugendstil anklingen lässt. Die schwungvolle Fassade wird nach oben hin von kleinen Sockeln geziert und vom strahlenden Bild einer Sonne abgeschlossen. Fenster und Tür im Erdgeschoss sind von Backsteinen gerahmt, die Fenster des Oberstocks haben kräftige Stuckrahmen. Die Haustür ist von zwei Fenstern flankiert, alle drei Elemente sind in sorgsamer Tischler- und Glaserarbeit ausgeführt und in Braun, Weiß und delikatem Rosa gehalten. Es heißt, dass das Haus um 1901 von Gastwirt Adolf Schmidt gebaut wurde und später im Besitz von Schlachtermeistern war.

Vom Ende des 19. Jahrhunderts haben sich in Eckernförde eine ganze Reihe repräsentativer Türanlagen erhalten. Auffällige Arbeiten der Kaiserzeit finden sich an Kreishaus, Finanz- und Zollamt, an Schulen und den repräsentativen Wohnhäusern von Kaufleuten und Kapitänen. Um 1900 wird das Stadtwappen in den Türrahmen eingefügt (ehemaliges Bankgebäude, später VHS in der Frau-Clara-Straße), findet man einladende Widmungen („Gott segne dieses Haus und alle, die gehen ein und aus“, Gänsemarkt). Repräsentative Türanlagen kennen auch die Heimatschutz-Architektur der 1920er-Jahre (Pestalozzischule) und – erstaunlicherweise – Kasernenbauten der 1930er Jahre (Carlshöhe-Tore mit Kieler Kunstkeramik).

Unbestreitbar Eckernfördes ältestes Portal ist die „Mannstür“ in der Südmauer der Borbyer Kirche. Sie wird von zwei romanischen Säulen eingefasst und, zwischen Rundbogen und Türsturz, von einem Tympanon abgeschlossen. Das darin zu findende Bild gibt den Eckernfördern Rätsel auf: Welcher Heiliger in feierlichem Ornat, Buch und Bischofsstab in Händen und begleitet von einem Lamm als Christussymbol, wird hier dargestellt?

Als krasser Gegensatz sei daneben Eckernfördes modernste, ja mutigste Tür gesetzt: Ein Hausbesitzer in der Hindenburgstraße hat seine Kunststofftür in Eigenarbeit mit kühnen Farb-Quadraten besetzt.

 

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