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Brandstiftung in Altenholz : Trotz schwerer Richterschelte: Staatsanwaltschaft akzeptiert Freispruch nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Er habe in dem Verfahren „keine Chance“ gehabt, meinte die Richterin. Jetzt gehen die Ermittler in Revision.

Altenholz | Es ging durch alle Medien: Der Brand der Ladenzeile im Ortsteil Stift in der Nacht zum 26. November 2014 und der darauf folgende Prozess. Ein damals 21-jähriger Mann wurde als dringend tatverdächtig festgenommen. Er sollte den Brand, bei dem ein Restaurant, ein Supermarkt und mehrere kleine Geschäfte komplett zerstört wurden, in einem Müllcontainer hinter dem Gebäudekomplex gelegt haben. Der Schaden wurde auf 6,5 Millionen Euro geschätzt. Aber Kevin S. wurde nach zehnwöchiger Untersuchungshaft und sieben Verhandlungstagen vor dem Kieler Amtsgericht freigesprochen. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft Kiel nun Revision eingelegt.

Zur Urteilsbegründung mussten sich die Ermittler heftige Richterschelte anhören. Die Vorsitzende des Schöffengerichts, Elisabeth Bellmann, kritisierte Polizei und Staatsanwaltschaft scharf. Diese hätten sich zu früh und zu einseitig auf den jungen Mann festgelegt. Es gehe „nicht um die Verurteilung irgendeines Verdächtigen, sondern darum, den richtigen Täter zu ermitteln“, sagte sie. Die Ermittlungsbehörden hätten entlastende Umstände nicht beachtet: „Der Angeklagte war einem Apparat ausgesetzt, der offenbar kein Interesse an einem rechtsstaatlichen Verfahren hatte.“ Der 23-Jährige habe in dem Ermittlungsverfahren keine Chance gehabt, sagte Bellmann. Trotzdem will die Staatsanwaltschaft den Fall noch einmal neu aufrollen.

Der Prozess wegen schwerer Brandstiftung, der im August und September in Kiel verhandelt worden war, hatte zuvor schon zahlreiche überraschende Wendungen genommen. Das Motiv schien nicht haltbar, Zeugen gaben zu, unter Druck bei der Vernehmung gelogen zu haben und zogen Aussagen zurück, ein Beamter hatte sich in Widersprüche verstrickt.

„Wir haben die Beweisaufnahme anders erlebt als das Gericht, würdigen viele Dinge anders und meinen, die Beweisaufnahme ist teilweise fehlerhaft geführt worden“, sagt Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Die Widerspruchsfrist für die Rechtskräftigkeit sei am Montag abgelaufen und die Staatsanwaltschaft habe sich entschlossen, dass Urteil anzugreifen, sagte er der Eckernförder Zeitung.

Das Oberlandesgericht (OLG) in Schleswig übernimmt das Verfahren und überprüft das Urteil. Neue Tatsachen werden dafür allerdings nicht herangezogen, die Prüfung auf eventuelle Rechtsfehler erfolgt auf Grundlage der Akten.

Im Laufe des Verfahrens sind auch andere mögliche Tatverdächtige genannt worden. Die Staatsanwaltschaft konzentriert sich aber auf den bekannten Angeklagten. Bieler dazu: „Wir sind nach Überprüfung der Meinung, dass keinem anderen ein Tatverdacht nachgewiesen werden kann.“ Man sei bei den Ermittlungen und der Selbstüberprüfung auch anderen Spuren nachgegangen, so der Oberstaatsanwalt weiter. Aber man sei immer noch davon überzeugt, mit dem Angeklagten den Richtigen im Visier zu haben. Nun müsse man abwarten, wie das Oberlandesgericht entscheide.

Falls das OLG der Argumentation der Staatsanwaltschaft folgt und das Urteil aufheben sollte, wird der Fall erneut vor einem Amtsgericht verhandelt werden müssen. Das muss nicht zwangsläufig in Kiel sein, die Gemeinde Altenholz gehört zum Kreis Rendsburg-Eckernförde. Wenn die Revision scheitert, wird der Freispruch des Angeklagten rechtskräftig.

Das Video zeigt Archiv-Aufnahmen:

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erstellt am 13.Dez.2016 | 16:26 Uhr

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