zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 12:56 Uhr

Trost durch Gott

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 31.Aug.2013 | 00:33 Uhr

„Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10) Fast wie eine Ermutigung lese ich diese Losung für den Monat September, und merke gleichzeitig, dass mir diese Worte gar nicht so leicht über die Lippen kommen, geschweige denn ins Herz gehen. Erst vor wenigen Minuten hat mir eine Freundin erzählt, dass ihre erwachsene Tochter plötzlich nicht mehr sehen kann. Jetzt steht die Diagnose MS im Raum. Plötzlich gerät alles aus den Fugen, schlimme Befürchtungen lassen sich wie Raubvögel nieder. Da ist es schwer, froh zu sein, sich nicht zu bekümmern. Auch wenn ich um die Erfahrung weiß: wenn ich mich in Gott freue, dann bin ich stark - im Glauben. Manchmal hilft die Freude auch, in Niederlagen nicht völlig unterzugehen. Manchmal weitet sie meinen Blick, weil ich erlebe, dass mir eine Kraft aus dem Glauben zuwächst, die nicht meine ist.

Interessant ist es, dieses Wort aus dem Buch Nehemia in seinem Kontext nachzugehen. Die Israeliten sind vertrieben worden und haben jahrelang in babylonischer Gefangenschaft gelebt. Jetzt sind sie zurückgekehrt, bauen die zerstörte Stadt Jerusalem auf. Als der Schriftgelehrte Esra ihnen das Gesetz des Mose vorliest, hören sie aufmerksam zu. Und reagieren betroffen, als sie erkennen, dass zwischen den Geboten Gottes und ihrer Lebensweise ein großer Gegensatz besteht. Und dann heißt es, „alles Volk weinte“. Doch Esra ermutigt die Menschen: „seid nicht traurig und weint nicht,… geht hin und esst und trinkt und sendet davon auch denen, die nichts für sich bereitet haben, denn dieser Tag ist heilig unserem Herrn. Und seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Manchmal braucht es jemanden, der an Gott erinnert. Der mich weist auf die Liebe Gottes, die viel größer ist, als ich im Moment des Unglücks sehen kann. Manchmal ist es gerade in schweren Zeiten notwendig, sich jemandem zuzuwenden. Sich Zeit für das Gebet zu nehmen, auf die Suche nach eigenen Ressourcen zu gehen. Wie oft sind wir bekümmert und verlieren völlig aus dem Blick, auf wessen Grund wir stehen: Gott, der uns Menschen liebt. Wir dürfen uns Gott immer wieder zuwenden. Wir dürfen uns schweigend, auch weinend in den liebevollen Blick Gottes stellen, ihn atmen. Wir dürfen schreien, klagen – und hoffen: Hoffen, dass Gott es irgendwie gut macht. Und wenn nicht? „Was, wenn es wirklich MS ist…?“ Ich denke an Christus, an seinen Weg bis zum Tod. Aber auch an seine letzte Gewissheit, dass Gott mit ihm ist. Mir fällt spontan das Lied „In dir ist Freude in allem Leide“ ein. Dann sage ich leise zu meiner Freundin: „Dann hoffe ich, dass euch eine Kraft von Gott zuwächst, damit leben zu lernen.“ Dann schweige ich, bete für sie und gebe ihr ein Kreuzzeichen mit auf den Weg.

Und hoffe, dass es irgendwie gut wird. Dass Gott sie tröstet.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen