Paradieshalle : Tropische Schönheiten mitten in Gettorf

An eine Wand gepinnt reifen die Puppen heran.
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An eine Wand gepinnt reifen die Puppen heran.

Tierpark zeigt bis Anfang September Ausstellung mit Schmetterlings-Arten, die in Südost-Asien und Australien zuhause sind

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24. Juli 2014, 06:00 Uhr

Eine neue Wohngruppe ist im Tierpark Gettorf eingezogen: Tropische Schmetterlinge, die ursprünglich in Südost-Asien und Australien zuhause sind, präsentieren sich in vielfältigen Farben in der Paradieshalle den Besuchern. Damit erfüllt sich für das Team um Tierpark-Biologin Dr. Gabriele Ismer ein lang gehegter Wunsch.

„Wir haben die Ausstellung schon seit vielen Jahren auf der Agenda“, sagt Ismer. Doch ist sie mit einigem Aufwand verbunden. Als jetzt ein Fachmann seine Hilfe anbot, zögerte Ismer nicht und nahm das Projekt in Angriff. Von einer Zuchtfarm in England kamen die flatternden Schönheiten nach Gettorf – als Puppen. An eine Korkwand gepinnt schlüpfen sie erst dort und entwickeln sich zum Falter. Damit das möglich ist, mussten in der Paradieshalle die Lebensbedingungen geschaffen werden, in denen die tropischen Schmetterlinge zuhause sind: eine Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent und eine Lufttemperatur zwischen 25 und 30 Grad Celsius. Neben dem in der Halle angestammten Wasserfall sorgen Rindenmulch, der fortlaufend gewässert wird, und ein dichtes Netz, das die Schmetterlinge außerdem vor den angrenzenden Affen schützt, dafür, dass das Klima stimmt. Orangenbaum, Wandelröschen und Passionsblume dienen als Futterpflanzen, in denen die Larven auch ihre Eier ablegen.

Ein bis sechs Wochen dauere es, bis die Puppen schlüpfen, erklärt Gabriele Ismer mit Blick auf die Korkwand, an denen sie hängen. Einige sind daran kaum zu erkennen, erinnern an ein vertrocknetes, zusammengerolltes Blatt, andere schimmern mi einem metallenen Glanz – beide Varianten sollen in der freien Natur verhindern, dass die Puppen von Spitzmäusen, Vögeln, Spinnen oder Reptilien gefressen werden. „Das Schwalbenschwänzchen zum Beispiel nimmt die Farbe der Umgebung an“, zeigt Tierpfleger Dirk Bierfeld begeistert. Er steht für Fragen zum Lebenszyklus, zur Ernährung oder ähnlichen Dingen rund um die farbenfrohen Gäste bereit. Keine leichte Aufgabe angesichts der hohen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Auch für die Besucher seien die Rahmenbedingungen fordernd – unvorstellbar, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Brasilien teilweise unter solchen Bedingungen gespielt hat, sagt Ismer. „Dem zolle ich Bewunderung. Die sind gerannt wie immer. Das war schon eindrucksvoll. Allein vor der physischen Leistung hab ich absolut Respekt.“ Die Besucher der Paradieshalle kämen mit den veränderten Luftverhältnissen jedoch gut zurecht, die Sonderausstellung werde gut angenommen.

Zu sehen ist sie noch bis zum 30. September. Der Dunkelgefleckte Buschbraune, mit einer Spannweite von fünf Zentimetern der kleinste Vertreter in der Ausstellung, flattert ebenso wie der kleine Monarch, der dunkelblaue Tiger, der Geschwänzte Häher oder der Karierte Schwalbenschwanz bereits durch die Halle – die Namen hat Ismer aus dem Englischen übertragen, weil es im Deutschen keine für sie gibt. Der größte ist derzeit der Große Mormone, der eine Spannweite von zwölf bis 15 Zentimetern hat. Etwas übertroffen wird dies noch vom Morpho-Falter, der in diesen Tagen schlüpfen wird, schätzt die Biologin. Er schimmert komplett metallisch blau.

> Die Schmetterlingsausstellung ist täglich während der Öffnungszeiten des Tierparks zu sehen, ein zusätzlicher Eintritt wird nicht erhoben. Der Tierpark öffnet täglich um 9 Uhr und schließt um 18 Uhr.

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