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Trommers Vergleich von Lehmanns Naturlyrik mit Nordamerikas „natur writing“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der zweiten Runde der Lehmann-Tage gab es gleich zu Beginn humorige Worte von Claus Müller vom Verein der Umweltbildung in Eckernförde, „Chef“ vom OIC (Ostsee-Info-Center), der unter anderem sinn– und erfolgreich zur Wilhelm-Lehmann-Vermittlung beiträgt. So zeigt er zum Beispiel mit monatlich wechselnden Aquarellen von Rüdiger Ziegler aufgestellte Konterfeis von Pflanzen und Blüten, wie man sie in Lehmanns Lyrik findet. Unter dem Titel „Lehmann für alle“ werden diese Sequenzen für 12 Monate sicher viele Betrachter ansprechen – jetzt mit Hahnenfuß, im nächsten Monat mit Ackerstiefmütterchen. Claus Müller erntete viel Applaus für diese sinnfällige Lehmann-Werbung.

Ebenfalls ganz nah heran an seine Zuhörerschaft kam Prof. Dr. Gerhard Trommer. Das „Bukolische und das Wilde“, das war sein Thema, und er brachte Anmerkungen zum Tagebuch Wilhelm Lehmanns (1927 – 1932), und zum American Nature Writing. Eine Annäherung an das Wilde? Wind, Einsamkeit, Wetterwandel – und in der Betrachtung des Ruhigen Meeres (Juli 1928) überwinde Lehmann die Einsamkeit des Ich-Erzählers. Und im Anblick der anmutigen Buschwindröschen: „Warum ist die Anemone so einfach? Weil ihr Dasein so schwierig ist.“ Sie habe nichts Süßliches, nichts Affektiertes, ihr Wesen treffe uns in der Mitte mit Sparsamkeit und Sachlichkeit. An die Betrachtungen heimatlicher Natur des Eckernförder Dichters Wilhelm Lehmann schließt Trommer Beispiele des amerikanischen „nature writing“ an. In der Verwilderung liege dort die Freiheit („life out of doors – in the wildernis“), niemandem zugehörig, wild und frei wie die Mustangs – ein „Faszinosum der Nordamerikaner“ wie Trommer es nennt. Und was meinen die Indianer dazu? „Wildernis ist white man’s thinking.“ Die Vorstellung „home on the range where the buffalo roam“ sei lange überlebt.

Während der natursensible, gefühlsbetonte, amerikanische Lehrer und Schriftsteller Aldo Leopold, Zeitgenosse von Lehmann, noch von erlebter Wildnis in New Mexico schwärmt, kennt man bald die Folgen von Ackerbestellung auf riesigen Feldern, Winderosion, Staubstürme. Im „dust bowl“ der 30er Jahre lässt sich nicht mehr von „buffaloes und antilopes“ träumen.

Während Lehmann 1927 noch mit Schwermut und Bedrückung kämpft, 1932 einen Nervenzusammenbruch erlebt und über den „Nachtraum des Gewesenen“ schreibt, hat „Mother Nature“ in der ästhetischen Welt heute nichts Selbstzerstörerisches. Sie macht jedoch einfaches Leben mit Einsamkeit in der Natur nur noch schwer erlebbar. Gerhard Trommer war mit seinen Studenten lange und einsam unterwegs in Norwegen. Er ließ Tagebücher schreiben, erfuhr beim Lesen viel über die weitgehend ungewohnte Begegnung mit Natur und Einsamkeit. „Wie wird es nach der Menschenzeit weitergehen?“, fragt Trommer, „und wer schreibt da noch ein Gedicht?“

Ein gemeinsames Podiums – und Abschlussgespräch mit Prof. Dr. Uwe Pörksen, Dr. Wolfgang Menzel und Hanns Zischler schloss die Tagung in besonderer Weise ab. Zischler las kriegsnahe Passagen aus Lehmanns Roman „Der Überläufer“.

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