zur Navigation springen

Lehrling gesucht : Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Demografischer Wandel: Firmen müssen sich vermehrt um gute Auszubildende bemühen. Lehrlinge werden zudem immer älter.

Eckernförde | Der demografische Wandel schlägt voll zu: Im Jahr 2030, so die Hochrechnungen, wird ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands über 65 Jahre alt sein. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Neugeborenen ab – spätestens von 2030 an wird die deutsche Bevölkerung schrumpfen, sagen Experten. Viele Betriebe merken das schon jetzt: Die Zahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz nimmt ab, Stellen können nicht besetzt werden. Auch die Qualität der Bewerber sinkt.

Die Erfahrung hat auch die Firma Punker in den vergangenen Jahren machen müssen. „Das geht schon dabei los, dass sich jemand generell um alle Berufsausbildungen bewirbt, die wir überhaupt anbieten“, sagt Personalleiter Felix Hegmann. „Teilweise steht noch der Name eines anderen Betriebes im Anschreiben oder unser Firmenname ist falsch geschrieben.“

Früher konnten sich die Firmen zurücklehnen und sich aus Hunderten Bewerbern die besten herauspicken. „Das geht heute nicht mehr“, so Hegmann. Die Firma Punker hat umgestellt: Nicht mehr die Bewerber müssen sich allein um einen Ausbildungsplatz bemühen. Hier geht das Unternehmen in die Offensive. „Nachdem wir über Jahre eine zurückgehende Quantität und Qualität feststellen mussten, sind wir aktiv geworden.“ Punker wirbt vermehrt für sich, präsentiert sich auf Ausbildungsmessen, bietet Bewerbungstrainings an Schulen und vermehrt Praktikumsplätze an. Schon früh geht das Unternehmen auf den Markt. „Im vergangenen Jahr haben wir schon im Oktober nach Auszubildenden gesucht und waren sehr erfolgreich“, erklärt Felix Hegmann. Statt fünf oder sechs Auszubildende werden sogar elf zum Spätsommer eingestellt – vom Industriekaufmann bis zum Produktdesigner. „Die Qualität war so gut, dass wir uns gar nicht entscheiden konnten und uns lieber ein paar mehr von den Besten gesichert haben.“

Und das nicht ohne Grund: Von den 300 Mitarbeitern des weltweit erfolgreichen Herstellers von Ventilatorrädern sind 100 älter als 50 Jahre. „Der Fachkräftemangel wird bei uns in zehn bis 15 Jahren voll zuschlagen, wenn wir nicht rechtzeitig etwas unternehmen“, so Hegmann. Das Unternehmen bildet also in erster Linie seinen eigenen Nachwuchs aus. Dabei gilt: Die persönliche Note zählt mehr als die ein oder andere schlechte Zensur im Zeugnis.

Dem kann der Eckernförder Famila-Marktleiter Michael Thele nur zustimmen: „Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, Fleiß und Engagement sind ausschlaggebender, als wenn jemand ein Einserzeugnis, aber dafür keine Motivation hat.“ Bei ihm ist der Wendepunkt auf dem Ausbildungsmarkt noch nicht angekommen. „Quantität und Qualität der Bewerber sind gleichgeblieben. Wir haben 150 Bewerbungen auf drei Ausbildungsplätze und können das hohe Niveau halten.“ Während man sich bei Punker nur noch für eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik ab Spätsommer und sonst nur noch für das Ausbildungsjahr 2017/18 bewerben kann, nimmt Famila noch bis Ende April Bewerbungen entgegen. „Besonders Fleischer-Auszubildende haben noch gute Chancen“, sagt er.

Anders verhält es sich im Friseurhandwerk. „Generell ist es ein bisschen schwieriger geworden, gute Auszubildende zu bekommen“, erklärt Friseurmeister Manfred Koch. Der 56-Jährige bildet seit über 20 Jahren aus. Zu wenig junge Leute wollten eine Ausbildung im Handwerk machen, so Koch. Auch die Qualität der Azubis sei eine andere. Heute seien viele Lehrlinge älter und hätten dadurch keine Unterstützung mehr von zu Hause. Das bestätigt auch Bäckermeister Stefan Haupt. Das Alter seiner Lehrlinge beträgt 15 bis 23 Jahre. „Eine Zusammenarbeit mit der Familie ist heute so gut wie gar nicht mehr der Fall“, sagt Haupt. Für die Ausbildung in der Backstube hat er in jedem Jahr genug Bewerber, für die Ausbildung in der Verkaufsbranche sucht er noch Lehrlinge. Die schlechte Resonanz erklärt er mit den Arbeitszeiten des Verkaufsberufs. „Dabei ist das ein abwechslungsreicher Beruf“, sagt er. Haupt bildet zurzeit acht Lehrlinge aus.

Dass es nicht mehr den klassischen Lehrling von früher gibt, bestätigt auch Martin Krohn vom Schuhhaus Krohn. So absolviert eine 37-Jährige Mutter zweier Kinder eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel bei ihm genauso wie die 22-jährige Chiara Zebe. Viele Azubis von heute seien älter, weil sie nach der Schule erst einmal jobben würden.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen