Goosefeld : Treibsel für eine gute Kartoffelernte

Elisabeth und Berthold Werner sind mit ihrem Kartoffelanbau sehr zufrieden. Treibsel muss regelmäßig nachgelegt werden.
Elisabeth und Berthold Werner sind mit ihrem Kartoffelanbau sehr zufrieden. Treibsel muss regelmäßig nachgelegt werden.

Elisabeth und Berthold Werner aus Goosefeld setzen auf Seegras als Dünger für ihre Kartoffelpflanzen.

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01. Juli 2020, 14:17 Uhr

Goosefeld | Auch im dritten Jahr rechnen Elisabeth und Berthold Werner mit einer erfolgreichen Kartoffelernte. Ein Produkt der Ostsee, das Treibsel, versorgt die Kartoffelpflanzen des Goosefelder Ehepaars mit Nährstoffen. Als Treibsel werden am Meer angespülte Pflanzenreste bezeichnet, also zum Beispiel Tang, Seegras oder Algen. Sie eignen sich gut zur Düngung von Pflanzen, das haben die Werners festgestellt.

Seegras sammeln am Strand

Während sich Strandbesucher über die angespülten Pflanzenreste am Ufer ärgern, warten Elisabeth und Berthold Werner nur darauf, dass wieder Ostwind ist und sich das Seegras anhäuft. Dann machen sich die beiden mit leeren Eimern auf den Weg ins Ostseebad, gehen am Strand spazieren und sammeln das Treibsel ein. „So wie wir das Seegras finden, kommt es an die Pflanzen“, sagt Berthold Werner. Nun ab und zu müsste man die eine oder andere Kippe herauspulen.

Ein nährstoffreiches Ostsee-Produkt – das Treibsel aus Seegras
Achim Messerschmidt
Ein nährstoffreiches Ostsee-Produkt – das Treibsel aus Seegras
 

Auch auf der Kanalinsel Jersey, das haben Elisabeth und Berthold Werner auf einer ihrer Reisen entdeckt, werden die Kartoffeln an den Steilhängen am Meer mit Seetang gedüngt, die „Jersey Royals“.

Projekt auf dem Dach des OIC

Der 81 Jahre alte Berthold Werner ist ehrenamtlicher Mitarbeiter im Ostsee-Info-Center in Eckernförde und war daran beteiligt, als 2017 auf dem Dach des Gebäudes mit dem Geographischen Institut der Uni Kiel das Projekt „Posima“ (Pilotregion Ostseeküste: Initiierung einer Wertschöpfungskette Treibsel als Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel) startete. Ziel war es, Treibsel nicht als lästige Strandverunreinigung, sondern als wertvollen ökologischen Rohstoff anzusehen. Die Idee, Kartoffeln ausschließlich im Treibselbeet anzupflanzen, stammt vom damaligen Leiter Claus Müller. Auch Berthold Werner hegte und pflegte eine der Anbaukisten auf dem Dach des OIC.

Die Schale der Treibsel-Kartoffeln ist viel glatter Elisabeth Werner, Hobby-Gärtnerin
 
In einem Holzbeet wachsen die Kartoffeln auf Treibsel
Achim Messerschmidt
In einem Holzbeet wachsen die Kartoffeln auf Treibsel
 

Die guten Ernteergebnisse beim OIC wollte der Goosefelder dann auch im heimischen Garten erzielen. Also zimmerte er eine etwa zweieinhalb mal eineinhalb Meter große Kiste, befüllte diese mit Seegras und pflanzte 30 Kartoffeln. „Die Kartoffeln gedeihen wunderbar“, stellte auch seine Frau fest. Im Garten der Werners gibt es auch ein Vergleichsbeet mit herkömmlichem Kartoffelanbau im Mutterboden. Unterschiede haben die Werners kaum festgestellt. Aber: „Die Schale der Treibsel-Kartoffeln ist viel glatter“, sagt Elisabeth Werner.

Im September wird geerntet

Wer einen sensiblen Gaumen hat, schmecke auch den leichten Salzgehalt der Seegras-gedüngten Kartoffeln heraus. „Es muss immer mal wieder Seegras in der Kiste nachgefüllt werden“, erläutert Berthold Werner, das Treibsel werde trocken und sacke in sich zusammen. Flüssigkeit werde aber lange gehalten. Im April haben sie die Kartoffeln gepflanzt, im September soll geerntet werden. „Gut möglich, dass wir das Treibsel auch bei anderen Pflanzen einsetzen“, kündigte Berthold Werner an.

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