Treiben tut auch ein Bund Stroh

Autor Friedhelm Scholz bei Flaute in seiner Laser-Jolle auf dem Wormshöfter Noor.
Autor Friedhelm Scholz bei Flaute in seiner Laser-Jolle auf dem Wormshöfter Noor.

shz.de von
12. Juni 2018, 17:06 Uhr

Jawohl, es schien die Sonne! Ich hatte meine kleine 1-Mann-Jolle (eine Laser) aufgetakelt und war sehnsuchtsvoll und akribisch um jeden Windhauch bemüht, der dann das knapp 10 Quadratmeter große Segel füllen und seinen Anteil an dem maritimen Umstand leichter Fahrt voraus haben würde. Jedoch trotz für mich ungewohnter Geduld zeigte sich keinerlei Wellenbewegung auf der „öligen Wasserfläche“ des Wormshöfter Noors. Segler benutzen den Begriff ölig für den leidigen Zustand absoluter Windstille. Was mich veranlasste, es mir auf der Laser-Jolle (nur Opti-Jollen sind noch kleiner), soweit es eben ging, bequem zu machen, wenn man dies den sehr beschränkten Möglichkeiten eines eigentlich als „Fußraum“ gedachten Cockpits überhaupt abverlangen dürfte. Es gelang dann im Ergebnis einiger erfolgloser Positionierungsversuche nur mit total unseemännisch außenbords platzierten Füßen und Beinen.

Der wolkenlose Himmel unterstützte eine bald aufkommende wohlige Müdigkeit, die ich mir als einziger Flautenschieber leisten konnte. Ich habe ein herankommendes kleines Motorboot erst bemerkt, als der Steuermann mich fragte, ob ich denn zum Abendbrot – es war kurz nach 16 Uhr – wohl zuhause sein wollte. Normalerweise hätte ich so bei 2-3 Windstärken in ca. 10 Minuten im Heimathafen Exhöft anlegen können. Da der Banana-Boat-Kapitän (!) mit seinem Katamaran, in Ufernähe ankernd, seinen gerade reparierten 2-PS-Außenborder probelaufen lassen wollte, entschied er, diese Testfahrt sinnvoll zu gestalten und hatte meine totale Bewegungslosigkeit zum Anlass genommen, dieser ein Ende zu bereiten und mir ein Schleppangebot zu machen. Neben der Probefahrt: bitte eine gute Tat, die als solche bilanziert würde. Na klar war ich sehr dankbar und freute mich, dass es doch Segler gibt, die zwar Verhaltensregeln auf See kennen, mich meine selbstverschuldete Hilflosigkeit – ich hatte natürlich kein Paddel an Bord – aber nicht ausbaden lassen wollten.

Neben meinen 1,83 Metern und inzwischen ungelenken Extremitäten – insbesondere der unteren – hatte ein Paddel einfach keinen Platz mehr in der Jolle, was ich inzwischen als Fehler ansehe, der sich nicht wiederholen darf.

Normalerweise segelt man eine Laser-Jolle und sitzt dabei zwar kippelig, aber bequem auf dem Bord. Füße, wie gesagt, im Cockpit und den Ausreitgurten – bei Meerwind.

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