Treffen der letzten "Carlshöhe-Polizisten"

Paradeaufstellung der Carlshöher Polizeischüler auf dem Rathausmarkt zur offiziellen Verabschiedung am 1. Juni 1956. Fotos: Privat
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Paradeaufstellung der Carlshöher Polizeischüler auf dem Rathausmarkt zur offiziellen Verabschiedung am 1. Juni 1956. Fotos: Privat

50 Mitglieder des letzten Einstellungsjahrgangs vom 11. April 1956 treffen sich heute nach 55 Jahren an historischer Stätte

shz.de von
11. April 2011, 06:27 Uhr

Eckernförde | Ein Stück Eckernförder-Polizeigeschichte von 1946 bis 1956 wird heute wieder lebendig - rund 50 Angehörigen des letzten Einstellungsjahrgangs vom 11. April 1956 als ehemalige Polizeianwärter der 3. Hundertschaft kehren heute in ihre alte Kasernenanlage Eckernförde-Carlshöhe zurück. Das 55jährige Treffen des Einstellungsjahrgangs sowie einiger Ausbilder hat der Eckernförder Manfred Gerth, Kriminalhauptkommissar a. D., organisiert. Die Teilnehmer werden sich heute bis 10 Uhr im Stadthallenrestaurant einfinden, wo die Erinnerungen noch einmal aufleben. Nach dem Mittagessen ist ein Rundgang durch die Altstadt eingeplant, um den Gästen die positiven Veränderungen Eckernförde näher zu bringen. Danach geht es nach Carlshöhe, wo Eigentümer Wolfram Greifenberg die ehemaligen Polizisten durch das neue Carlshöhe führen wird. In "Piehls Showpalast" gibt es dann einen Dia-Vorträge über die Geschichte der Kasernenanlage von ihrem Entstehen bis zur Gegenwart.

Organisator Manfred Gerth hat die Geschichte ausgiebig recherchiert und blickt für die EZ zurück: Im Rahmen der Neuordnung und des Wiederaufbaues der Polizei in Schleswig-Holstein nach Kriegsende spielt Eckernförde eine wichtige Rolle. Die am 27. Oktober 1945 auf Befehl der britischen Besatzungsmacht als "Provincial Training School Schleswig-Holstein" (Polizeischule der Provinz Schleswig-Holstein) in der früheren Marine-Nachrichtenschule in Flensburg-Mürwik ins Leben gerufen Einrichtung wurde im März 1946 in die Unterkunft der ehemaligen Marine-Ausbildungskaserne in Eckernförde-Carlshöhe verlegt und später umbenannt in "Landespolizeisschule Schleswig-Holstein". Die Lehrpläne stellte die englische Besatzungsmacht auf und kontrollierte sie auch durch häufige Unterrichtsbesuche. Im Juli 1950 wurde die Landespolizeischule von Eckernförde nach Kie-Wik in die Feldstraße verlegt. Wegen der angespannten politischen Lage baute das Innenministerium in Kiel und Lübeck "zur besseren Durchführung der polizeilichen Aufgaben" geschlossen untergebrachten Polizeieinheiten zu je 150 Mann auf - Vorläufer der späteren Bereitschaftspolizeiabteilung. Die wachsenden Spannungen zwischen Ost und West führten schließlich dazu, das geschlossene Polizeiverbände zugelassen wurden.

Den Anfang machte der Bund 1951 mit dem Aufbau des Bundesgrenzschutzes, schwerpunktmäßig kaserniert untergebracht entlang der damaligen Zonengrenze. Am 13.5.1951 wurde per Erlass auch die Einrichtung einer kasernierten Bereitschaftspolizei in Schleswig-Holstein verfügt, die ebenfalls in Eckernförde-Carlshöhe aufgebaut werden sollte. Es kamen nur Bewerber zwischen 19 und 22 Jahren in Frage, die ledig sein mussten, sich für mindestens sieben Jahre verpflichteten und die gelobten, nicht vor Vollendung des 27. Lebensjahres zu heiraten. Mit dem Aufbau der Bereitschaftspolizei 1951 wurden die Fortbildungsabteilungen in Kiel und Lübeck aufgelöst. Ein großer Teil dieser Beamten bildete nunmehr das Stammpersonal der neuen Bereitschaftspolizeiabteilung. Als Abteilungs-, Hundertschafts- und Zugführer waren zumeist ältere, kriegserfahrene Polizeioffiziere eingesetzt, die für die Ausbildung des Polizeinachwuchses verantwortlich waren. Am 4. Juli 1951 zogen die ersten Freiwilligen bei der neuen Bereitschaftspolizeiabteilung auf Carlshöhe ein. Damit hatte Schleswig-Holstein als erstes Bundesland das zwischen Bund und Ländern geschlossene Verwaltungsabkommen erfüllt. Die Bereitschaftspolizei - angepeilte Sollstärke 681 Beamte - hatte vier Ausbildungs-/Einsatzhundertschaften. Die jungen Polizeibeamten sollten drei Jahre in den geschlossenen Verbänden verbleiben und dann als Nachwuchs in die Landespolizei gehen. Am 27.8.1951 legten auf Carlshöhe die ersten 391 Polizeianwärter öffentlich ihren Eid ab.

Der Einstellungsjahrgang 11. April 1956 in die 3. Hundertschaft war der letzte Polizei-Einstellungsjahrgang auf Carlshöhe. Nach dem Einrücken in die Kaserne erfolgte in den ersten Tagen eine nochmalige ärztliche Untersuchung, danach standen Einkleidung und Ausrüstung auf der Tagesordnung: unter anderem noch mit blauer Uniform, Tschako und Stahlhelm; als Waffe gab es den "Karabiner 98 k", die Polizeischülern wurden an der 9 mm Pistole, dem Maschinengewehr (MG 42) sowie Granatwerfer und im Handgranaten-Zielwurf ausgebildet. Untergebracht waren sie in 8-Mann-Stuben (Etagenbetten) mit Gemeinschaftswaschräumen. Auf dem Exerzierplatz in Carlshöhe stand zu Beginn die Formalausbildung und auf dem Sportplatz sowie am Noor die "Körperschulung" auf dem Programm. Die ersten von den annähernd 120 eingestellten jungen Polizeianwärtern packten schon sehr bald wieder ihre Sachen; sie hatten sich die Ausbildung anders vorgestellt.

Nach nur sechs Wochen mussten die Polizeischüler Carlshöhe wieder verlassen - die Marine zog ein. Am 1.6.1956 verabschiedete sich die Bereitschaftspolizeiabteilung mit einem Ausmarsch und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Rathausmarkt von Eckernförde. Damit war die fast zehnjährige Polizeigeschichte nach 1945 in Eckernförde beendet, die Stadt wurde wieder Marinestandort. Die Eckernförder Zeitung hatte am 2. Juni 1956 ausführlich über die Abschiedszeremonie berichtet.

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