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Neue Verhandlungen : Transfergesellschaft oder Kündigung: 86 sollen gehen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sig Sauer will mit nur noch 49 Mitarbeitern Sportwaffen produzieren. 86 Mitarbeiter sollen das Unternehmen verlassen. Zum 1. März wird eine Transfergesellschaft gegründet, in die die Betroffenen für ein Jahr wechseln können.

Der eingeleitete Restrukturierungskurs beim Eckernförder Waffenhersteller Sig Sauer wird fortgesetzt, 86 der 135 Beschäftigten sollen zum 1. März 2015 in eine Transfergesellschaft überführt werden und das Unternehmen verlassen. Mit 49 Mitarbeitern möchte sich Sig Sauer am Standort Eckernförde künftig allein auf die Produktion von Sportwaffen konzentrieren. Nach dem Abzug der Jagdgewehrproduktion nach Isny im Allgäu 2009 soll nun auch die Pistolenherstellung an anderer Stelle konzentriert werden – in Exeter/ New Hampshire im Werk des allgegenwärtigen Geschäftsführers Ron Cohen (wir berichteten).

Mit einer Abkehr vom Sanierungskurs mit Massenentlassungen hatte selbst der Betriebsrat und die IG Metall bei der Verhandlungsrunde am vergangenen Montag nicht mehr gerechnet. Die Ansagen des Miteigentümers Michael Lüke von der L&O Holding aus Emsdetten und Ron Cohens vom Schwesterwerk in den USA ließen den Eckernfördern kaum Luft zum Atmen. Ziel der Arbeitnehmervertreter in den knapp neunstündigen Verhandlungen war es, die vorhandenen 135 Arbeitsplätze möglichst lange zu erhalten und die für den 1. Dezember geplante Gründung der Transfergesellschaft zu verschieben. Insofern ist beides gelungen: Die Transfergesellschaft nimmt nun erst am 1. März 2015 ihre auf ein Jahr befristete Arbeit zur Schulung der Mitarbeiter auf, und die Geschäftsführung soll bis dahin auf Entlassungen verzichten. Das sagte der Vorsitzende des Betriebsrats, Rolf Rohde, auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Verhandlungen standen mehrfach kurz vor dem Abbruch, doch am Ende haben wir uns doch noch geeinigt“, so Rohde. 86 Mitarbeitern soll nun der Übergang in die Transfergesellschaft bei 73 bis 80 Prozent der Bezüge schmackhaft gemacht werden. Gehen sie diesen Schritt, dürfen sie unter Umständen auch auf Abfindungen hoffen. Darüber wird ab Anfang Dezember in der Einigungsstelle verhandelt. Lehnen die betroffenen Mitarbeiter den Übergang in die Transfergesellschaft ab, dürften sie umgehend die Kündigung erhalten. Dagegen können sie klagen, oder sie versuchen während der Kündigungsfrist eine neue Stelle zu finden.

Rolf Rohde ist skeptisch, ob sich Sig Sauer mit nur noch 49 Mitarbeitern über Wasser halten kann. Ganz abgesehen von der Frage, wo plötzlich die ganzen Aufträge für Sportwaffen herkommen sollen, müssten die Mitarbeiter der Rumpfbelegschaft intensiv geschult werden, um künftig alle Maschinen in der Lauf-, Griff-, Verschluss- und Gehäusefertigung bedienen zu können. Allein in der Lauffertigung gibt es beispielsweise drei Fertigungszentren. Bislang bedient ein Sauer-Arbeiter zwei bis drei Maschinen. „Ich sehe große Probleme, dass es mit einer so kleinen Belegschaft funktionieren wird“, sagt Rohde. Und ob das künftige Plansoll von 25 Pistolen und fünf Gewehren pro Tag ausreicht, um den Betrieb am Leben zu halten, bezweifelt nicht nur er.

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erstellt am 26.Nov.2014 | 06:06 Uhr

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